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Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des VuV.

Unabhängige Vermögensverwalter

„Das Honorarmodell ist moderner denn je“

Andreas Grünewald ist Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes VuV (Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland). Er berichtet über die Herausforderungen für die Häuser und die Angebote des Verbandes.

Wir erinnern uns: Die durch die Lehman-Pleite ausgelöste weltweite Finanzkrise von 2008 hatte sich zügig zu einer substanziellen Vertrauenskrise ausgeweitet. Anleger trauten ihren Finanzberatern – ob auf Banken- oder auf Versicherungsseite – nicht mehr über den Weg. Zu groß war auf einmal die Scheu vor einer Beratung, die eher ein provisionsgetriebener Produktverkauf war.

Dieser Vertrauensverlust verbunden mit einer gleichzeitig steigenden Notwendigkeit, aufgrund der Dynamik an den weltweiten Märkten und dem Verschwinden des risikolosen Zinses (in der Vergangenheit etwa generiert durch sichere, aber ordentlich verzinste Bundesanleihen) sein Vermögen einem Experten anzuvertrauen, hat zu einer spürbaren Attraktivitätssteigerung im Markt der Unabhängigen Vermögensverwalter geführt. Die Experten arbeiten produkt- und provisionsunabhängig und werden für ihre „Finanz-Portfolioverwaltung“, wie die Tätigkeit in Fachkreisen genannt wird, vom Kunden direkt bezahlt, und zwar in der Regel mit rund einem Prozent des verwalteten Vermögens.

Interessen der Mandanten zählen

Will heißen: „Unabhängige Vermögensverwalter sind nur den Interessen der Mandanten verpflichtet, keinem Produktanbieter oder Management-Board. Das Honorarmodell ist moderner denn je und wird es auf lange Sicht auch bleiben“, sagt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes VuV (Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland). Der VuV vertritt die Interessen seiner Mitglieder unter anderem bei der Politik, trägt die Anliegen der Branche in die Öffentlichkeit – und setzt Impulse für die zukünftige Entwicklung der unabhängigen Vermögensverwaltung hierzulande. Denn die Gesellschaften stehen vor zahlreichen Herausforderungen. Eine davon heißt Digitalisierung. „Im Herbst haben wir unseren ersten Digitalisierungstag durchgeführt und den Teilnehmern aufgezeigt, dass digitale Lösungen bei der Weiterentwicklung der Angebote helfen können. Die Gesellschaften sollten keine Scheu vor der Technologie haben, sondern diese zum besten Nutzen einsetzen. Beispielsweise, um neue Kommunikationskanäle und den Kunden die Möglichkeit zu eröffnen, von überall her und über alle Geräte hinweg Kontakt zu einer Gesellschaft aufzunehmen und sich sogar auch über das eigene Portfolio zu informieren. Auch die Sichtbarkeit lässt sich über digitale Kanäle erhöhen“, sagt Andreas Grünewald. Er sieht zudem, zumindest in der Breite, keine Konkurrenz durch digitale Anlageangebote (sogenannte Fintechs). „Es wird vielmehr eine Ergänzung zu den bestehenden Konzepten sein.“ Grünewald ruft die deutschen Verwalter aber auch dazu auf, sich dem Trend zur Digitalisierung nicht zu versperren. Das Thema sei da, gehe nicht mehr weg – weshalb sich jeder damit befassen müsse, um nicht abgehängt zu werden.

Vielfalt der Branche erhalten

Ebenso ist der Verband darin aktiv, die Mitglieder bei den Herausforderungen der Regulierung zu unterstützen. „Wir rollen beispielsweise ab Januar ein Compliance-Management-System aus, das den Gesellschaften den Umgang mit den immer komplexer werdenden aufsichtsrechtlichen Anforderungen erleichtern wird. Das ist wichtig, um die Vielfalt der Branche zu erhalten. Denn kleinere Gesellschaften, die unterhalb einer gewissen kritischen Honorarsumme operieren, bekommen durch die Vorschriften mehr und mehr Schwierigkeiten, alle Strukturen zu unterhalten“, erklärt Andreas Grünewald. Deshalb habe sich der Verband auf die Fahnen geschrieben, bestmögliche Instrumente zur Verfügung zu stellen. „Dazu gehören auch Musterverträge und andere Tools.“ Und der VuV wird eine Online-Plattform in seinem Intranet schaffen, die potenzielle Käufer und Verkäufer von Gesellschaften zusammenbringt. Auch das sei ein Angebot des Verbandes, Vermögensverwalter in die Zukunft zu führen und die Häuser zu erhalten.

Eine Herzensangelegenheit für Grünewald ist die ökonomische Bildung in Deutschland. Diese sei de facto nicht vorhanden, aber der beste Anlegerschutz. Deshalb denkt der VuV darüber nach, mit einer eigenen Organisation an die Öffentlichkeit zu gehen, um in Schulen den Jugendlichen Grundlagenwissen rund um Geldanlage, Vermögen und Kapitalmärkte nahezubringen.

Patrick Peters

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