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Ettal: Kloster bestätigt Kinderpornos auf Computer eines Mönchs

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Ettal -  Das Kloster Ettal hat bestätigte, dass Kinderpornographie auf dem Computer eines Mönchs gefunden wurde. Er soll auch Fotos von Schülern mit nacktem Oberkörper ins Internet gestellt haben.

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In der Aula des Klosters Ettal (Kreis Garmisch-Partenkirchen) wird der vom Orden beauftragte externe Ermittler, Rechtsanwalt Thomas Pfister, heute seinen Bericht vorlegen. Wie der Pressesprecher des Erzbistums München und Freising, Bernhard Kellner, auf Anfrage unserer Zeitung berichtete, erhalten die Ombudsleute der Erzdiözese nach wie vor eine Vielzahl von Hinweisen von ehemaligen Schülern Ettals aus Deutschland und aus der ganzen Welt. „Sie zeigen große Erleichterung darüber, dass endlich aufgeklärt wird“, sagte er. All diese Hinweise bestätigten die Vorfälle, die die Ombudsleute Siegfried Kneißl und Rechtsanwalt Burkhard Göpfert bereits in der vergangenen Woche bekannt gegeben hätten, und rundeten das Bild weiter ab. „Erschreckend ist vor allem das Ausmaß der Gewalt und Prügeleien, das offenbar von den Verdächtigen ausgegangen sein soll“, betonte Kellner.

Nach Informationen unserer Zeitung soll es darüber hinaus bei der Durchsuchung des Klosters durch die Staatsanwaltschaft am vergangenen Dienstagnachmittag um Kinderpornographie gegangen sein. Der fragliche Mönch soll eingeräumt haben, dass er entsprechende Daten und Filme aus dem Internet heruntergeladen hat. Bistumssprecher Kellner wollte die Vorwürfe der Kinderpornographie nicht kommentieren und verwies auf die laufenden Ermittlungen.

Trotz des Missbrauchsskandals sieht das Erzbistum München und Freising eine gute Zukunft für Schule und Internat der Benediktinerabtei. Generalvikar Peter Beer erklärte: „Ich begrüße es ausdrücklich, wie die Klostergemeinschaft und Schulleitung in Ettal eine rückhaltlose Aufklärung aller Verdachtsmomente und Vorgänge vorantreibt. Damit wird die Basis für eine gute Zukunft der Abtei Ettal mit Schule und Internat sichergestellt.“ Laut Bistumssprecher Kellner liege der Ball jetzt im Feld des Klosters. Es müsse rückhaltslos aufklären und aufarbeiten, was geschehen ist, um damit einen Neuanfang zu wagen. Nach der Erklärung des zurückgetretenen Abts Barnabas Bögle und des aus dem Amt geschiedenen Schulleiters Maurus Kraß habe man allen Grund zur Hoffnung, dass das Kloster diese Aufgabe mit allem erforderlichen Nachdruck betreibe.

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen hat jetzt auch die Regensburger Domspatzen erreicht. Ein Sprecher des Regensburger Bistums sagte gestern Abend der Deutschen Presse-Agentur, dass es in der 50er und 60er Jahren bei dem weltberühmten Knabenchor und darüber hinaus Fälle gegeben haben soll. „Wir wollen das transparent untersuchen“, sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Dazu werde das Bistum eine Kommission einrichten, die alte Akten und Archive durchgehen soll.

Insgesamt liegen aus dem ostbayerischen Bistum mehrere Hinweise auf Fälle zwischen den Jahren 1958 und 1973 vor. heute will das Ordinariat weitere Informationen dazu geben. Die Domspatzen, die bei Konzertreisen in aller Welt auftreten, werden in Regensburg in einem Musikgymnasium unterrichtet. Dazu gehört auch ein Internat. Von 1924 bis 1963 war Theobald Schrems Domkapellmeister in Regensburg. Von 1964 bis 1994 war der Bruder von Papst Benedikt XVI., Georg Ratzinger, für den Chor zuständig.

Gestern ging auch der Orden der Kapuziner mit Fällen aus der Vergangenheit an die Öffentlichkeit. Der Provinzial der bayerischen Kapuziner, Pater Josef Mittermaier, teilte mit, dass 1984/85 im damaligen Studienseminar der Kapuziner in Burghausen bei Altötting Jugendliche durch den Seminardirektor missbraucht worden sind. Nach verschiedenen Versetzungen wurde der Pater 2009 suspendiert.

Der Missbrauchsfall wurde 1991 juristisch verfolgt. Die Fälle seien aber bereits verjährt gewesen, die Opfer waren Jugendliche. Es habe sich um „schwerwiegende Übergriffe“ gehandelt, so der Leiter des Ordens. Bei den Opfern habe man sich entschuldigt und ihnen eine Therapie auf Kosten des Ordens angeboten. Der Orden wolle sich „dieser schrecklichen Wahrheit“ stellen und im Einverständnis mit den Betroffenen diese Vergehen benennen. Damit solle möglichen weiteren Missbrauchsopfern die Gelegenheit gegeben werden, sich zu melden und die schrecklichen Erlebnisse aufzuarbeiten.

Claudia Möllers

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