Lisa Pöttinger, wie man sie kennt: Die ehemalige Murnauer Gymnasiastin will den Schulkindern in Afrika helfen. Foto: fkn

Lisas nächster Coup: Hilfsprojekt in Afrika

Murnau/Kapstadt - 70 Schüler in einer Klasse? Barfuß Sportunterricht in Dornen? Das kann sich hier niemand vorstellen. Lisa Pöttinger, ehemalige Schülerin des Staffelsee-Gymnasiums, erfährt derzeit in Kapstadt, welch ärmliche Zustände an Schulen anderer Länder herrschen können. Jetzt startet sie eine Spendenaktion, um den Kindern dort eine Sporthalle zu ermöglichen. Wenn jeder Murnauer zwei Euro gibt, könnte der Bau stehen.

Man kennt sie in Murnau. Die heute 19-Jährige war und ist ein Energiebündel ohne gleichen. Bereits während ihrer Schulzeit hat sich Lisa Pöttinger immer wieder an sozialen Projekten beteiligt, Kochgruppen mit Flüchtlingskindern organisiert, das Flüchtlingsheim in Moosrain mit hergerichtet und sich für die Kreisjugendvertretung engagiert. Zur Zeit absolviert die leidenschaftliche Fußballerin (SV Huglfing) ein dreimonatiges Volontariat an der Kannemeyer Primary School in Grassy Park bei Kapstadt in Südafrika, danach will sie studieren. Und wer Lisa kennt, weiß, dass sie Kapstadt niemals verlassen würde, ohne dort nachhaltig etwas bewegt zu haben. Ihr aktuelles Projekt ist der Bau einer Schulturnhalle. Hier ihr Bericht aus der Ferne:

„Südafrikas jüngere Vergangenheit ist von Apartheid geprägt, dem rassistischem Segregationssystem von 1948 bis 1994, das Weißen Vorteile verschuf, während Farbige und besonders Schwarze zum Beispiel in ,Townships‘, in äußere Stadtgebiete, deportiert sowie durch Bildungs- und Wahl-, beziehungsweise Rechtsentzug benachteiligt wurden. Obwohl Nelson Mandela das Land aus der Unterdrückung in eine Demokratie führte, sind die Folgen noch deutlich zu spüren: Slums als Ausdruck extremer Armut und Kriminalität, Gangstertum und Drogenmissbrauch allerorten, aber besonders in den ehemaligen Townships, so auch in dem Ort Grassy Park bei Kapstadt.

Unter Jacob Zumas neuer Regierung kommt öffentliches Geld häufig nicht dort an, wo es gebraucht wird, wie etwa in Schulen, für Sozialarbeiter oder Psychologen. Dies hat zur Folge, dass die Kannemeyer Primary School mit 627 Schülern im Alter von fünf bis 14 Jahren mit den jährlichen Fördermitteln des Staates nur einen Teil der Kosten abdecken kann und alles Weitere durch Schulgebühren und Spenden geschultert werden muss. Nun wäre dieses Problem zu lösen, indem man die Gebühren erhöht, doch dann könnten einige Kinder nicht mehr zur Schule gehen, schließlich handelt es sich hauptsächlich um unterprivilegierte Schüler. Das ist schon daran zu erkennen, dass sie Essen aus der Schulkantine und nicht von zu Hause bekommen oder Sport ohne Turnschuhe machen. Die Folge ist, dass sie entweder mit blutigen Füßen von dem mit Dornen besetzten Feld zurückkommen, oder sich dem Risiko aussetzen, in die Schule auf Wegen zu joggen, an denen Kriminelle ihr Unwesen treiben.

Doch die Schule will einschreiten: Es soll eine multifunktionelle Sporthalle gebaut werden, um die körperliche Unversehrtheit der Schüler zu gewährleisten. Zudem soll die Halle als Versammlungsraum genutzt werden, um vor Sonne und Regen geschützt zu sein. Des Weiteren möchte die Schule den Bau tageweise vermieten, sodass die Gemeinschaft davon profitieren könnte und die Schule finanziell unabhängig würde. Das ist aber nicht alles: Wenn die Kosten nicht abgedeckt werden, können die zusätzlichen Lehrer nicht bezahlt werden, so dass die Klassen von ,nur‘ 35 bis 45 Schülern auf eventuell bis zu 70 heranwachsen würden. Für mich als Volontärin aus Deutschland ist die momentane Anzahl der Schüler schon eine gewaltige Herausforderung. Schließlich handelt es sich um psychisch belastete und somit verhaltensauffällige Schüler, deren Lehrer dürftig pädagogisch geschult sind.

Um die Bildung und somit die einzige Chance für die 627 Kinder der Kannemeyer Primary School weiter zu gewährleisten, muss die Anzahl von 16 Klassen unbedingt stabil gehalten werden. Für 2016 werden 250 000 Rand benötigt, das sind in etwa 15 000 Euro, für eine südafrikanische Vorstadtschule ist das eine unglaubliche Summe. Doch was passiert, wenn jeder Bürger Murnaus und vielleicht der umliegenden Ortschaften ein bis zwei Euro € spenden würde? Für jeden Einzelnen ist das ein kleiner Aufwand, für die 627 Schüler und 22 Lehrer der Schule bedeutet das einen deutliche Verbesserung der Verhältnisse und die Sicherstellung ihrer Bildung in einem Umfeld, das keine Sicherheit kennt.“

So weit der Bericht aus Südafrika. Für Lisa Pöttinger würde eine gelungene Spendenaktion bedeuten, Kapstadt mit dem guten Gewissen, etwas nachhaltig bewegt zu haben, verlassen zu können. Infos über die Kannemeyer Primary School sind im Internet unter www.kannemeyerprimary school.co.za und in Facebook unter Friends of Kannemeyer Primary School, Kannemeyer Primary zu finden. Damit die Spendenaktion einen soliden Charakter aufweist, hat sich die Initiative SGM Sozial des Staffelsee-Gymnasiums bereit erklärt, ihr Spendenkonto zur Verfügung zu stellen. Außerdem unterstützt diese Gruppe die Kannemeyer Primary School mit allen Spendeneinnahmen des Unter- und Mittelstufentheaters. (Michaela Sperer)

Spendenkonto:

Wer spenden möchte, kann seinen Beitrag auf folgendes Konto überweisen: Staffelsee Gymnasium Murnau,

IBAN DE85 7035 1030 0009 0713 17

BIC BYLADEM1WHM.

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