Viele Auszubildende tun sich schwer mit den ersten Schritten in die Arbeitswelt (im Bild Übungsköpfe für angehende Friseure). Im kommenden Ausbildungsjahr profitieren 7350 Lehrlinge von einem Assistenzprogramm der Bundesagentur.

Ausbildung

Projekt "Assistierte Ausbildung": Hilfe für Lehrlinge und Azubis

Ärger mit dem Meister, Probleme in der Berufsschule – für manche Lehrlinge ist die Ausbildung bereits beendet, noch bevor sie richtig begonnen hat. Sich trotzdem durchzubeißen, dabei will ihnen die Bundesagentur helfen – mit dem Projekt „Assistierte Ausbildung“.

Nürnberg/Berlin – Das von der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Vorjahr gestartete Modell der assistierten Lehrlings-Ausbildung für schwächere Azubis stößt auf wachsendes Interesse bei Betrieben und jungen Menschen. Bereits im ersten Jahr haben Angaben der BA zufolge 4800 Jugendliche von dem Projekt profitiert. 5400 Plätze hatte die Bundesagentur im Ausbildungsjahr 2015/2016 bereitgestellt.

Im neuen Lehrjahr, das im September beginnt, sollen bis zu 7350 Auszubildende im Rahmen des Projekts betreut werden können, berichtet die BA in einer ersten Zwischenbilanz. Das Modell war im August 2015 gestartet.

„Wir setzen große Erwartungen in das Instrument der assistierten Ausbildung. Und die bislang vorliegenden Eintrittszahlen stimmen uns auch sehr optimistisch“, sagte eine BA-Sprecherin. Angaben zur Abbrecherquote lägen derzeit aber noch nicht vor. Vor allem bei den Arbeitgebern will die Bundesagentur in den kommenden Monaten verstärkt für das Modell werben. Angesichts der vielen unbesetzten Lehrstellen könnten es sich Betriebe nicht leisten, „auf das wertvolle Potenzial junger Menschen zu verzichten – auch wenn diese auf den ersten Blick nicht den Idealvorstellungen entsprechen“, heißt es in einer Mitteilung.

Inzwischen zeigten auch die Bundesländer zunehmend Interesse an dem Projekt, berichtete die Sprecherin der Agentur. Derzeit beteilige sich bereits Sachsen-Anhalt mit Mitteln aus dem Landeshaushalt. Mit dem Hamburger Senat liefen Gespräche. Andere Länder wie Bayern und Sachsen planten eigene Konzepte. Interesse bestehe auch bei anderen Bundesländern; dort fehle es aber teils am Geld für die aufwendige Betreuung der Lehrlinge.

Bei der assistierten Ausbildung steht dem Jugendlichen und dem Ausbildungsbetrieb meist ein Berufsbildungswerk zur Seite. Lehrlinge, die wegen Lernschwierigkeiten die Lehre allein kaum durchstehen würden, werden dabei von einem professionellen Betreuungsteam unterstützt. So erhalten sie drei Mal pro Woche Nachhilfeunterricht. Die Betreuer schalten sich auch ein, wenn es im Betrieb Probleme gibt, helfen bei Prüfungsstress, achten auf Pünktlichkeit der Jugendlichen. Und sie greifen klärend ein, wenn sich ein Azubi etwa auffallend oft krank meldet. Wichtig sei dabei der Kontakt zur Familie des Jugendlichen.

Oft mangelt es nur an Kommunikation

Azubis schmeißen häufig nicht wegen fachlicher Probleme die Lehre hin, sondern scheitern oft an Kommunikationsproblemen und schlechter Gesprächskultur in den Betrieben. Dies ergab eine Studie des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen im Auftrag der Vodafone-Stiftung, über die die „Welt am Sonntag“ berichtete. „Ausschlaggebend für Konflikte und Konflikteskalation ist oftmals mangelnde Kommunikation“, heißt es. Gerade kleine Betriebe seien davon betroffen, sie stellten 44 Prozent der Ausbildungsplätze in Deutschland. „Klein- und Kleinstbetriebe stehen oft unter hohem wirtschaftlichen Druck und haben wenige finanzielle und personelle Freiräume, um in die Gestaltung der Ausbildung zu investieren“, erläuterten die Autoren der Untersuchung. Zudem seien kleine Firmen oft durch „stark hierarchische und personalisierte Arbeitsbeziehungen“ gekennzeichnet. 

dpa

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