Junge, wie die Zeit vergeht: (v. l.) Franz Neuner und Heini Kroiß drücken noch einmal die Schulbank. fotos (5): Hornsteiner

Geschichten, die das Leben schreibt

Wallgau - Der damalige Rektor Otto Ebner (1904 bis 1922) hatte sie 1915 eröffnet. Am Samstag haben die Wallgauer das 100-jährige Bestehen ihrer Dorfschule gefeiert.

Acht Jahre lang drückten sie gemeinsam die Schulbank, saßen permanent nebeneinander. Heute, über 80 Jahre später, sind Heini Kroiß und Franz Neuner (Hansenbaur) wieder in die altehrwürdige Wallgauer Dorfschule zurückgekehrt - und sitzen auf ihrer alten Bank erneut Seite an Seite. „Woaßt Du no, da drüben in der Ecke war der Kachelofen“, erinnert Kroiß seinen ehemaligen Klassenkameraden. Kroiß und Neuner sind beide 1928 geboren. Ihre Schulzeit haben sie noch sehr gut in Erinnerung. „Wir mussten damals immer Holz sammeln und nachschüren.“ Nur das erste Anheizen des Ofens war „immer den Lehrern überlassen“. Geschichten, die das Leben schrieb. Am Samstag bei der 100-Jahr-Feier der Wallgauer Schule wurden sie wieder lebendig.

„Es gibt unzählige Anekdoten“, erzählt Josef Rappensberger, mit seinen 62 Jahren einer der jüngeren Zeitzeugen. „An einem Wintertag wollte sich eine sehr korpulente Lehrerin am Ofen wärmen. Sie merkte allerdings nicht, dass die Hitze ihr bis durch die Unterwäsche brannte“, berichtet Rappensberger leicht amüsiert. Da sie damals aber noch „enormen Respekt“ gegenüber den sehr autoritären Lehrkräften hatten, „traute sich niemand etwas zu ihr zu sagen.“ Das Gelächter nachher war umso größer.

Unter den zahlreichen Gästen an diesem feierlichen Tag war auch Ilse Stiefel. Bis heute erkennt sie noch ihre ehemaligen Schüler. „Ich habe meine Arbeit geliebt“, erklärt die langjährige Handarbeits-Lehrerin. Sie genießt bis heute noch den Ruf als eine der beliebtesten Lehrkräfte in Wallgau, Krün und Mittenwald. „Was habe ich hier alles erlebt“, erzählt sie und schwelgt in Erinnerungen, während viele Schüler auf die Bühne treten, um ein eigens komponiertes „Geburtstagslied“ für und über die alte Schule zu singen.

Doch woher kommt der „Flair der alten Schulhäuser?“ fragte sich Rektorin Jutta Teschner bei ihrer Ansprache. „Ein Mensch, der 100 Jahre alt ist, hat ein vielfältiges und geschichtsträchtiges Leben hinter sich. Es geht wirklich dann in absehbarer Zeit zu Ende.“ Doch wie ist das bei Schulhäusern? „Brüchig an manchen Stellen, doch eigentlich werden sie nicht richtig alt. Wegen unserer Kinder, die jedes Schuljahr wieder neu in das Schulhaus kommen und es immer lebendig halten.“

Denn „ohne Kinder keine Schule“, wie auch Bürgermeister Hansjörg Zahler weiß. „Ein gutes Haus braucht ein solides Fundament“. Zahler ist sich bewusst darüber, dass die Schülerzahlen heute nicht mehr auf das Niveau früherer Jahrzehnte kommen werden. Allerdings prognostiziert er, dass die Schule „mittelfristig im Erhalt gesichert“ sei.

„Trotz aller Freude“ schlug auch Gisela Ehrl vom Staatlichen Schulamt ernste Töne zu diesem Thema an: „Es sind heute nur 42 Schüler in Wallgau“, beschreibt sie die Zahlen. Gleichzeitig gab sie mit einem Artikel des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts von vor Jahrzehnten einen Wink mit dem Zaunpfahl: „Damals wurde eine Turnhalle für die Wallgauer Schule gefordert. Vielleicht ist vom G7-Etat noch etwas Geld übrig“, meinte sie in Richtung Bürgermeister Zahler. joho

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