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Das Otto-von-Taube-Gymnasium war unter den Teilnehmern der ersten PULSS-Studie, einer Begabtenstudie in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 in bayerischen und baden-württembergischen Gymnasien. (Symbolbild)

Otto-von-Taube Gymnasium

Spezielle Förderung von Hochbegabten in Gauting

Das Otto-von-Taube-Gymnasium in Gauting ist eines von acht in Bayern mit Förderklassen für Hochbegabte.

Latein-Unterricht in der Förderklasse für Hochbegabte des Otto-von-Taube Gymnasiums in Gauting (Kreis Starnberg): Die Schüler besprechen gemeinsam die Hausaufgaben, angeleitet von einem zuvor ausgewählten Kameraden. Der Lehrer sitzt dabei, beantwortet Fragen und bespricht Probleme mit einzelnen Schülern, während die anderen weiterarbeiten.

„Je begabter die Schüler sind, desto freier kann der Unterricht ablaufen“, sagt Schulleiterin Sylke Wischnevsky. Seit dem Schuljahr 2003/2004 können hochbegabte Mädchen und Buben – maximal 23 pro Klasse - von der 5. Bis zur 10. Jahrgangsstufe eine Förderklasse besuchen. Das Gautinger Gymnasium verweist zur Definition von Hochbegabung auf die Modelle von Renzulli und Mönks aus der Fachwelt, wonach hochbegabte Kinder unter anderem in vier Persönlichkeitsmerkmalen weit überdurchschnittliche Werte zeigen: Intelligenz, Kreativität, Motivation und Engagement.

Große Auswahl an Wahl- und Pluskursen

Das Gymnasium ist eines von acht in Bayern mit Förderklassen für Hochbegabte. Der Stoff wird schneller durchgearbeitet, es gibt eine große Auswahl an Wahl- und Pluskursen, beispielsweise Kreatives Schreiben. Diese Klassen machen hochbegabte Kinder aber nicht zu Außenseitern in der Schulgemeinschaft, sagt die Schulleiterin, im Gegenteil. „Sie sind hervorragend integriert.“ So gebe es gemeinsame Fächer wie Sport und sehr viele Hochbegabte würden sich engagieren, etwa in der SMV.

Das Otto-von-Taube-Gymnasium war unter den Teilnehmern der ersten PULSS-Studie, einer Begabtenstudie in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 in bayerischen und baden-württembergischen Gymnasien. Das Ergebnis: Schüler der Hochbegabtenklassen zeigen einen deutlichen Leistungsvorsprung – auch im Vergleich zu den überdurchschnittlich Begabten in Regelklassen. Die Resultate sprechen für die Förderklassen, laufen aber dem Trend zur Inklusion entgegen. Momentan läuft die Folgestudie für die Jahrgangsstufe 10.

Sensibilisierung für Begabungen und Talente

„Begabungen, die nicht entdeckt oder zu wenig gefördert werden, verkümmern!“ Barbara Saring von der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) München/Bayern betont, wie wichtig es ist, Hochbegabte zu fördern. Der ehrenamtliche Verein plädiert dafür, Möglichkeiten in der Breite, also in allen Schularten zu nutzen und fordert etwa, die Ausbildung von Pädagogen um Begabungs- und Begabtenförderung zu ergänzen.

Die Beteiligten für das Thema zu sensibilisieren sei wichtig, weil nicht alle Kinder ihre besonderen Begabungen durch überdurchschnittliche Leistungen in der Schule zeigten. Kinder, die sich langweilen, könnten zu Leistungsverweigerern werden oder Verhaltensauffälligkeiten entwickeln, sagt Barbara Saring. „Man geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der hochbegabten Kinder sogenannte ,Underachiever‘ sind, mit einer deutlichen Diskrepanz zwischen ihrem intellektuellen Potential und gezeigter Schulleistung.“

Eltern können ihre Kinder unterstützen

Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie Zuhause „anregende Lernumgebungen“ schaffen, etwa eine große Bibliothek zur Verfügung stellen. Sie selbst können sich bei einigen Einrichtungen beraten lassen, neben der DGhK München/Bayern bieten etwa die Begabungspsychologische Beratungsstelle der LMU München oder die Staatliche Schulberatung Bayern Unterstützung an.

 Der Staat rückt Hochbegabte heuer besonders in den Fokus. Die bayerischen Gymnasien mit Hochbegabtenklassen sollen in den kommenden zwei Jahren zu Kompetenzzentren für Hochbegabung weiterentwickelt werden, hat das Kultusministerium Ende Januar bekanntgegeben. Brunhild Kurth, Präsidentin der Kultusministerkonferenz, betonte, leistungsstarke Schüler besonders fördern zu wollen.

Teresa Pancritius

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