Siemens spürt noch keinen Fachkräftemangel

München - Siemens kann für jede offene Stelle unter mehr als 50 Bewerbern aussuchen. Trotzdem stellt sich der Konzern mit Verbesserungen bei der Kinderbetreuung für den Wettbewerb auf.

Europas größter Elektrokonzern Siemens spürt noch keinen echten Fachkräftemangel. Um Mitarbeiter zu binden, zahlt das Unternehmen ihnen aber einen Großteil der Kinderbetreuungskosten und beginnt jetzt auch, eigene Kindergärten zu bauen. „Wenn es stimmt, dass wir zu einem Kampf um die Talente kommen, müssen wir ein Top-Arbeitgeber bleiben“, sagte Personalvorstand Brigitte Ederer am Dienstag im Münchner Club Wirtschaftspresse.

Siemens habe in Deutschland auf 2500 offene Stellen gut 130.000 Bewerber im Jahr. Und auf 2300 Ausbildungsstellen kämen rund 40.000 Bewerbungen von Schulabgängern: „Wir können auswählen“, sagte Ederer. Spezialisten fehlten zwar auf einigen Feldern - etwa für Energieeffizienz bei Gebäuden oder bei der Anbindung von Windparks auf See ans Stromnetz. Aber „eine extreme Knappheit, wie sie manchmal diskutiert wird, kann ich nicht bestätigen“, sagte Ederer. „Für Siemens gilt das nicht.“

Die Zahl der Bewerbungen aus südeuropäischen Krisenländern auf Stellen in Deutschland wachse, sei aber insgesamt noch klein. Aus Spanien zum Beispiel gebe es erstmals 10 Bewerbungen für Trainee-Stellen, sagte Ederer. Es könne gut sein, dass es in einigen Jahren eine Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte gebe, wie es nach 1960 eine Zuwanderung ungelernter Arbeitskräfte gegeben habe.

Für die junge Generation sei die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig. Für die Betreuung von Kindern bis zum 6. Lebensjahr in der Krippe, bei einer Tagesmutter oder im Kindergarten zahle Siemens deshalb 100 Euro im Monat. Im vergangenen Jahre habe es 6000 Anträge dafür gegeben. Eigene Krippenplätze biete der Konzern heute gerade einmal 800 - bei bundesweit 119.000 Beschäftigten. Aber in drei Jahren sollen es 2000 Betreuungsplätze sein.

"Gemischte Teams sind erfolgreicher"

Um Mütter oder Väter vor Ablauf der Elternzeit wieder an den Arbeitsplatz zu holen, zahlt Siemens ihnen bei vorzeitiger Rückkehr pro Monat 500 Euro. „Je länger sie weg sind, desto schwieriger ist es, wieder an den Beruf anzuknüpfen“, sagte die Personalchefin.

Derzeit seien nur 10 Prozent der Führungspositionen bei Siemens von Frauen besetzt, bis 2015 sollten es mindestens 12 Prozent sein. „Gemischte Teams sind erfolgreicher. Der weibliche und der männliche Blick gemeinsam ist ein Vorteil“, erklärte Ederer. Das Problem sei allerdings, dass sich zu wenige Frauen für technische Berufe interessierten. In Russland und den anderen Ostblockstaaten sei der Anteil viel höher.

Siemens sei dank Kurzarbeit nach 2008 gut durch die Krise gekommen und habe in Deutschland und weltweit Personal aufgebaut. Das kurzzyklische Industriegeschäft, in dem Probleme am frühesten erkennbar würden, laufe gut, getragen von der Autoindustrie. Die Auftragslage sei gut. Aber das könne in einigen Monaten schon wieder anders sein, sagte Ederer. Siemens habe Pläne in der Schublade, um Kosten rasch zu senken.

dpa

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