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Kinder sollten nicht erschöpft, sondern mit freiem Kopf ins neue Schuljahr starten.

"Hirne der Kinder werden streiken"

Experten warnen vor Paukerei in den Ferien

München - Sommerferien... das klingt nach Ausschlafen, Eisessen und Freibad. Doch viele Kinder müssen diszipliniert lernen. Experten mahnen, dass auch Schüler ein Recht auf Entspannung haben.

Ein Drittel der Eltern stellt einen Lernplan auf

„Wie sieht Euer Lernplan für die Ferien aus?“ Eine Frage, die manche Eltern aufschrecken lässt. Lernen? In den Sommerferien? Soll das ein Scherz sein? Keineswegs. Lehrer berichten von vielen Kindern, die in diesen Wochen fürs kommende Schuljahr pauken müssen. Bestimmt ein Drittel der Eltern stellten so einen Lernplan auf, meint der Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) Klaus Wenzel. Experten sehen das nicht so gerne, vor allem wenn die freie Zeit komplett durchgeplant wird. Sie raten, Schulkindern drei bis vier Wochen Entspannung zu gönnen.

"Die Hirne der Kinder werden streiken"

„Wenn wir nach zehn Monaten Schulpaukerei die sechs Wochen wieder damit vollhauen, werden die Hirne der Kinder streiken“, ist Wenzel überzeugt. „Sie sind erschöpft, sie können nicht mit frischen Kräften und freiem Kopf und vielen schönen Erlebnissen beginnen.“

Ehrgeizige Eltern, die auf jede Note achten

Insbesondere künftige Viertklässler werden in den Sommerferien dazu angehalten, ihre Kenntnisse in Mathe, Deutsch oder auch im Heimat- und Sachunterricht zu vertiefen. Das Ziel der Eltern: Ihr Kind soll den vielbeschworenen Übertritt aufs Gymnasium oder zumindest auf die Realschule schaffen. Simone Fleischmann, Rektorin einer Grund- und Mittelschule in Poing, ahnt oft schon in der dritten Klasse, welche Kinder das sein werden. „Sie haben ehrgeizige Eltern, die dem Druck nicht standhalten und schon in der Dritten auf jede Note achten“, erzählt sie. „Das sind dann auch die, die in den Ferien Gas geben.“

Unterstützung von Nachhilfeinstituten oder Trainingscamps

Und wem das Lernprogramm daheim nicht reicht, der holt sich Hilfe von Profis, etwa bei Trainingscamps für mehrere 100 Euro pro Woche oder in Nachhilfeinstituten. „Es kommen eine ganze Reihe Schüler, die machen Kompaktkurse oder Repetitorien, aber richtig viel los ist nicht“, berichtet Cornelia Sussieck, Vorsitzende des Bundesverbandes Nachhilfe- und Nachmittagsschulen (VNN) im baden-württembergischen Osterburken. Die meisten kämen in der zweiten Ferienhälfte.

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Viele Schüler müssen auch in den Ferien lernen

Der Druck lässt viele Kinder scheitern

Die Folge des vielen Lernens: ein Riesendruck. „Das Kind spürt, dass die Eltern Energie und Geld reinstecken, dass nicht zur Oma gefahren wird, sondern ins Trainingscamp“, sagt Fleischmann. „Dieser Druck ist es letztendlich auch, der uns zu schaffen macht.“ So verzweifeln Kinder über einer Probe, obwohl sie den Stoff eigentlich beherrschen. „Dann kommt die Vier raus und Du hast den Eindruck, das Kind hätte eine Zwei ganz einfach schaffen können.“ Ohne Druck, versteht sich.

Pädagogisch sinnvoll: Spielerisch Lesen und Schreiben üben

Allerdings: Mitunter halten es auch Pädagogen für sinnvoll, in den Sommerferien am Ball zu bleiben, etwa um Wissenslücken zu schließen. Und Grundschüler sollten durchaus lesen üben, rät Fleischmann. Spielerisch, mit einem schönen Buch. Das gilt auch fürs Schreiben: „Man kann unabhängig vom Schulstoff mit Einkaufzetteln trainieren oder dem Papa einen Zettel schreiben: Wir sind am See und kommen um 17 Uhr wieder.“ Das reiche meistens. „Ich finde es ganz fatal, wenn ich mir jeden Tag verpesten lasse durch das Lernen“, findet die Pädagogin. „Das Gefühl des Kindes muss definitiv sein: Ich hatte viel, viel Ferien und habe auch ein bisschen gelernt.“

Mit Druck und Drohungen erreicht man nichts

Was wann gelernt wird, sollte gut geplant werden - am besten mit den Kindern zusammen. „Wichtig ist, dass die Eltern den Kindern nicht immer in den Ohren liegen, hast Du schon gelernt?“, so Sussieck. Doch das schönste Programm hilft nichts, wenn der Nachwuchs streikt: „Wenn Sie etwas gegen den Willen eines Kindes machen, sträubt sich das Gehirn, das hat wenig Sinn“, sagt Wenzel. „Das tut uns als Eltern manchmal weh, aber sie werden mit Druck und Drohungen nichts erreichen.“

dpa

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