Worauf Eltern achten sollten

Stressfalle Schule: Expertin im Interview

  • schließen

München - Im Vorfeld der "Schultage München" sprach der Münchner Merkur mit der Autorin Stephanie Schneider zum Thema Stress bei Kindern.

Stephanie Schneider (42) ist mit Büchern wie „Der kleine Stressberater“ oder „Der kleine Streitberater“ zur Erfolgsautorin geworden. Die Mutter zweier halbwüchsiger Töchter lebt mit ihrem Mann in Hannover. Bei den Schultagen tritt sie am Sonntag (1. Februar), 10 Uhr auf.

Es ist wieder so weit: Die „Schultage München“ stehen bevor. Am 31. Januar und 1. Februar dreht sich im Münchner Veranstaltungsforum MTC in der Ingolstädter Straße 45 alles um das Thema Schule. Im Vorfeld dieser Bildungsmesse werden wir in einer kleinen Interview-Serie verschiedene Aspekte des Themas beleuchten. Unsere Interviewpartner werden bei den Schultagen mit eigenen Vorträgen präsent sein. Zum Auftakt ein Gespräch mit der Autorin Stephanie Schneider zum Thema Stress bei Kindern.

Jetzt in der Ferienzeit will man lieber nicht an die Schule denken. Aber zwei Wochen sind eine lange Zeit - muss man in den Ferien mit dem Kind üben?

Schneider: Die Ferien sind ganz wichtig für die Schulkinder, man sollte viel trainieren: Schneemannbauen, Baum-Abschmücken, Waffeln backen. Das sind die Leistungen, die man jetzt trainieren sollte.

Gemeint war eher der klassische Schulstoff...

Schneider: Dachte ich mir. Zunächst aber: Schule muss dem Kind dienen, nicht das Kind der Schule. Ich sehe in den deutschen Familien generell gesagt nicht die Gefahr, dass zu wenig geübt wird. Eher zu viel. Man sollte es so sehen: In den Ferien kann man anders üben. Zum Beispiel die motorischen Fähigkeiten, die ja auch für den Lernerfolg in der Schule ganz, ganz wichtig sind. Oder die Beziehungspflege zwischen Kindern und Eltern. Dafür sind die Ferien da. Aber nun ja: Wenn es große Lücken im Schulstoff gibt, wäre es falsch, in den Ferien die Augen davor zu verschließen. Aber dosiert, sonst wird es stressig.

Sie liefern das Stichwort: Wie merke ich, dass ein Kind gestresst ist?

Schneider: Es gibt ganz viele Symptome: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder auch schlechtes Einschlafen. Oder aggressives Verhalten. Aber es gibt auch das Gegenteil: Pures Zurückziehen, eine Selbstisolation des Kindes. Das Gegenteil von Stress ist Lernbereitschaft. Kinder haben von Natur aus eine unglaubliche Lernbereitschaft, ohne dass wir sie drängen müssen.

Sind Grundschüler mehr gestresst als Gymnasiasten? Und Mütter mehr als Väter?

Schneider: Jüngere Kinder reagieren empfindlicher auf Druck von außen, ältere Jugendliche haben schon bessere Strategien, damit umzugehen. Und Grundschüler sind ja noch jüngere Kinder, das muss man sich vergegenwärtigen. Sie trifft Druck direkter. Und ja: Die Mütter trifft es im Schnitt stärker als die Väter. Das liegt an Rollenbildern. Mütter haben einen hohen Anspruch an sich selbst, wenn es darum geht, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Und in den letzten Jahren vermittelt ihnen die allgemeine Bildungsdiskussion zusätzlich: „Das Elternhaus entscheidet über den Schulerfolg!“ Das macht Druck! Kein Wunder, dass manche von uns zu übereifrigen Helikoptereltern werden!

Man könnte nun all das vermeiden, was Sie als Stressfaktoren genannt haben. Gibt es aber noch weitere Tipps zur Stressvermeidung?

Schneider: Ja, als Eltern sollten wir ganz bewusst Zeichen setzen und das alltägliche Leben wichtiger nehmen als die Schule. Das bedeutet konkret zum Beispiel, die unfertigen Hausaufgaben zur Seite zu legen und stattdessen die Oma zu besuchen, zu spielen oder Einkaufen zu gehen. Es lohnt sich, seinen Kindern Lerntechniken beizubringen. Auch Entspannungstechniken wie Yoga für Kinder und Autogenes Training haben ihre Berechtigung. Noch wichtiger ist es aber, positive Bestätigung zu geben. Lob von Mama und Papa ist das einfachste und effektivste Mittel gegen Schulstress.

Loben? Auch wenn etwas schief läuft?

Schneider: Gerade dann. Je schwerer sich ein Kind tut, umso mehr braucht es die Ermutigung.

Das Gespräch führte Dirk Walter

Schultage München - Bildung gestaltet Zukunft

Die Schultage München sind eine Veranstaltung unseres Verlagshauses, sie sind aus der Idee heraus entstanden, Eltern und Schülern Informationen zu den vielfältigen Bildungsmöglichkeiten zu geben – gerade auch bei den Privatschulen. Viele Anbieter werden mit eigenen Messeständen vor Ort sein – man kann durch die Messehalle wandern und sich informieren.

Das Besondere an den Schultagen ist, dass sie durch ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm begleitet werden. Stündlich gibt es Vorträge. Hier das Programm:

Samstag, 11 Uhr: Wofür brauchen wir Noten? (Podiumsdiskussion, unter anderem mit Kultusstaatssekretär Georg Eisenreich)

12 Uhr: Die Vielfalt der staatlichen Schulen (Vortrag der Staatlichen Schulberatung)

13 Uhr: Die richtige Schule für Ihr Kind (Wegweiser durch das Privatschulwesen)

14 Uhr: Fit im Kopf – gesunde Ernährung für Kinder (von Berthold Koletzko, Professor im Haunerschen Kinderspital München)

15 Uhr: Anforderungen an Schulabgänger aus Sicht der Wirtschaft (Vortrag von Christof Prechtl, Bildungsexperte bei der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft)

16 Uhr: Wie findet man heraus, was man werden will? (von Karriere-Coach Dorothea Böhm)

17 Uhr: Mut – wie Kinder über sich hinauswachsen (Vortrag der Wissenschaftsjournalistin Nicola Schmidt)

Sonntag, 10 Uhr: Schulstress – und was man dagegen tun kann (von Autorin Stephanie Schneider)

11 Uhr: Stark in der Schule – Eltern stellen die Weichen für den Erfolg ihrer Kinder (von Adolf Timm, Ex-Schulleiter und Autor von „Die Gesetze des Schulerfolgs“)

12 Uhr: Das Klassenzimmer der Zukunft (von Tobias Schnitter, stellvertretender Direktor der Realschule Gauting und Lehrer von Ipad-Klassen; Schnitter hat mit seinem Team den renommierten Deutschen Lehrerpreis erhalten; den Vortrag hält er zusammen mit Seminarrektor Martin Fritze)

13 Uhr: Wie viel digitale Welt ist noch in Ordnung (von Mediencoach Kristin Langer)

14 Uhr: Woran erkannt man eine gute Schule (von Prof. Katrin Höhmann, Jurorin beim Deutschen Schulpreis)

15 Uhr: Das Genie der frühen Jahre (von Physiker Marco Wehr)

16 Uhr: Kindergerecht lernen mit der Evolutionspädagogik (von Lernforscher Ludwig Koneberg)

17 Uhr: Zappelphilipp, Leserechtschreibschwäche, Überflieger – welche Hilfe braucht mein Kind (von Lernforscher Ludwig Kroneberg zusammen mit Silke Gramer-Rottler)

Der Eintritt zu den Schultagen beträgt 5 Euro; Kinder frei. Parkplätze kostenlos.

Infos für potenzielle Anbieter unter www.schultage-muenchen.de

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Chefs sagen: Das ist der schlimmste Fehler im Bewerbungsgespräch
Wer denkt, das Bewerbungsgespräch sei an seiner Persönlichkeit gescheitert, der irrt oft. Der größte Fehler ist ein ganz anderer - und einfach zu vermeiden. 
Chefs sagen: Das ist der schlimmste Fehler im Bewerbungsgespräch
Darum sollten Sie alle zwei Jahre den Job wechseln
Häufige Jobwechsel machen sich nicht gut im Lebenslauf? Diese Einstellung sollten Sie dringend überdenken, denn Firmentreue bringt ihnen einen großen Nachteil.
Darum sollten Sie alle zwei Jahre den Job wechseln
Jobportal: Arbeitgeber locken mit Betreuungsangeboten
Unternehmen versuchen mit Extraleistungen Arbeitnehmer zu werben. Dabei sind Betreuungsmöglichkeiten für Kinder in Jobanzeigen am häufigsten zu finden.
Jobportal: Arbeitgeber locken mit Betreuungsangeboten
Wie Sie besser werden, wenn Sie die richtigen Fragen stellen
Ein erfolgreiches Gespräch hängt in erster Linie davon ab, welche Fragen wir stellen. Das behauptet der Gründer eines erfolgreichen Startups - und verrät Tipps.
Wie Sie besser werden, wenn Sie die richtigen Fragen stellen

Kommentare