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Finanzspezialisten aus Süddeutschland, Österreich und der Schweiz trafen sich auf Einladung der Mediengruppe Münchner Merkur tz zum Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ und diskutierten über aktuelle Anlagethemen.

Trend in der Vermögensverwaltung

Digitaler Wandel

„Robo Advisory“ könnte ein neuer Trend in der Breite werden: Ein Computer übernimmt die Geldanlage. Unabhängige Vermögensverwalter werden dennoch gebraucht, denn sie sind die Experten in komplexen Situationen.

Die Welt befindet sich in einem digitalen Umbruch. Die Funktionalitäten im World Wide Web werden immer ausgefeilter, die Industrie entwickelt immer bessere Robotik-Lösungen, Autos sollen irgendwann alleine fahren und, und, und. Und auch an der Finanzindustrie geht dieser Trend nicht vorbei: „FinTech“, Finanztechnologie, ist das Stichwort. Darüber diskutierten auch die Teilnehmer des Finanzforums „Unabhängige Vermögensverwalter“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz. So betont beispielsweise Christian Fischl von Huber, Reuss & Kollegen: „Das ‚Robo Advisory’, also die automatisierte Vermögensverwaltung, wird unweigerlich kommen. Computer werden aus dem gesammelten Know-how der Finanzindustrie Strategien für die Anleger entwickeln und so die breite Masse erreichen.“ Gleichzeitig geht der Geschäftsführer aber auch davon aus, dass dies nur ein Zusatzangebot zur klassischen Vermögensverwaltung sein wird. „Wir müssen und werden weiterhin mit den Menschen als unseren Kunden individuell umgehen.“ Für Uwe Adamla, Dr. Ehrhardt Vermögensverwaltung, ist die digitale Weiterentwicklung in der Vermögensverwaltung eine Vertrauens- und Generationenfrage, und vor allem die jüngere Generation werde davon angezogen. „Deshalb müssen wir uns damit beschäftigen.“

„Wir müssen sehr wach sein und daran arbeiten, dass wir auch in Zukunft noch gebraucht werden. Das ‚Robo Advisory’ ist nicht unbedingt transparent, der Anleger weiß nicht, was dabei wirklich passiert. Die Systeme funktionieren möglicherweise in normalen Marktumfeldern, die auf Erfahrung basieren. Aber der Roboter kann keine Systembrüche oder große Wandlungen verarbeiten“, sagt Andreas Grünewald von FIVV und Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter. Deshalb seien die Vermögensverwalter mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Strategien gefordert, um die Anleger in solchen Situation immer begleiten zu können. Dass die Vermögensverwalter eine Zukunft haben, stellt Michael Gillessen von Berenberg heraus. „Anleger, die sich auf FinTech-Angebote verlassen, sind zum allergrößten Teil Selbstentscheider. Und Studien haben ergeben, dass etwa 80 Prozent der Selbstentscheider ein schlechtes Rendite-Risiko-Profil haben. Der Vermögensverwalter hingegen wendet innerhalb des vom Kunden vorgegebenen Rahmens eine wirklich passende Strategie an.“

„Das Thema Digitalisierung wird uns ganz sicher in den nächsten Jahren beschäftigen“, sagt Christian Bimüller, zuständig im Vertrieb von iShares bei BlackRock. „Inzwischen richten sich ja nicht nur Direktbanken mit ihren Selbstentscheider-Kunden darauf aus, sondern auch Großbanken befinden sich im Umbruch. Nach deren Angaben fanden vor etwas mehr als zehn Jahren noch fast Dreiviertel der Kontakte in der Filiale statt, während es inzwischen weniger als zehn Prozent sind. Wir selbst stellen fest, dass die unterschiedlichsten Kundengruppen, egal ob Filialbank, Direktbank, FinTech Start-ups, aber auch Vermögensverwalter sich intensiv mit dem Thema RoBo-Advice beschäftigen. ETFs als passive Investments sind aufgrund ihrer Ausgestaltung hinsichtlich Transparenz, fortlaufender Handelbarkeit und kostenseitiger Effizienz ein perfekter Baustein zur Erstellung einer diversifizierten Asset Allokation.“

Andreas Hausladen (Universal-Investment) hält das „Robo-Advisory“ langfristig für einen Ersatz für Standard-Produkte wie Bausparverträge. „Anspruchsvolle Kunden werden das aber in der Regel sicher nicht einsetzen, da sie viele komplexe Themen haben wie die Nachfolge. Das kann über das System nicht abgedeckt werden.“ Das sieht auch Thomas Hirsiger so. „Komplexe Lebenssituationen brauchen Beratung und Vertrauen. Deshalb habe ich Respekt vor FinTech, sehe darin aber keine Gefährdung“, sagt der Inhaber von Finiens Wealth Management. Mathias Rusterholz (PEH Vermögensmanagement GmbH) ergänzt, dass FinTech in der Zukunft Marktanteile gewinnen wird, aber das klassische Vermögensverwaltungsgeschäft nicht verdrängt, und verweist auf andere Branchen. „So werden Standardreisen heutzutage überwiegend online gebucht, aber für eine individuell ausgearbeitete Erlebnisreise gehen viele Urlauber nach wie vor gerne zum Spezialisten ins Reisebüro.“

PATRICK PETERS

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