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Abiturientin Hannah Imhoff weiß, unter welchem Druck Schüler stehen.

Stadtschulsprecherin im Interview

Schockierende Details: So sehr stehen Schüler unter Druck

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Hannah Imhoff (19) ist Stadtschulsprecherin und will Schule verbessern. Sie warnt: Der Druck, der auf den Schultern von Kindern und Jugendlichen lastet, ist enorm. Das bestätigen auch die Betroffenen.

München - Sie gibt den Schülern in München eine Stimme: Hannah Imhoff (19) ist Stadtschulsprecherin. Seit 2013 organisiert die junge Laimerin Kongresse, spricht auf Veranstaltungen, kümmert sich um Projekte. Mit dem Ziel: Schule zu verbessern. 

Bei den Münchner Bildungstagen spricht Hannah Imhoff am Samstag ab 17.30 Uhr über ein ernstes Thema: Das Leid, welches Lehrer, Eltern und Schüler durch unser heutiges Bildungsystem erfahren. Fast 30 Prozent der Jugendlichen, so schätzen Experten, leiden unter Leistungsdruck. Die tz sprach mit der 19-jährigen Abiturientin sowie Eltern und Schülern.

In München gibt es knapp 160.000 Schüler. Immer mehr haben mit Burnout zu kämpfen, berichten Sie in Ihrem Vortrag. Warum?

Hannah Imhoff: Weil Schüler heutzutage wahnsinnig viel leisten, 30 Schulstunden sind für Zehnjährige normal. Dazu kommen Referate, Hausaufgaben, Prüfungen. Jeder 20. Gymnasiast ist von Burnoutsyndromen betroffen.

Woran leiden die Schüler?

Imhoff: Der Druck ist zu groß! Ich kenne den Fall einer Drittklässlern, die nur Dreier und Vierer geschrieben hat. Die Lehrerin sagte ihren Eltern klipp und klar: ,So wird das nichts mit dem Abitur!‘ Mir werden viele solcher Fälle erzählt. Etwa der eines Lehrers, der nach einer Schulaufgabe, die zu gut ausgefallen war, seiner Klasse erklärt: Das werde ich nächstes Mal schwerer machen‘. Da fühlte sich die ganze Klasse bestraft. In beiden Fällen werden Schüler nicht gerade motiviert. Damit meine ich aber nicht, dass allein die Lehrer den Druck produzieren...

Imhoff: „Auch viele Lehrer leiden“

Sondern?

Imhoff: Das System: Neulich brach eine 18-Jährige in Tränen aus – vor Erleichterung weil sie endlich eine gute Note hatte.Das symbolisiert ziemlich treffend den Druck, den wir Schüler empfinden. Uns wird früh eingeimpft, dass nur das Abitur zählt, danach richten sich viele: „Klappe halten und gute Noten schreiben, Hauptsache Abschluss.“ Aber auch viele Lehrer leiden…

Wie das?

Imhoff: Ich weiß allein von drei Lehrern, die mit Burnoutsyndromen zu kämpfen hatten, manche Berufsunfähigkeitsversicherungen nehmen aufgrund der hohen Arbeitsausfallquote Lehrer von vornherein nicht. Der Übertrittsdruck in der vierten Klasse belastet nicht nur Schüler und Eltern, sondern auch die Lehrer: Es gibt viele, die gar nicht mehr in einer dritten oder vierten Grundschulklasse unterrichten wollen.

Was muss sich ändern?

Imhoff: Statt auf Druck und Noten sollte der Schwerpunkt auf ganzheitlichem Lernen liegen, gefördert durch eine Feedbackkultur. Man könnte zweimal im Jahr jedem Schüler einen Fragebogen geben, in dem er schreibt, was gut und was schlecht läuft im Unterricht. Die Ergebnisse müssten dann gemeinsam besprochen werden. Das wäre super für ein besseres Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Lehrern! Gut wäre auch, wenn Gleitzeit eingeführt wird, weil sich nicht jedes Kind schon um 8 Uhr konzentrieren kann.

Wie soll das genau gehen?

Imhoff: Es könnte Lernbüros geben, in denen Kinder zwischen 8 und zum Beispiel 9.30 Uhr individuell gefördert werden – der eine in Rechtschreibung, die andere in Englisch. Ab 9.30 Uhr startet der Unterricht dann für alle. Und ich habe noch einen dritten Vorschlag...

Bitte!

Imhoff: Es sollte mehr fächerübergreifenden Projektunterricht geben. Ob in Chemie, Physik oder einem anderen Fach. Oft sitzen Schüler hinten drin und denken sich, warum bin ich hier? Ist man in einem Theaterprojekt für die Tontechnik zuständig, weiß man, dass es ohne einen nicht geht. So lernt man Verantwortung und hat wieder mehr Spaß in der Schule.

Schüler unter Druck - Das sagen Betroffene:

Stressig

Simon Oefele.

„Ich habe in der elften Klasse viermal lange Unterricht, zum Teil bis 16.10 Uhr. Um halb Fünf bin ich daheim, dann stehen noch zwei Stunden Lernen an. Denn manchmal schreiben wir zwei bis drei Klausuren pro Woche. Der Stress ist schon sehr groß.“ Simon Oefele (18), Gymnasiast aus München

Die Zeit fehlt

Felicitas von Heimendahl.

„Die Belastung von außen nimmt zu. Immer mehr Kinder werden mittags nicht mehr abgeholt, sondern sind im Hort. Denn München ist teuer, viele Eltern müssen beide arbeiten. Dadurch fehlt Zeit, und das ist für die Kleinen stressig.“ Felicitas von Heimendahl (38), Pädagogin mit ihrem Sohn (1. Klasse)

Schulpsychologen helfen

Erschöpfung, Burnout, depressive Reaktion: Hilfe erhalten Münchens Schüler und Eltern von Experten des Zentralen Schulpsychologischen Dienstes (ZSPD) und vor Ort an den Schulen durch die Schulpsychologen. „Kinder und Jugendliche können ähnliche psychische Beschwerden haben wie Erwachsene“, sagt Leiterin Barbara Schweiger-Gruber. Kritisch werde es oft beim Übergang von einer Schulart in eine andere, z.B. nach der vierten Klasse. „Das erfordert häufig ein besonderes Anpassungsvermögen bei sich ändernden Leistungsanforderungen. Hohe Erwartungen an sich oder von außen sind ein häufiger Auslöser.“ Dabei können Mädchen und Buben unterschiedlich reagieren: „Internalisierende Störungen mit Gefühlen wie z.B. Ängste werden häufiger Mädchen zugeordnet, wohingegen externalisierende Störungen mit Gefühlen wie Wut oder Unruhe eher bei Jungen erwartet werden“, so Schweiger-Gruber. Eine vertrauliche und schulortnahe Beratung durch Schulpsychologen könne helfen. Schweiger-Gruber: „Wenn Kinder ernst genommen werden und ihre Sorgen so gehört werden, dass alle Beteiligten sich bemühen, die Situation zu verbessern, ist schon viel gewonnen.“

Bildungstage München - Das Programm:

Die Bildungstage München finden dieses Wochenende – 4. und 5. Februar – statt. Es gibt Vorträge und Infos, etwa von Nachhilfe-Instituten und zu Sprachreise-Anbietern. Ort: MTC München, Haus 1, Ingolstädter Straße 45. Der Eintritt ist frei, auch Parkplätze sind frei. Das Programm in Auszügen:

Samstag:

  • 12 Uhr: Stark in die Schule — Was Kinder vor der Einschulung brauchen (Vortrag von Eva Jermer, Lehrerin und Elterntrainerin).
  • 13 Uhr: Kindheit in der digitalen Welt — Was Eltern tun können (Vortrag von Psychotherapeut Georg Milzner).
  • 17.30 Uhr - 22.30 Uhr: Kolloquium: Lernen im 21. Jahrhundert (mit Stadtschulsprecherin Hannah Imhoff).

Sonntag

  • 2 Uhr: Kluge Kinder — klug begleiten (Vortrag von Barbara Saring, Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.).
  • 13 Uhr: Bildung für die Zukunft — Was wir für ein gelungenes Berufsleben brauchen (Vortrag von Thomas Sattelberger, Ex-Personalvorstand Lufthansa und Telekom.
  • 15 Uhr: Schwierige Kinder – alltagstaugliche Lösungen. Neue Konzepte für den Zappelphilipp (Vortrag von Anna Maria Sanders, Autorin und ADHS-Expertin).

Das komplette Programm finden Sie unter www.bildungstage-muenchen.de.

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