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Sorglos im Alter? Die Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung kann sich lohnen.

Regelungen im Überblick

Selbstständige: Pflichtversicherung als Rettungsanker

Selbstständige lieben häufig ihre Freiheit. Doch wenn es um die Rente geht, kann es sinnvoll sein, auf ein Stück Freiheit zu verzichten und die gesetzliche „Pflichtversicherung“ zu wählen. Das bringt Vorteile bei Erwerbsminderung, Reha, Riester – und bei der Rentenhöhe.

Versicherungspflicht

Manche Selbstständige sind qua Gesetz versicherungspflichtig. Das gilt etwa für freiberufliche Lehrer. Die meisten Selbstständigen haben jedoch die freie Wahl: Sie können sich freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung absichern – oder es lassen. Das bringt viel Flexibilität. Als freiwillig Versicherter kann man nämlich die Beiträge fast beliebig frei wählen und zudem die Beitragszahlung jederzeit einstellen.

Antragspflichtversicherung

Stattdessen können Selbstständige aber auch die „Versicherungspflicht auf Antrag“ wählen. Klar ist dabei: Selbstständige, die diese Variante wählen, gehen eine viel engere Bindung mit der gesetzlichen Rentenversicherung ein. Wer die Pflichtversicherung wählt, bindet sich in der Regel bis zur Aufgabe der Selbstständigkeit. Zudem müssen die Versicherten dann einkommensgerechte Beiträge zahlen. Ausnahmen gelten nur in den ersten Versicherungsjahren.

Erwerbsminderungsrente

Doch die Bindung bringt Vorteile, vor allem den Anspruch auf Erwerbsminderungsrente. Freiwillig Versicherte genießen keinen gesetzlichen Erwerbsminderungsschutz. Selbstständige, die pflichtversichert sind, sind dagegen – ohne Zusatzbeitrag – für den Fall der Erwerbsminderung abgesichert – vorausgesetzt sie können in den letzten fünf Jahren vor dem Eintritt der Erwerbsminderung drei Versicherungsjahre nachweisen. Die Versicherungspflicht auf Antrag ist damit vor allem für Selbstständige interessant, für die – etwa wegen gesundheitlicher Probleme oder weil sie eine gefährliche Tätigkeit ausüben – eine im Prinzip empfehlenswerte private Berufsunfähigkeitsrente zu teuer ist oder gar nicht in Frage kommt.

Weitere Vorteile

Zudem können Selbstständige durch die Zeit der Versicherungspflicht, nicht jedoch durch freiwillige Beiträge, die Voraussetzungen für die 45-jährige Wartezeit bei der Altersrente für besonders langjährig Versicherte erfüllen. Sie können damit gegebenenfalls früher ohne Abschläge in Rente gehen. Weiterhin haben sie Anspruch auf Leistungen der medizinischen Rehabilitation (etwa nach Operationen) und auf die staatlichen Riester-Zulagen.

Mehr Rente in den neuen Bundesländern

Ein kaum bekannter Vorteil betrifft nur Selbstständige in den neuen Bundesländern: Als Pflichtversicherte können sie von der Hochwertung der Pflichtbeiträge in den neuen Ländern profitieren. Diese Höherwertung gilt nicht für freiwillige Beiträge von Selbstständigen, sondern nur für Pflichtbeiträge. Derzeit werden Pflichtbeiträge in den neuen Bundesländern noch um 14,79 Prozent hochgewertet. Das bedeutet: 1000 Euro an Rentenbeiträgen haben in den neuen Ländern den Wert von 1147,90 Euro. Das bringt dann auch mehr Rente.

Beginn

Die Antragspflichtversicherung muss – wie der Name sagt – beantragt werden. Die Pflichtversicherung können Selbstständige innerhalb von fünf Jahren nach Aufnahme ihrer Tätigkeit beantragen. Eine vorherige freiwillige Versicherung ist nicht erforderlich. Der Antrag kann also auch gestellt werden, wenn man schon (fast) fünf Jahre selbstständig tätig ist und bislang keine Beziehung zur gesetzlichen Rentenversicherung hatte.

Von Rolf Winkel

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