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Tiere zu pflegen und zu trainieren macht Spaß, ist aber auch harte Arbeit.

Ästhetik und Pädagogik

Modernisierte Ausbildung zur Pferdewirtin

Denise Schölten ist mit Pferden aufgewachsen: Schon mit sechs Jahren saß sie im Sattel. Ihr Berufswunsch war früh klar: Was mit Pferden machen...

Die Eltern übersetzten das in „Pferdewirtin“ und rieten zunächst ab: „Das ist kein Job für das ganze Berufsleben.“ Aber Denise ließ sich nicht beirren. Diese Leidenschaft ist wichtig in dem Beruf: Denn er verlangt eine große Einsatzbereitschaft und viel Liebe zu den Tieren.

Denise holte ihr Abitur nach und arbeitete stundenweise bei einem Gestüt in der Nachbarschaft – ein Job, der bald in eine Ausbildung zum Pferdewirt mit dem Schwerpunkt „Zucht und Haltung“ umgewandelt wurde und die sie erfolgreich abgeschlossen hat. Nach einem weiteren Jahr mit dem Schwerpunkt Reiten bewarb sich die 26-Jährige beim Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei in Warendorf, ritt vor und überzeugte.

In den vergangenen 40 Jahren hat sich die Zahl der Pferde in Deutschland etwa vervierfacht. Drei bis vier Tiere ergeben einen Arbeitsplatz. Dabei geht es vor allem um die Ausbildung von Pferd und Reiter: „Die Bedeutung der Pensionspferdehaltung sowie der Reitausbildung hat enorm zugenommen“, unterstreicht Diplomtrainer Scharmann. Dem trägt eine modernisierte Ausbildung Rechnung. So wurde der erste Ausbildungsschwerpunkt in die Fachrichtungen „Pferdehaltung und Service“ und „Pferdezucht“ aufgeteilt. Der zweite Schwerpunkt ist die „Klassische Reitausbildung“.

Als Pferdewirtin kann man selbstständig und auch international arbeiten, etwa in der Vielseitigkeitsreiterei.

Dass die Reitlehre Eingang in den Ausbildungsberuf gefunden hat,freut Gerd Heuschmann. Der Tierarzt setzt sich dafür ein, dass im Reitsport wieder mehr Ästhetik und Kunst statt Handwerk und Mechanisierung im Vordergrund stehen. Wie man ein Pferd führt, füttert und fördert, könne jeder Auszubildende lernen. „Das ist Handwerk. Aber um ein guter Reitlehrer zu werden, braucht es mehr: gute Pädagogik und Gefühl.“ Die Fachrichtung Reitausbildung ist besonders beliebt. Auch wenn der Beruf formal für alle Anwärter offen ist, sind es in der Regel erfahrene Reiter, die sich dafür entscheiden. Genauer sind es meist Reiterinnen, die sich für die Traumbranche vieler kleiner Mädchen entscheiden: Von den gut 700 Lehrlingen, die sich nach drei Lehrjahren zur Prüfung melden, sind gerade mal 150 männlich.

Bewerber müssen sich einsatzbereit und zuverlässig zeigen: „Die Tiere machen nicht um 16 Uhr Feierabend, sie wollen auch am Wochenende und feiertags versorgt werden“, erklärt Scharmann. Der Pferdewirtschaftsmeister spricht von einer Berufung: „Das ist kein Hobby, sondern Knochenarbeit und setzt eine strategische Karriereplanung voraus.“ Die angehenden Pferdewirte müssten sich früh überlegen, wie sie sich ihren Berufsweg vorstellen: Wollen sie im Alter von 30 oder 40 Jahren weiter bei einer nicht gerade üppigen Bezahlung und unregelmäßigen Arbeitszeiten angestellt bleiben? Oder wollen sie später in die Selbstständigkeit wechseln?

Heuschmann bedauert, dass viele junge Leute frühzeitig in dem Beruf „verschlissen“ würden. „Wenn ich grob behandelt werde, behandele ich andere grob.“ Gemeint sind die Tiere, die häufig zu stark an die Kandare genommen würden und auf dem Turnierplatz unter Show und Spektakel leiden müssten: „Das Pferd ist kein Sklave, der genau macht, was ich will, sondern mein Partner“, meint er. Heuschmann rät Bewerbern, den Wunschbetrieb genau anzugucken und auf erfahrene Ausbilder Wert zu legen. Denise Schölten hat ihren weiteren Weg schon genau vor Augen: „Mein Ziel ist es, junge Pferde auf das Vielseitigkeitsreiten vorzubereiten, erst in einer Anstellung, dann in Selbstständigkeit.“ Das mache Spaß, sei abwechslungsreich und biete auch international Chancen.

Deike Uhtenwoldt

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