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Strategien für die Geldanlage haben durchaus etwas mit guten Rezepten in der Küche zu tun. Das stellten die Anlagespezialisten beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz in der Event-Location Campus Loft fest, als sie zusammen mit dem renommierten Koch Holger Stromberg ihre Kochkünste verfeinerten.

Digitalisierung

Computer kann den Menschen nicht ersetzen

Auch Vermögensverwalter setzen auf digitale Technik. In der Beratung zählen aber persönlicher Kontakt und Kompetenz, sind die Experten überzeugt.

Alle reden von Digitalisierung – und meinen dabei mal den Roboterberater, mal die rationellere Erledigung von Arbeiten mit Hilfe der EDV. „Das wird häufig alles zusammengeworfen“, warnt Michael Gillessen (Berenberg) beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz. Weitere Warnung des Experten: „Roboadvice heißt nicht, dass es keine Verluste gibt.“

Die Unabhängigen Vermögensverwalter müssen sich mit allen Aspekten der Digitalisierung befassen. Zum Beispiel mit der Frage, wie weit sie sich auf Fintechs, also digitale Dienstleistungsunternehmen, verlassen können. „Sie spielen eine große Rolle“, räumt Hans-Jürgen Friedrich (KFM Deutsche Mittelstand) ein, „aber alles der Technik zu überlassen ist gefährlich“. Zum einen handeln Akteure – am Markt und auf Kundenseite – oft irrational, zudem sei insbesondere bei Mittelstandsanleihen personalisiertes Spezialwissen wichtig.

„Vertrauen ist unser Asset“, betont Andreas Grünewald (FIVV). Er vergleicht den Einsatz der Technik mit dem Navigationssystem im Auto. Oft sei die Ortskenntnis des Fahrers besser als das Ergebnis des Navi. So auch bei der Geldanlage. „Wir nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung. Aber bei der Beratung per Roboter ist es gut, wenn zwischen Markt und Anleger noch der persönliche Vermögensverwalter geschaltet ist.“

Private wie auch institutionelle Investoren erwarten immer noch „einen persönlichen Ansprechpartner, einen Menschen, den sie fragen können“, fügt Christian Mallek (Sigavest) hinzu. Und bei der Geldanlage müssten digital erzeugte Resultate auf jeden Fall vom Menschen geprüft werden. All diese Systeme hätten noch keinen Crash erlebt. „In solchen Phasen schätzt der Anleger den persönlichen Kontakt zu seinem erfahrenen Berater“, sagt Mallek.

Für die digitalen Hilfsmittel müssten Vermögensverwalter offen sein, betont Kathrin Eichler (Eichler & Mehlert). Büroorganisation, Portfoliomanagement, Zugriff auf Daten per App – all dies müssten die Unternehmen heute nutzen und anbieten. Zum einen, weil es die Kunden wollen, aber auch, um die jüngere Generation abzuholen. „Außerdem setzt Technik Ressourcen frei, und wir können uns auf unsere wesentlichen klassischen Tätigkeiten konzentrieren.“

Bei der Kundengewinnung und im Marketing seien digitale Hilfsmittel notwendig, ist auch Thomas F. Seppi (FPM Frankfurt Performance Management AG) überzeugt. Für den Aufbau von Kundenkontakten und für Analyse und Research seien technologische Plattformen und soziale Netzwerke hilfreich.

In den USA sei wie bei anderen Themen die Entwicklung weiter als in Europa, sagt Stefan Klein (Universal-Investment), der dort aber auch interessante Einschränkungen beobachtet hat. So habe die Börsenaufsichtsbehörde SEC einen Indexfonds gestoppt, der auf die Internetwährung Bitcoin setzte.

„Die Zukunft bringt eine Kombination von Mensch und Maschine“, führt Christian Fischl die Gedanken weiter. Der Anlagespezialist bleibe dabei unersetzbar: „Wir müssen unsere Kunden mit unserem Fach- Know-how überzeugen, und eins ist sicher: Empathie und Sozialkompetenz kann der Computer nicht ersetzen.“ Jedoch dürfe man sich den Möglichkeiten der Digitalisierung nicht verschließen und müsse die alte Welt, vor allem bei der Administration und der Kontoführung, mit der neuen digitalen Welt verbinden.

Die Mensch-Maschine-Verbindung ist auch für Erik Podzuweit (Scalable) ein Thema, insbesondere bei der Gewinnung von Kunden. Podzuweit führt dies an einem Beispiel aus. Zu den Kunden von Scalable gehören viele Ingenieure und Wirtschaftswissenschaftler. Scalable spricht nun über Facebook erfolgreich Nutzer an, die ein ähnliches Profil haben.

Von Jürgen Grosche

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

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