Schulschwestern müssen Adelshofen verlassen

Adelshofen - Das Kloster in Adelshofen wird geschlossen. Damit verliert der Ort nicht nur drei sehr engagierte Schulschwestern, sondern auch ein Stück seiner Geschichte.

Bis zum Schluss haben sie die Fahne ihres Ordens in Adelshofen hochgehalten: die Armen Schulschwestern Herta (81), Irmengard (69) und Maria (59). Doch nun sind ihre Tage in der Gemeinde gezählt. Das Mutterhaus in München ruft sie zurück. Voraussichtlich im Herbst kommenden Jahres wird das kleine Kloster an der Fuggerstraße aufgelöst - wegen Nachwuchsmangels, wie Schwester Charlotte vom Provinzialat der Armen Schulschwestern erklärt. Früher traten etwa 50 Frauen pro Jahr in den Orden ein. Heute sind es zwei bis drei.

„Wir wollen nicht weg“, sagt Schwester Irmengard. Sie ist seit 40 Jahren Messnerin in St. Michael und kümmert sich um die Ministranten. „Eigentlich dachten wir, dass wir noch ein wenig Zeit hätten.“ Mehr Zeit, das wünscht sich auch Bürgermeister Michael Raith: „Wir kämpfen um jeden Monat, den die Schwestern vielleicht länger bleiben können.“ Gemeinde, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat haben 164 Unterschriften gesammelt. Genutzt hat das nichts.

Raith kann die Entscheidung des Provinzialats zwar verstehen. Er ist aber tief betroffen - und das nicht nur, weil er selbst von den Armen Schulschwestern unterrichtet worden ist. „Das ist eine schlimme Sache für uns. Das Kloster ist nicht nur Teil, sondern das Herz der Gemeinde“, sagt der Bürgermeister. „Da hängt die ganze Ortschaft mit drin.“ Das kirchliche Leben sei ohne die Schwestern nicht vorstellbar. Auch der Kindergarten wird seit vielen Jahren von Schwester Maria geleitet. Nun muss ihre Stelle neu besetzt werden. „Ich bin sicher noch bis Januar da“, sagt sie.

Für Maria und ihre zwei Mitschwestern wird es ein schwerer Abschied, vor allem für Schwester Herta und Schwester Irmengard. Beide haben fast ihr halbes Leben in Adelshofen verbracht. Schwester Herta ist sogar Ehrenbürgerin. Über 500 Männer und Frauen hat sie in der Schule erzogen und geprägt. Nun soll die Ordensfrau im Pflegeheim der Schulschwestern einen neuen Platz finden. „Wir sind ein Gemeinschaftsorden. Deshalb sollen die älteren Schwestern auch in der Ordensfamilie gepflegt werden“, erklärt Schwester Charlotte vom Provinzialat.

Über die Zukunft des rund 40 000 Quadratmeter großen Klosterareals ist noch nicht entschieden, so Raith. Demnächst werde aber eine Delegation der Gemeinde ins Mutterhaus fahren, um darüber zu sprechen. „Ich möchte am liebsten alles so belassen wie es ist“, sagt der Bürgermeister. Man könne die Räume des Kindergartens erweitern oder dort die Musikschule unterbringen. „Es soll auf jeden Fall was Kulturelles oder Bildungsmäßiges sein.“ Der Gemeinderat wird sich mit dem Thema zu befassen haben.

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