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Das Bologna-Abkommen macht die Studienabschlüsse in Europa vergleichbar.

Fazit nach zehn Jahren

Schlechtes Zeugnis für Bologna-Reform

Berlin - Bildungsministerin Schavan nennt das Bologna-Abkommen eine europäische Erfolgsgeschichte. Hochschulrektoren allerdings üben scharfe Kritik an der Umsetzung der Hochschulreform.

Zehn Jahre nach dem Start der Bologna-Studienreform beklagen die Chefs der deutschen Hochschulen schwere Mängel. Dies gelte etwa für die angestrebte höhere internationale Mobilität der Studierenden. Das neue System mache es den Studenten nicht leichter, ins Ausland zu gehen, kritisierte der Präsident der Deutschen Rektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler. “Dieses Versprechen ist nicht wirklich erfüllt worden“, sagte er der “Süddeutschen Zeitung“. Mehr internationale Mobilität ist aber ein Kernanliegen der am 15. August 2002 Kraft getretenen Gesetzesnovelle.

Ein Punktesystem für die neuen Studiengänge Bachelor und Master sollte Leistungen vergleichbar machen und den Wechsel vereinfachen. Auslandsaufenthalte seien aber “nach wie vor schwierig“, sagte Hippler. Jeder fünfte Uni-Bachelor gehe laut Statistik für ein Semester ins Ausland - die Bologna-Macher hatten sich mehr erwartet.

Studenten beklagten oft Probleme bei der Anerkennung von Leistungen und den straffen Zeitplan von sechs Semestern für ein Bachelorstudium, der Mobilität unterbinde, sagte Hippler. Mit seinen Äußerungen rückt er von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) ab, die das Bologna-Abkommen als “Beispiel für eine europäische Erfolgsgeschichte“ gelobt hatte, weil es auch die Mobilität der Studierenden gefördert habe.

Hippler rügte zudem das Ziel der Reform, Studenten immer schneller zum Abschluss zu führen. Dass dieser Ansatz falsch sei, habe inzwischen auch die Wirtschaft erkannt: “Die Unternehmen brauchen Persönlichkeiten, nicht nur Absolventen.“ Der “Jugendwahn“ sei an dieser Stelle vorbei.

Kritik wird aber auch an der hohen Quote der Studienabbrecher laut. Fast ein Drittel (28 Prozent) der Bachelor-Studenten gibt vorzeitig auf. Hier sieht der SPD-Bildungsexperte Swen Schulz Handlungsbedarf. Der Hochschulpakt müsse an dieser Stelle um eine Anreizkomponente erweitert werden, sagte er der dpa. Damit die Studenten zum erfolgreichen Abschluss gelangen und um die Universitäten dabei praktisch zu unterstützen, will er den Hochschulen Abschlussboni in Aussicht stellen.

Mehr Flexibilität im Studienablauf und vor allem mehr Betreuung durch die Lehrenden fordert der Vorstand des freien Zusammenschlusses von StudentInnenschaften (fzs), Erik Marquardt. Die straffen Studienpläne führten dazu, dass die Studenten sich weniger auf die Sache als auf die Prüfungen konzentrierten. Die begrenzt vorhandenen Masterplätze förderten zudem ein verschärftes Konkurrenzdenken.

An diesem Punkt hakt auch Hippler ein. Der Ausbau der Master-Plätze müsse mit den vielen Studienanfängern Schritt halten, zumindest in Fächern wie Chemie oder Physik. Wenn dort nur die Besten nach dem Bachelor weitermachen dürften, steige der Frust, sagte er. “Wir brauchen mehr Geld für die Master-Plätze. Das werden sich die jungen Leute sonst nicht gefallen lassen.

Die Wirtschaft lobte die Studienreform hingegen. “Der Bachelor hat sich allen Unkenrufen zum Trotz geräuschlos und gut auf dem Arbeitsmarkt etabliert“, erklärten die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Jetzt müsse auch der Staat nachziehen und den höheren öffentlichen Dienst für Bachelor-Absolventen öffnen.

dpa

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