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Das erste eigene Geld: Rund 3,20 Euro Taschengeld bekommen 6- bis 9-Jährige durchschnittlich pro Woche. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag von CosmosDirekt. Im Jahr 2013 waren es noch 30 Cent weniger.

Kinder & Finanzen

Die Taschengeldfrage: Umgang mit Geld erlernen

Das erste „Gehalt“ gibt’s von Mama und Papa. So kann der Nachwuchs den Umgang mit Geld schon früh erlernen. Doch viele Eltern sind sich unsicher, wie viel Taschengeld für welches Alter angemessen ist. Das Thema wird in Familien heiß diskutiert.

Warum? Wofür? Wie viel? Mindestens einmal im Jahr und meist zu Beginn des neuen Schuljahres gibt es Tarifverhandlungen im Kinderzimmer. Es geht ums Taschengeld. Damit die Tarifrunde Eltern und Kinder gleichermaßen zufriedenstellen kann, haben wir die wichtigsten Informationen zum Thema Taschengeld zusammengefasst.

Obwohl Pädagogen die Zahlung von Taschengeld einstimmig befürworten, gibt es keinen Rechtsanspruch. Der sogenannte „Taschengeldparagraph“ (§110 BGB) regelt nur die Wirksamkeit eines Kaufvertrags mit Minderjährigen. So sind alle Käufe von Kindern rechtskräftig, die mit frei zur Verfügung stehendem Taschengeld bezahlt werden. Ausnahmen gelten beim Kauf von Tieren: Bis zum 14. Lebensjahr brauchen Kinder immer die Zustimmung ihrer Eltern. Bis zum 16. Lebensjahr nur dann, wenn warmblütige Tiere wie Hamster, Hunde oder Katzen gekauft werden.

Altersfrage

„Wir empfehlen Taschengeld grundsätzlich ab der Grundschule“, sagt Ursula Winklhofer vom Deutschen Jugendinstitut in München (DJI). Wenn ältere Geschwister schon ein regelmäßiges Taschengeld bekommen, kann auch schon Vorschulkindern ein Mini-Taschengeld in Höhe von maximal einem Euro pro Woche gezahlt werden. So können die kleinen Geschwister spielerisch den Umgang mit Geld erlernen.

Zur Höhe des Taschengeldes gibt es keine allgemein verbindlichen Werte. Jedoch können die Orientierungswerte des DJI (siehe Kasten) als Diskussionsgrundlage dienen. Die Beträge dürfen sich durchaus auch an dem im Freundeskreis üblichen Taschengeld orientieren. Einmal jährlich sollte das Taschengeld neu verhandelt werden, heißt es in einer Studie des DJI. Natürlich muss die Höhe des Taschengeldes im Verhältnis stehen zur finanziellen Situation der Familie. Falls diese kein üppiges Taschengeld erlaubt, sollten die Eltern ihrem Kind die finanziellen Verhältnisse möglichst offen erklären, damit es die Einschränkung verstehen kann. „Generell sollte offen über das Taschengeld gesprochen und verhandelt werden“, empfiehlt Winklhofer. Bis zum Alter von neun Jahren wird die Auszahlung im wöchentlichen Rhythmus empfohlen. Ab zehn Jahren wird zu einer monatlichen Zahlung geraten. Falls das Kind Schwierigkeiten mit dem Monatsbudget hat, kann eine 14-tägige Auszahlung als Übergangslösung gewählt werden. Vorschüsse sollten nicht zur Regel werden, da ansonsten kein Lerneffekt eintreten kann, rät das DJI.

Girokonto

Wenn die Kinder ein Alter von 12 bis 14 Jahren erreicht haben, wird die Eröffnung eines Jugend-Girokontos für sinnvoll erachtet. Das kostenlose Konto auf Guthabenbasis bedarf der Zustimmung der Eltern und kann generell nicht überzogen werden. Auch die Anschaffung einer aufladbaren Kreditkarte kann bei Auslandsaufenthalten sinnvoll sein. „Auf diese Weise können ältere Kinder und Jugendliche erste Erfahrungen mit dem bargeldlosen Bezahlen machen und haben einen guten Überblick über Einnahmen und Ausgaben“, so Winklhofer.

Budgetgeld

Wenn Eltern die Selbstverantwortung von Jugendlichen ab 14 Jahren noch weiter fördern wollen, können Sie über die Zahlung eines Budgetgeldes nachdenken. Damit können Kleider, Schulbedarf und Körperpflegemittel bezahlt werden. Als Orientierungswert gelten 30 bis 50 Euro pro Monat für Kleidung und jeweils 5 bis 10 Euro für Schulbedarf und Körperpflegeprodukte. Jugendliche lernen dabei, Ausgaben zu planen und ein Budget einzuteilen.

Freie Verfügung

Ursula Winklhofer betont: „Über das Taschengeld sollten Kinder und Jugendliche frei verfügen können. Es soll der Erfüllung von persönlichen Wünschen der Kinder und Jugendlichen dienen.“ Taschengeld ist deswegen nicht für die Anschaffung von Alltagsgegenständen gedacht. Teure Markenkleidung kann zum Beispiel mit einer Zuzahlung vom Taschengeld gemeinsam finanziert werden. Eltern sollten die Ausgaben nicht kontrollieren oder gar mit Vorschriften versehen. Ganz im Gegenteil: Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen und Fehler machen können. Nur so kommt es zu einem langfristigen Lerneffekt.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt: Das Taschengeld soll für die Kinder ein festes und zuverlässiges Geldbudget darstellen. Nur so werden Kinder selbstständig. Als Erziehungsmittel ist Taschengeldentzug nicht geeignet, schreibt das DJI in seiner Taschengeld-Studie. Gute Leistungen in der Schule etwa sollten nicht regelmäßig mit Geld belohnt werden. Ein Geldgeschenk zum Jahresabschlusszeugnis sei aber durchaus vertretbar, so Winklhofer.

Aufbessern

Beliebt bei Kindern ist außerdem, ihr Taschengeld mit Haushaltsarbeiten aufzubessern. Vergütet werden sollten jedoch nur nicht-alltägliche Arbeiten wie Autoputzen oder Rasenmähen. Denn die altersgerechte Mithilfe im Haushalt gehört zum Familienleben dazu und sollte nicht gesondert bezahlt werden, rät das DJI.

Falls das Kind zusätzliche Geldgeschenke bekommt, sollte deren Verwendung gemeinsam diskutiert werden, so das DJI. Es biete sich an, die Summe zum einen zur Erfüllung von aktuellen Wünschen zu verwenden und zum anderen anzusparen. So kann das Sparen auf größere Anschaffungen erlernt werden.

Von Benedikt M. Fischer

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