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Da sich zahlreiche Finanzexperten anlässlich des 2. Deutschen Vermögensverwaltertages in Berlin trafen, bot es sich an, auch das 3. Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz in der Bundeshauptstadt zu veranstalten. Die Experten diskutierten im „me Collectors Room“ der Stiftung Olbricht.

Unabhängige Beratung

Auf den feinen Unterschied kommt es an

Wieso sollten Anleger zu einem Unabhängigen Vermögensverwalter gehen statt zu einer Bank? Die Spezialisten der Branche führen hier einige Argumente ins Feld, die durchaus erwägenswert erscheinen.

Prof. Dr. Dr. Thomas Olbricht bringt eine der Fragen, die viele Anleger haben, auf den Punkt: „Kann ich auch schon mit 5000 Euro zu Ihnen kommen?“ Olbricht war Gastgeber des 3. Finanzforums „Unabhängige Vermögensverwalter“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz. Die Anlagespezialisten trafen sich im „me Collectors Room“ in Berlin, in dem der Sammler Kunst aus seinen Beständen zeigt. Mit 5000 Euro zum Unabhängigen Vermögensverwalter? Können dort nicht nur Anleger mit richtigen Vermögen hingehen? Selbst für kleine Beträge halten die Experten Angebote bereit, darf Olbricht und mit ihm viele Anleger hören. Sie können zum Beispiel mit Vermögensverwaltenden Fonds von den Strategien der Spezialisten profitieren. „Fonds zeigen offen, welche Erfolge der Vermögensverwalter aufweisen kann und wie die Struktur seines Ansatzes aussieht“, erklärt Andreas Grünewald (FIVV und Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängige Vermögensverwalter). „Das kommt gut an und unterstreicht unsere Glaubwürdigkeit.“ Aber warum sollten sie überhaupt ihr Geld den Unabhängigen Vermögensverwaltern anvertrauen und nicht der Bank, die sie kennen? Jochen Knoesel (Knoesel & Ronge) verweist auf die Struktur der Gesellschaften. Sie werden meist von den Inhabern geführt, die die Vermögensverwaltung über viele Jahre betreiben. „So können langfristige Strategien umgesetzt werden, während in Banken häufig die entscheidenden Personen und mit ihnen die Strategien wechseln“, erklärt Knoesel. Als mittelständische Unternehmer hätten die Unabhängigen Vermögensverwalter gerade in unsicheren Zeiten etwas zu sagen, ist auch Thomas Buckard (Michael Pintarelli Finanzdienstleistungen) überzeugt. „Das sollten wir denn auch tun.“ Banken realisieren häufig nicht ihre Wachstumsziele, fügt Uwe Adamla (Dr. Ehrhardt Vermögensverwaltung) hinzu: „Das belastet die Mitarbeiter und wirkt sich dann auch auf die Kundenbeziehung aus.“ Dennoch fällt vielen der Sprung zu den Unabhängigen Vermögensverwaltern schwer, schränkt Uwe Günther (BPM – Berlin Portfolio Management) ein. Die Komplexität der Finanzwelt fordert hier ihr Tribut.

Prof. Thomas Druyen (Sigmund Freud Privat Universität) sieht noch einen anderen Grund für das Beharrungsvermögen: Auf der Suche nach Stabilität ist der Mensch oft eher dazu bereit, Schlechteres zu akzeptieren als Neues zu wagen. Einen wichtigen Unterschied zu Banken sieht Hans Jürgen Röwekamp (Tyske Bryggen) in der Qualität der Mitarbeiter: „Banken sparen, schließen Filialen, digitalisieren und automatisieren bis hinein ins Private Banking.“ Nicht an jeder verbleibenden Stelle sei dann bei den Mitarbeitern Private Banking-Qualität tatsächlich vorhanden. „Dagegen können die Vermögensverwalter aufgrund ihrer Herkunft eine durchgängige Private Banking-Qualität in der persönlichen Betreuung vorweisen.“ „Die Überzeugungsarbeit ist allerdings ein langer Prozess“, wirft Christian Mallek (Sigavest) ein. „Wir müssen da kontinuierlich dranbleiben.“ Insbesondere ältere Kunden hätten Verständnisprobleme bei zu komplexen Strukturen, ergänzt Rainer Fritzsche (OvidPartner): „Wir müssen mehr Einfachheit und Klarheit und mehr Transparenz in die Produkte und die Beratung bringen.“ Die Branche müsse zudem gemeinsam ihre Vorteile darstellen, rät Ulrich Ziemer (Tresides): „Allein ist es schwierig, Wege zu finden, sich bekannt zu machen.“ Peter Schneider (Schneider, Walter & Kollegen) vergleicht die Arbeit der Unabhängigen Vermögensverwalter mit unabhängigen Restaurantbetreibern, die in Konkurrenz zur Systemgastronomie arbeiten: „In den Restaurants kocht der Chef persönlich. So verstehe ich meine Arbeit auch.“ Allerdings sollten die unabhängigen Spezialisten ähnlich wie in der Medizin mit „evidenzbasierten Managementstrategien“ arbeiten, gibt Dr. Wilhelm Berghorn (Mandelbrot) zu bedenken. „Nur wenn sich die Entscheidung auf wissenschaftlich dokumentierte Effekte stützt, kommt man in die Nähe von qualitätsgesicherten Anlagestrategien.”

„Unseren Qualitätsanspruch können wir aber nicht halten, wenn wir zu stark wachsen“, sagt Matthias Bohn (P & S Vermögensberatung). Wenn die Kundenzahl zu sehr wachse, würden Anleger besorgt fragen, ob man noch genug Zeit für sie habe. Genau darin liege ja das Problem vieler Marktteilnehmer, sagt Melanie Fulczyk (Berenberg): „Durch die enorm gestiegenen regulatorischen Aufgaben wird Anlageberatung oftmals nicht mehr angeboten. Der Kunde ist der Leidtragende – er wird alleingelassen, obwohl die Regulierung seinem Schutz dienen sollte. Hier bieten Investmentfonds eine gute Alternative.“ Kein Wunder, dass Unabhängige Vermögensverwalter zunehmend an Bedeutung gewinnen – auch wenn dies vielen Anlegern auf den ersten Blick nicht bewusst wird. Manche sehen den Markt sogar vor einer Konsolidierung. Wenn Verwalter ihre Lizenz zurückgeben, seien es eher schwache Gesellschaften, deutet Michael Gillessen (Berenberg) aus aktuellen Statistiken. „Neue Gesellschaften starten hingegen mit höherem Kapital, mehr Kunden und mehr Assets; die Qualität ist auf einem hohen Niveau.“ „Wir legen immer mehr spannende Fonds mit unseren Partnern auf“, bestätigt Katja Müller (Universal-Investment). Die Gesellschaft gestaltet zum Beispiel Fonds für Vermögensverwalter; die Zahlen können also durchaus als Indiz für die Branchenentwicklung genutzt werden. „Bei den Fonds verzeichnen wir einen starken Auflagenzuwachs“, sagt Müller. Winfried Stürzbecher (Ampega Investment) sieht eine Segmentierung im Markt: Mittelgroße und größere Verwalter entwickeln sich erfolgreich und dynamisch, manche kleineren würden die Selbstständigkeit unterschätzen. „Der Bedarf der Anleger ist aber insgesamt größer als das Angebot“, sagt Stürzbecher.

Jürgen Grosche

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