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Honorare und Vergütungsmodelle – auch darüber tauschten sich die Vermögensexperten aus.

Honorar-Abrechnung

Ehrlicher als Provision

In Deutschland spielt die Bezahlung per Honorar immer noch eine untergeordnete Rolle. Die meisten Unabhängigen Vermögensverwalter lassen sich jedoch nach einem transparenten Honorarmodell bezahlen – wie auch Steuerberater und Anwälte. Doch das ist für viele Anleger erklärungsbedürftig.

Für Andreas Grünewald ist die Angelegenheit klar: „Zum Unabhängigen Vermögensverwalter gehört das Honorarmodell!“, sagt der Chef der FIVV AG. Sein Unternehmen rechnet seit 15 Jahren auf Honorarbasis ab, was Grünewald auch für die ehrlichste und die transparenteste aller Entlohnungen hält. „Der Kunde muss auch bereit sein, unsere Leistungen zu entlohnen.“

Die Alternative gibt es auch – und die hat in Deutschland eine lange Tradition. Bezahlt werden viele Berater in den Banken und Finanzdienstleistungsinstituten über die Provisionen, die sich in den Finanzprodukten befinden. Ausgabeaufschläge für Fonds und Zertifikate, laufende Gebühren, Depotkosten: Beim Provisionsmodell wird mitunter kräftig zugelangt, nur merkt es nicht jeder Kunde direkt. Beim Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ waren sich daher die Teilnehmer einig, dass die Vermögensverwaltung auf Honorarbasis an Bedeutung gewinnen wird.

Christian Fischl (Huber, Reuss & Kollegen) weist auf die klare Struktur der Honorarabrechnung in seinem Haus hin. „Im Normalfall kombinieren wir ein fixes Verwaltungsentgelt des im Abrechnungszeitraum durchschnittlich verwalteten Vermögens mit einer Gewinnbeteiligung zuzüglich Mehrwertsteuer. Im Falle eines Vermögensverlustes wird dieser auf neue Rechnung vorgetragen. Solange ein Verlust besteht, fällt keine Gewinnbeteiligung, sondern ausschließlich das fixe Verwaltungsentgelt an (sogenannte High Watermark).“

Kickback-Provisionen

Auch Herbert Keilhammer (Vermögenskultur) schwört auf die reine Honorarberatung: „Seit unserer Gründung im Jahr 2010 lassen wir uns ausschließlich auf Honorarbasis bezahlen, selbst interne Kickback-Provisionen zahlen wir an unsere Kunden aus.“ Bei den Kickback-Provisionen handelt es sich um Gelder, die etwa Fonds als Bestandsprovisionen an Banken und Finanzdienstleister zahlen. Viele Marktteilnehmer behalten diese Zahlungen ein. Das ist bei den meisten Unabhängigen Vermögensverwaltern anders, bestätigt auch Michael Gillessen von Berenberg: „Wir arbeiten bundesweit mit rund 100 Vermögensverwaltern zusammen, davon kehren bereits 96 alle Provisionen direkt an ihre Kunden aus.“ Er sieht daher Vermögensverwalter als eine Art Personal Trainer: „Sie arbeiten dafür, dass ihre Kunden den Weg durch den Finanzdschungel finden.“

Asset Protection

Geld verdienen Vermögensverwalter aber auch, indem sie einen eigenen Fonds auflegen, hier sind sie über die Fondsgebühren beteiligt. „Dabei ist es natürlich eine Kernfrage, ob ein Vermögensverwalter, der eigene Fonds anbietet, sich überhaupt unabhängig nennen darf“, fragt sich Holger H. Gachot. Seine Gesellschaft StarCapital bietet etwa nur die eigenen Fonds an. Und das ruhigen Gewissens, denn sie legt nicht nur die Fondsstrategie selbst fest: „Viel wichtiger ist die Asset Protection, die den Anleger nicht nur vor Kapitalmarkt-Risiken schützt, sondern auch vor dem Zugriff von anderen. Ein Fonds ist auch ein Schutz vor Insolvenzen.“ „Auch wir haben eigene Fonds und versuchen unseren Kunden, den Mehrwert dieser Investments aufzuzeigen“, ergänzt Dr. Volker Gronau (USM Finanz).

„Dazu gehört etwa zu erklären, was ein Fonds überhaupt ist.“„Wichtig ist der Ausschluss von Eigeninteressen“, argumentiert Mathias Rusterholz (PEH Vermögensmanagement). „Wir haben eigene Fonds, können aber gleichzeitig eine offene Architektur darstellen. Im Vordergrund steht dabei eine offene und ehrliche Kommunikation: Alle Provisionen und Kickbacks werden detailliert aufgezeigt, und es gibt von uns eine transparente Honorar-Abrechnung.“

Die Zeit könnte für die Honorar-Abrechnung sprechen und dazu beitragen, dass diese irgendwann eine ähnliche Bedeutung bekommt wie in der Schweiz oder Großbritannien. „Spätestens mit der Einführung der Finanzmarktrichtlinie Mifid II dürfen sich Vermögensverwalter nicht mehr unabhängig nennen, wenn sie Provisionen erheben“, so Andreas Grünewald. Das könnte aber auch einen Nachteil haben: „Vermögensverwalter, die eigene Fonds betreiben, könnten dann möglicherweise ebenfalls den Status der Unabhängigkeit verlieren. Jedenfalls interpretiert die Finanzaufsicht BaFin das aktuell so – dagegen müssen wir arbeiten!“

JOSÉ MACIAS

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