Für mehr sportliche Aktivität

Neue Schulhof-Attraktionen: Boulder-Grotte & Co.

München - Mit dem Projekt "Bewegte Pausenhof-Gestaltung" versucht die Stadt Schülerinnen und Schüler zu mehr sportlicher Aktivität zu animieren. Neue Attraktionen auf dem Schulhof sollen dabei helfen.

Jungs kicken, Mädchen hängen herum

Was sie in der Mittagspause am liebsten mache – vielleicht Fangen spielen oder Gummihupf? Von wegen. „Chillen“, sagt die zehnjährige Adjona. Was beim Chillen – Rumhängen – passiert? „Da kann man sich Geheimnisse erzählen“, sagt die Viertklässlerin aus der Walliser-Grundschule in Fürstenried. Und was machen die Buben in der Pause? „Fußball spielen.“ Das sei das typische Bild, sagt Adjonas Lehrerin: Viele Jungs kicken, viele Mädchen hängen nur herum.

Riesen-Murmelbahn, Boulder-Grotter oder Parkour-System

Dass sich Kinder generell zu wenig bewegen, obwohl sie sich allen Studien zufolge täglich mindestens eine Stunde lang austoben sollten – dieses Problem packt auch die Stadt an, wie Bildungsreferent Rainer Schweppe (SPD) erläutert. Seit 2010 engagiert sich sein Referat in der „bewegten Pausenhof- Gestaltung“. Im Hof der Grund- und Mittelschule an der Walliser Straße hat die Stadt mehrere Bewegungsangebote getestet – gemeinsam mit dem Verein Spiellandschaft Stadt. Seither können die Schüler zwischen Riesen-Murmelbahn, Boulder-Grotte und Parkour-System wählen. Dessen Idee ist es, Hindernisse nach Lust und Laune zu überwinden – „spielerisch, ohne geordnetes Turnen“, erklärt Mittelschul-Lehrerin Christine Thomann.

Parkour passt in den Lifestyle der Schüler

Zum klassischen Geräteturnen müsse man die Schüler ziemlich anschieben, „aber hier sind sie total aufgetaut“. Es passt einfach in ihren Lifestyle: Echte Parkour-Läufer rennen Wände hinauf und springen über Hochhausdächer – und die Schüler imitieren das im Hof, wo leihweise ein Parkour-Set steht. Ein paar Siebtklässler, manche erkennbar untrainiert, schwingen sich enthusiastisch über Stangen, hüpfen von Holzwürfeln und balancieren über Balken.

Schüler, die sich bewegen, lernen besser

Das Bild von sportelnden Jugendlichen, die nicht nur herumhocken und Chips essen, genießt auch Florian Bär, Leiter der Mittelschule. Wer sich viel bewege, sei nachweislich gesünder und lerne besser, sagt er. Schulen müssten ausgleichen, dass sich Kinder im privaten Umfeld zu wenig bewegten. Zudem wolle man mit mehr Sportmöglichkeiten die Ganztagsschule attraktiver gestalten, die an der Walliser Straße bereits 160 Schüler besuchen.

Angebote werden begeistert angenommen

Die Sportangebote werden stürmisch genutzt. In der Boulder-Grotte, die seit 2010 existiert, klettern Jüngere wie Ältere, Buben wie Mädchen, an bunten Griffen über weichem Mulchboden. In der anderen Ecke steht seit 2013 die Murmelbahn: ein Klettergerüst aus langen Rohren und Spiralen, durch die die Kleineren pausenlos Kugeln rollen lassen. „Sie stopfen auch mal Steine rein oder andere Sachen“, sagt Grundschulrektor Stefan Inderst, „aber das kann man reinigen. Die Bahn wird begeistert angenommen.“

Mobile Überdachungen für Regentage geplant

Begeistert ist auch Jürgen Triftshäuser. Der Mann vom Sportamt ist der kreative Kopf hinter den Bauten. Aufgeregt hüpft er herum und erklärt, wie die Kinder an der Murmelbahn Physik lernten. Dass das Parkour-System variabel aufbaubar sei. Dass er mobile Überdachungen aufstellen möchte, damit auch bei Regen geturnt werden kann. Dass die Angebote bei Mädchen und Jungs gut ankämen.

Idee soll an weiteren Schule umgesetzt werden

Bezahlt hat die Stadt die drei Vorzeige-Elemente mit 165 000 Euro aus der Gewinnausschüttung der Stadtsparkasse. In den nächsten Jahren will Schweppe die Ideen an vielen weiteren Schulen umsetzen. Eine Investition, die sich offenbar lohnt: Ein zehnjähriger Klassenkamerad von Adjona merkt plötzlich, dass die anderen es uncool finden, wenn er auf die Frage nach seiner Lieblingssportart „Playstation“ antwortet.

Christine Ulrich

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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