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Wer immer bis spät in die Nacht arbeitet, sollte sich fragen, ob er vielleicht schon süchtig nach Arbeit ist.

Süchtig nach Arbeit

Warum bestimmte Menschen zum Workaholic werden

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Manche Kollegen verbringen scheinbar mehr Zeit im Büro als zu Hause. Doch wann wird Arbeit zur Sucht? Und warum sind nur bestimmte Personen dafür anfällig?

Sie arbeiten wie besessen, teilweise bis spät in die Nacht. Auch am Wochenende können sie sich nicht von ihrer Arbeit trennen. Sie wollen immer mehr schaffen, denn sie ziehen ihr ganzes Selbstbewusstsein aus ihrem Job: Workaholics. Was auf den ersten Blick nur wie ein übersteigerter Ehrgeiz erscheint, ist tatsächlich eine anerkannte Sucht. Wie bei der Spiel- oder Trinksucht neigen jedoch auch hier bestimmte Menschen mehr zur krankhaften Sucht als andere. 

Unser Belohnungssystem führt uns in die Arbeitssucht

Obwohl "Arbeitssucht" für die meisten Menschen zunächst eher harmlos klingt, sind die Folgen für die Betroffenen nicht zu unterschätzen: Angstzustände, Herz-Kreislauf-Störungen und nicht zuletzt schwere Depressionen. Viele sterben schon sehr früh, oft an Herzinfarkt oder Schlaganfall. Aber wie kann ein Mensch überhaupt süchtig nach Arbeit werden?

Die Ursache für "Workoholism", also der Sucht nach Arbeit, liegt aus neurobiologischer Sicht im Belohnungssystem des Gehirns. Dieser Teil des limbischen Systems schüttet nämlich immer dann Endorphine - die sogenannten "Glückshormone" - aus, wenn wir etwas erleben, das wir gut finden: Leckeres Essen, ein gewonnenes Spiel oder eben auch eine erledigte Aufgabe im Job. 

Endorphine setzen körpereigene Opiate frei. Diesen "rauschhaften" Zustand wollen wir möglichst lange erhalten - oder immer wieder erleben. Und genau das kann uns in die Sucht führen. Worcaholics belohnen sich beispielsweise durch immer neue Arbeit.

Worcaholics: Das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle

Aber wieso wird dann nicht jeder Mensch zum Workaholic? Der Grund dafür ist relativ einfach und hat mit dem Belohnungssystem alleine nichts zu tun: Das soziale Umfeld spielt für Arbeitssucht eine entscheidende Rolle, wie Psychotherapeuth Manfred Lütz gegenüber dem Online-Portal BusinessInsider verrät: „Hat jemand Probleme im Privatleben, etwa mit dem Partner oder der Familie, dann flüchtet er sich nicht selten in Arbeit, weil es dort funktioniert“. 

Ob jemand eine Sucht entwickelt, hat nichts damit zu tun, dass er etwas besonders oft oder besonders gerne macht - sondern wie er sein Umfeld erlebt. Stimmt etwas in der Partnerschaft nicht oder fühlt man sich Zuhause oft allein, bleibt man eben lieber länger in der Arbeit. Daraus entsteht schnell ein Teufelskreis, wie Lütz weiter erklärt, "denn je mehr man sich dann auf die Arbeit konzentriert, desto mehr vernachlässigt man das Privatleben und dann ist es erst recht am Ende ein Scherbenhaufen".

Fehlende Anerkennung in der Kindheit prägt Worcaholics

Bei vielen Arbeitssüchtigen fangen die Probleme jedoch schon in frühester Kindheit an, wie Psychologin Barbara Killinger in einem Gastartikel für Psychology Today schildert. Laut ihrer Erfahrung sind besonders die Menschen gefährdet, die

  • schon früh Erwachsen werden mussten (zum Beispiel, weil ein Elternteil gestorben oder erkrankt ist oder sich die Eltern getrennt haben) oder
  • die in ihrer Familie keine bedingungslose Liebe erfahren haben. Das heißt, sie wurden nur geliebt, wenn Sie etwas geleistet haben.

Auch Manfred Lütz unterstützt diesen Ansatz: "Workaholics sind oft sehr ehrgeizige Menschen, deren Übereifer in eine Sackgasse geführt hat".

Wege aus der Sucht

Da der Grund für die Sucht mit dem unmittelbaren Umfeld zusammenhängt, kann man ihr also nur darüber entkommen. Lütz rät den Betroffenen, sich zu überlegen, wie sie die Leere außerhalb des Büros wieder füllen können. Ein Hobby hilft hier zum Beispiel sehr gut. Eine Psychotherapie sei nur dann notwendig, wenn man selbst keinen Weg aus der Sucht finde.

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Von Andrea Stettner

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