+
An Weiberfastnacht ist es vielerorts Brauch, das Närrinnen bei Männern den Schlips kürzen. Ein Arbeitnehmer, der sich gewaltsam widersetzte, verlor dadurch seinen Job. 

Fristloser Rauswurf

Panik bei Karnevalsfeier: Mit Bierglas ins Gesicht geschlagen

Karnevalsfeiern im Betrieb können eine gefährliche Angelegenheit sein: Wenn die feuchtfröhliche Stimmung kippt, kann das schnell böse Folgen haben. Etwa wenn ein Schlipsträger seinen Schlips behalten will.

Düsseldorf - Weil er auf einer Karnevalsfeier die Nerven verlor, ist ein Versicherungsmitarbeiter in Düsseldorf seinen Job los. Das Landesarbeitsgericht bestätigte den fristlosen Rauswurf des schwerbehinderten Mannes und wies dessen Berufung zurück (Az.: 13 Sa 957/15).

Seine Anwältin hatte sich vergeblich auf eine Angststörung ihres Mandanten berufen: Mit Scheren bewaffnete Möhnen (Karnevalsweiber) hätten bei ihm Panik ausgelöst. Er habe, als Mafiagangster Al Capone verkleidet, seinen Schlips behalten wollen und damit den Unmut der Närrinnen entflammt. Die hätten auf der Karnevals-Tradition des Krawatten-Abschneidens bestanden. Als er auch noch von einem Clown bedrängt worden sei, habe der 48-jährige Sachbearbeiter die Nerven verloren und ihm ein Bierglas ins Gesicht gestoßen. Dem Kollegen mussten von einem Arzt Glassplitter aus der Stirn entfernt werden. Eine Überwachungskamera hatte das Geschehen aufgezeichnet. Wenig später erhielt "Al Capone" die Kündigung.

Die Anwältin hielt den fristlosen Rauswurf angesichts der Vorgeschichte für überzogen: Seit einer Operation leide er an einer Angststörung, die durch die mit Scheren bewaffneten Närrinnen akut geworden sei. Er habe die Damen zuvor mehrfach gebeten, ihm vom Leib zu bleiben, doch die hätten dies mit unflätigen Beleidigungen quittiert. Schließlich habe sich noch der Clown auf die Seite der Frauen geschlagen. Der Sachbearbeiter habe sich in 28 Jahren Betriebszugehörigkeit nichts zuschulden kommen lassen. Er sei in dem Moment schuldunfähig gewesen, die Kündigung sein "wirtschaftliches Todesurteil".

Stundenlang studierte das Gericht am Dienstag die Aufnahmen aus der Überwachungskamera und analysierte das Verhalten des Klägers etwa bei einer Polonaise. "Er war der Situation einfach nicht gewachsen und ist ausgerastet. Er hat sich bei seinem Kollegen aber entschuldigt und der hat die Entschuldigung auch angenommen", sagte seine Anwältin. Doch vergeblich. Dem Gericht reichte der Gewaltausbruch für den Rauswurf aus. Es bestätigte damit ohne mündliche Begründung das Urteil der Vorinstanz und ließ keine Revision zu.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mobbing am Arbeitsplatz: So wehren Sie sich gegen Schikanen
Lästern, ausgrenzen, schikanieren: Mobbing am Arbeitsplatz macht psychisch und körperlich krank. Wie Sie gegen fiese Kollegen vorgehen - und was nichts bringt.
Mobbing am Arbeitsplatz: So wehren Sie sich gegen Schikanen
Alles zu Bewerbungsprozessen, Erfolg im Job und Fragen zur Kündigung
Was gehört in die Bewerbungsmappe? Wie sieht ein guter Lebenslauf aus? Wie setzen Sie sich von anderen Bewerbern ab? Hier finden Sie eine umfassende Übersicht.
Alles zu Bewerbungsprozessen, Erfolg im Job und Fragen zur Kündigung
Bei diesen sieben Fehlern wird Ihre Bewerbung abgelehnt
Personaler werfen oft nur einen kurzen Blick in die Bewerbung, um zu entscheiden, ob Sie als Kandidat interessant sind. Diese Fehler sollten Sie dabei vermeiden.
Bei diesen sieben Fehlern wird Ihre Bewerbung abgelehnt
Sieben Fehler, die Sie am ersten Arbeitstag vermeiden sollten
Der erste Tag im neuen Job und schon unbeliebt gemacht? Das passiert ganz schnell - diese Fehler sollten Sie deshalb vermeiden.
Sieben Fehler, die Sie am ersten Arbeitstag vermeiden sollten

Kommentare