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In dem Schulprojekt schlichten Senioren Streit zwischen Schülern.

Erfolgreiches Schulprojekt

Wie Senioren Streits an Schulen schlichten

Egal, ob sich zwei Schüler um das Pausenbrot zanken oder sich wegen den Hausaufgaben in die Haare bekommen - Senioren sorgen als Mediatoren für eine schnelle Versöhnung. Das zeigt ein deutschlandweites Schulprojekt.

Wenn Anna nicht mehr mit Julia spricht, weil die sich gestern mit Alexandra getroffen hat, und wenn Julian glaubt, dass Timo ihn um seine beste Fußballkarte betrogen hat, dann mag das für Erwachsene banal klingen. Doch aus Kindersicht kann ein solcher Streit eine Katastrophe sein.

Nicht immer gelingt die Versöhnung aus eigener Kraft. Hier setzt das Projekt „Seniorpartner in School“ (SiS) an: Senioren helfen den Kindern als ehrenamtliche Mediatoren dabei, Konflikte zu bewältigen.

Senioren nehmen Lehrern viel Arbeit ab

Walter Hauser aus München ist einer von ihnen. Seit eineinhalb Jahren sitzt der 68-Jährige jeden Donnerstag zusammen mit einer Kollegin in einem Raum einer Grundschule im Stadtteil Nymphenburg. Ihre Aufgabe: Sie sollen in Streit geratenen Schülern bei der Lösung ihres Problems zur Seite zu stehen. „Die Themen sind so vielfältig wie der Kinderalltag: Ausgrenzung, Rangeleien - oder auch die Frage, ob man eine Kröte töten darf“, erzählt der IT-Ingenieur im Ruhestand.

Wenn die Kinder das Gefühl haben, dass sie Hilfe benötigen, um einen Streit beizulegen, melden sie ihren Wunsch bei ihrer Lehrerin an und gehen zu den beiden Mediatoren. „Für das Kollegium bedeutet das eine große Entlastung“, sagt Schulleiterin Andrea Konetschny. „Streitigkeiten in der Pause müssen ansonsten erst in der Klasse aufgearbeitet werden.“

Streitigkeiten gehören zum Schulalltag

Schulen brauchen Regeln und Rituale, in denen Konflikte aufgefangen werden“, bestätigt der Berliner Schulpsychologe Klaus Seifried. Er leitet das Schulpsychologische Beratungszentrum Tempelhof-Schöneberg. In einer so großen Einrichtung wie einer Schule, in der mehrere hundert Kinder und Erwachsene viel Zeit miteinander verbringen, seien kleine und große Streitigkeiten Alltag. „Entscheidend für das soziale Miteinander  ist, wie damit umgegangen wird“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologen.

Senioren arbeiten ehrenamtlich

Die Vermittlung in der konkreten Streitsituation  sei nur ein Aspekt des Projekts, sagt Walter Hauser. Der zweite lautet: „Den Kindern über den konkreten Streit hinaus Strategien zur Konfliktbewältigung  aufzeigen.“ Rund 800 Senioren  sind derzeit bundesweit unter dem Dach von „Seniorpartner in School“ als Mediatoren in Schulen tätig. Die Nachfrage ist noch längst nicht gedeckt: Ehrenamtliche Mitstreiter werden nach wie vor gesucht. 2001 startete das Projekt in Berlin, mittlerweile gibt es in 13 Bundesländern Landesverbände.

Mediatoren bilden sich regelmäßig weiter

Die bundesweite Dachorganisation hat das Qualitätsmanagement im Blick: Auch nach der Ausbildung treffen sich die Mediatoren zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch  und zur Weiterbildung. „Denn es gibt Konflikte, an denen eine solche Form der Streitschlichtung an ihre Grenzen stößt“, sagt Schulpsychologe Klaus Seifried. Das können schwere Fälle von Mobbing oder auch Auseinandersetzungen zwischen Kindern und Erwachsenen sein. Hier die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, sei sicher eine Voraussetzung für die Streitschlichtertätigkeit.

Lebenserfahrung hilft beim Lösen von Problemen

Ein weiteres wichtiges Kapital bringen die Senior-Mediatoren nach Ansicht von Schulleiterin Konetschny schon aufgrund ihres Alters mit: Sie schätzt die Lebenserfahrung der Senioren  und die Tatsache, dass sie meist aus Berufen kommen, die nichts mit Schule zu tun haben. „Die Sicht von außen kann manchmal hilfreich sein.“

dpa

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