Gute Arbeit wird am Ende des Jahres oft mit einer Prämie belohnt. Wer bei der Extrazahlung jedoch übergangen wird, sollte seine Ansprüche prüfen. Foto: dpa-infocom

Weihnachtsgeld

Prämien im Job: Willkürliche Benachteiligung ist unzulässig

Alle Kollegen bekommen Weihnachtsgeld, man selbst nicht: Das ist verboten. Ein Kollege war im vergangenen Jahr herausragend und erhält dafür einen Bonus: Das ist okay. Rechtliche Regelungen für Prämien im Job sind nicht immer einfach zu durchschauen - ein Überblick.

Wiesbaden (dpa/tmn) - Einige Kollegen bekommen zum Jahresende eine Prämie ausgezahlt, man selbst geht leer aus. In so einem Fall hat man unter Umständen ebenfalls Anspruch auf die Prämie und sollte den auch einfordern. Dieser Anspruch kann bestehen, wenn man eine gleiche oder ähnliche Tätigkeit ausübt, sagt Rechtsanwalt Reinhard Schütte aus Wiesbaden, der in der Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins tätig ist.

Grundlage sei der Gleichbehandlungsgrundsatz aus europäischem Recht und dem Grundgesetz. Dieser Grundsatz besagt, dass Arbeitnehmer nicht willkürlich benachteiligt werden dürfen, wenn sie vergleichbare Tätigkeiten ausüben. Im Streitfall muss der Arbeitgeber belegen, dass sich die Tätigkeiten seiner Mitarbeiter erheblich unterscheiden oder die selektive Auszahlung der Prämie etwa aufgrund einer zeitweiligen Sonderaufgabe gerechtfertigt ist.

"Das ist sehr oft sehr diffizil", sagt Schütte. In einem kleinen Betrieb gelinge es Chefs oft leichter, die wenigen Arbeitsplätze voneinander abzugrenzen als bei größeren Unternehmen. Wenn man den Anspruch auf Gleichbehandlung begründen kann, da man eine ähnliche Tätigkeit wie die Kollegen ausführt, ist es möglich, die Prämie vor Gericht einzuklagen. Allerdings sollte man sich diesen Schritt gut überlegen. "In ungestörten Arbeitsverhältnissen wird eine Prämie selten eingeklagt, obwohl die Rechtsprechung in diesem Gebiet oft auf Seite der Arbeitnehmer ist", sagt Schütte.

Der Grund für die Zurückhaltung leuchtet aber ein: "Gerade in Betrieben ohne Kündigungsschutz riskiert man bei Durchsetzung seiner Rechte rasch eine Kündigung aus angeblich anderen Gründen." Eine Benachteiligung ergibt sich nicht immer nur aus der Tätigkeit. Wenn alle Mitarbeiter eines Betriebs Weihnachtsgeld bekommen und nur ein einzelner nicht, ist das rechtlich verboten. Dagegen kann eine Besserstellung eines einzelnen Kollegen arbeitsrechtlich zulässig sein. Das gilt etwa dann, wenn ein Mitarbeiter durch besonders gute Leistung nachweisbar aufgefallen ist.

In Unternehmen mit Betriebsrat gelten Besonderheiten: "Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht, wie übertarifliche Leistungen verteilt werden, um der Verteilungsgerechtigkeit zu entsprechen", erläutert Schütte. An diese verhandelten Regelungen ist der Arbeitgeber demnach gebunden. Arbeitnehmer können ihre Ansprüche außergerichtlich oder gerichtlich geltend machen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chefs sagen: Das ist der schlimmste Fehler im Bewerbungsgespräch
Wer denkt, das Bewerbungsgespräch sei an seiner Persönlichkeit gescheitert, der irrt oft. Der größte Fehler ist ein ganz anderer - und einfach zu vermeiden. 
Chefs sagen: Das ist der schlimmste Fehler im Bewerbungsgespräch
Darum sollten Sie alle zwei Jahre den Job wechseln
Häufige Jobwechsel machen sich nicht gut im Lebenslauf? Diese Einstellung sollten Sie dringend überdenken, denn Firmentreue bringt ihnen einen großen Nachteil.
Darum sollten Sie alle zwei Jahre den Job wechseln
Jobportal: Arbeitgeber locken mit Betreuungsangeboten
Unternehmen versuchen mit Extraleistungen Arbeitnehmer zu werben. Dabei sind Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in Jobanzeigen am häufigsten zu finden.
Jobportal: Arbeitgeber locken mit Betreuungsangeboten
Wie Sie besser werden, wenn Sie die richtigen Fragen stellen
Ein erfolgreiches Gespräch hängt in erster Linie davon ab, welche Fragen wir stellen. Das behauptet der Gründer eines erfolgreichen Startups - und verrät Tipps.
Wie Sie besser werden, wenn Sie die richtigen Fragen stellen

Kommentare