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Die Finanzbranche muss gewaltige Herausforderungen bewältigen. Die Themen betreffen auch die Anleger – von der Regulierung bis zur Digitalisierung.

Digitalisierung

Die Wirbel aus der neuen Welt

Fintechs und Robo-Advisors – Gegner oder Partner für die Unabhängigen Vermögensverwalter? Eine spannende Frage, die derzeit intensiv diskutiert wird.

Alle reden derzeit über Digitalisierung – natürlich auch die Anlageexperten beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" der Mediengruppe Münchner Merkur tz.

Fintechs krempeln die Branche um

Die Finanzbranche ist in der Tat gerade von den aktuellen Entwicklungen gleich mehrfach betroffen. Digitale Finanz-Start-ups, so genannte Fintechs, schießen wie Pilze aus dem Boden. Eine Gefahr für die Etablierten? Interne Prozesse werden auf digitale Abläufe umgestellt – eine Herausforderung? Die Digitalisierung ermöglicht neue Kommunikationswege mit den Kunden – eine Notwendigkeit? Um all diese Fragen geht es auch bei den Diskussionen in der neuen Location "Tal 1 by Stromberg2.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Bedrohen Robo-Advisors klassische Vermögensverwalter?

Vielleicht ist die öffentliche Wahrnehmung übertrieben, dass digitale Geldanlage-Unternehmen das klassische Vermögensverwaltergeschäft bedrohen. "Robo-Advisors spielen in der Realität bisher nur eine sehr geringe Rolle", ist jedenfalls Michael Gillessen (Berenberg), ein Kenner des Marktes, überzeugt. Wohl aber müssten auch die Vermögensverwalter die Instrumente der Digitalisierung nutzen – soweit sie für die Kunden sinnvoll seien. Schlüssel bleibt die persönliche Beratung: "Die Menschen schauen sich vieles im Internet an, wenn es aber konkret um die Unterschrift gerade unter einen Finanz-Vertrag geht, suchen sie den persönlichen Kontakt."

Persönlicher Kontakt immer noch entscheidend

Burkhard Wagner (Partners VermögensManagement) bestätigt diese Beobachtung. "Deshalb müssen wir unseren Kunden entsprechende Leistungen anbieten", also etwa eine gute Beratung. Die Branche müsse indes darauf achten, wie die nächste Generation denkt. Gerade mit dem Angebot der persönlichen Beratung können die Unabhängigen Vermögensverwalter punkten, merkt Andreas Grünewald (FIVV) an. Robo-Advisors würden Unsicherheiten nicht bemerken, die der Kunde beim Beantworten von Fragen vielleicht hat. "Wir begleiten die Anleger auf dem gesamten Weg persönlich und individuell – das ist unsere Chance."

Fintechs auch eine Bereicherung

Wobei gerade Grünewald die Fintechs nicht als Gegner sieht. Der Experte ist auch Vorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV), der Verband hat bereits erste Digitalunternehmen als Mitglieder aufgenommen. "Sie bereichern das Angebotsspektrum der Branche." Außerdem gibt es viele Möglichkeiten der Kooperation etwa bei der digitalen Automatisierung, bei der Gestaltung neuer Schnittstellen zu den Kunden. "Wir nutzen unterstützende Tätigkeiten um die Kommunikation mit den Kunden zu intensivieren", sagt Grünewald.

Individuelle Rendite statt Masse

Digitalisierung im Sinne von zunehmender Automatisierung sei mittlerweile gängige Praxis, sagt Thomas F. Seppi (FPM Frankfurt Performance Management). Die klassischen Verwalter unterscheiden sich – so Seppi – aber von den vermögensverwaltenden Fintechs und den Robo-Advisors in der grundlegenden Philosophie: "Die Fintechs wollen Masse sammeln und nicht unbedingt individuelle Renditen erwirtschaften. Bei uns ist es umgekehrt."

Christian Fischl (Huber, Reuss & Kollegen) formuliert es so: "Fintechs setzen meist auf ETFs (börsengehandelte Indexfonds). Wenn der Markt nach unten geht, fallen diese einfach mit – während wir individuell reagieren können." Fischl sieht zudem die Fintechs gerade in ihrer ersten Konsolidierungsphase nach einem Hype. "Jetzt erleben sie die erste Durststrecke." Vielen fehle entweder Geld oder ein Gesicht, mit dem sie nach außen treten. Deswegen suchen nach seiner Beobachtung derzeit viele einen Kooperationspartner. Problem: "Sie müssen mindestens 250 Millionen Euro Anlagegelder verwalten, um rentabel zu sein. Gleichzeitig haben sie hohe Marketingkosten. Da werden wohl einige vom Markt verschwinden."

Interessant für Kunden mit kleinen Vermögen

Gillessen hält es zudem für ein "Märchen, dass Fintechs billiger sind als die klassische Vermögensverwaltung". Ein Vergleich der Kosten zeige dies deutlich. Allerdings bieten nach seiner Einschätzung die Digital-Verwalter einen Weg, auch Kunden mit kleinen Vermögen zu binden. In der Praxis probieren hier Vermögensverwalter schon einiges aus. "Wir arbeiten an Angeboten, die wir über unsere Depotbank mit einer App-Lösung auf den Markt bringen", sagt zum Beispiel Burkhard Wagner.

Und Fintechs können neue Lösungen ermöglichen, die es bislang nicht gab, zum Beispiel neue Anlagemöglichkeiten. Stefan Klein (Universal-Investment) nennt als Beispiel eine Schuldschein-Emission auf Basis von Blockchain-Technologie, die eine Bank herausgebracht hat. "Solche Papiere gab es bislang meist nur in großen Volumina. Künftig sind mit neuen Technologien auch kleinvolumige Emissionen möglich."

Gesicht zeigen, persönlich da sein

Da ist wieder das Stichwort, das Melanie Fulczyk (Berenberg) anspricht, um den Vorteil der Unabhängigen Vermögensverwalter herauszustellen: "Unterm Strich ist das ihre große Stärke. Wir sind hier auf einem guten Weg." "Man kann Individualität nicht standardisieren", sagt Hans-Jürgen Friedrich (KFM Deutsche Mittelstand). Zudem: "Was hilft der Robo-Advisor, wenn der Kunde nicht weiß, was er kauft?"

von Jürgen Grosche

Die Teilnehmer des Finanzforums „Unabhängige Vermögensverwalter“ im Überblick

Berenberg Vermögensverwalter Office:Andreas Brückner, Relationship Manager, Michael Gillessen, Direktor, Leiter Vermögensverwalter, Office, Melanie Fulczyk, Relationship Manager

FIVV AG:Andreas Grünewald, Vorstand

FPM Frankfurt Performance Management AG:Thomas F. Seppi, Vorstand

Huber, Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung GmbH:Christian Fischl, Geschäftsführer

KFM Deutsche Mittelstand AG:Hans-Jürgen Friedrich, Vorstand

Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung GmbH & Co.KG:Reiner Pfeifferling, Senior Portfoliomanager

Mediengruppe Münchner Merkur:Andrea Schaller-Öller, Verlagsleitung Werbemärkte

PARTNERS VermögensManagement AG:Burkhard Wagner, Vorstand

PSM Vermögensverwaltung GmbH:Ralf Borgsmüller, Partner

Sigavest Vermögensverwaltung GmbH:Christian Mallek, Geschäftsführender Gesellschafter

Universal-Investment:Stefan Klein, Direktor Private Label

Moderation:José Macias, Jürgen Grosche

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