Ihre Anlagestrategien stellten die Experten beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" der Mediengruppe Münchner Merkur tz im Veranstaltungsraum Tal1 vor.
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Ihre Anlagestrategien stellten die Experten beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" der Mediengruppe Münchner Merkur tz im Veranstaltungsraum Tal1 vor.

Strategie

Das Geheimnis der individuellen Geldanlage

Nichts ist für Anleger so schwierig wie die Suche nach der richtigen Strategie, um das Vermögen langfristig zu sichern und zu mehren. Auch Vermögensverwalter setzen dabei auf unterschiedliche Strategien. Eines jedoch haben sie gemeinsam: Anlagestrategien werden individuell auf die Wünsche des Anlegers angepasst.

Die anhaltende Niedrigzinsphase hat es selbst dem nachlässigsten Anleger deutlich gemacht: Wer sich nicht aktiv um sein Geld kümmert, dem rinnt sein Vermögen buchstäblich durch die Hände. Nullzinsen, Gebühren, Steuern und Inflation sorgen dafür, dass etwa Festgeldkonten über die Jahre an Wert verlieren. Auch für die professionellen Vermögensverwalter ist diese Situation eine Herausforderung, gilt es doch vor allem, die Wünsche der oftmals konservativ denkenden Anleger mit (risikoreicheren) Chancen auf den Finanzmärkten zu kombinieren. Da reicht es nicht, ein Standard-Portfolio zusammenzustellen – im Gegenteil, gerade bei den Anlagestrategien glänzen viel  Unabhängige Vermögensverwalter mit ihren individuellen Portfolien, die auch stürmischen Zeiten standhalten sollen.

Beim Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" von Münchner Merkur tz wurde schnell deutlich, dass auch die Experten Märkte und Chancen durchaus unterschiedlich einschätzen. Das ist ein gutes Zeichen, denn Anleger haben dadurch viele Wahlmöglichkeiten bei der Suche nach dem richtigen Portfoliomanager.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

Ein eigenes Anlage-Universum

Einen interessanten Investmentansatz verfolgt etwa die Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen, mit einem verwalteten Vermögen von über zwei Milliarden Euro einer der größten Vermögensverwalter in Deutschland. "Wir verfügen über ein eigenes Investmentteam, das aus Aktien, Anleihen und anderen Assets die aussichtsreichsten heraussucht und unser eigenes Anlage-Universum bildet, aus dem sich jeder unserer Kundenberater bedienen kann", unterstreicht Geschäftsführer Christian Fischl.

Diese intensive Selektion ist auch wichtig, wie er betont, "denn gerade im Anleihe-Bereich ist es aktuell wichtig, die genaue Story dahinter zu kennen". Außerdem haben die Münchner Vermögensverwalter eine eigene Denkfabrik ins Leben gerufen, die nach kreativen Anlageideen wie Robotics oder Elektromobilität forscht und diese Erkenntnisse wiederum an das Investmentteam weitergibt.

Unabhängige Vermögensverwalter werben mit unterschiedlichen Anlagestrategien um die Gunst der Anleger. Damit zeigen die Profis auch ihre Individualität.

Gründliche Analyse für die beste Anlagestrategie

Auf eine gründliche Analyse setzt auch Burkhard Wagner, Vorstandssprecher der Partners Vermögensmanagement AG: "Wir analysieren regelmäßig den gesamten Anlagemarkt in allen Asset-Klassen nach ETF, gemanagten Fonds und Direktinvestitionen. Zur besseren Analyse laden wir führende Fondsmanager ein, um uns Details des Fondsmanagements vorstellen zu lassen." Die Ergebnisse nutzen die Experten für ihre Anlagestrategie und wählen die besten Anlageobjekte für die Vermögensverwaltung aus. "Unsere Mandanten profitieren von einer unabhängigen Produktselektion und einer über 30-jährigen Anlageerfahrung der Vermögensmanager", sagt Wagner.

Leistung durch Erfahrung

Auch die Sigavest Vermögensverwaltung aus Berlin setzt auf Expertise, so Christian Mallek. "Wir bauen auf Strategien von Managern, die sich in ihrem Bereich bestens auskennen. Unsere Kunden müssen sich daher nicht auf die Suche nach den Performance-Treibern der letzten Jahre machen, sondern können mit einem Vehikel in die aktuell richtigen Strategien investieren."

Sein offensiver Mischfonds Sigavest Vermögensverwaltungsfonds UI (WKN A0MZ31) setzt unter anderem auf Ertragsperlen und reduziert in unsicheren Marktphasen seine Aktienquote deutlich, um das Vermögen vor Kurseinbrüchen zu schützen. Diese Strategie brachte die zurückliegenden sechs Jahre durchschnittlich 7,5 Prozent Rendite im Jahr – und das bei deutlich niedrigeren Schwankungen als am Aktienmarkt. Die Anlage in einen Fonds, der von einem Unabhängigen Vermögensverwalter gemanagt wird, hat zudem dadurch ihren Reiz, dass diese nicht auf hohe Summen wie bei individuellen Portfolios beschränkt ist, sondern auch schon Anlegern mit kleinen Summen den Einstieg ermöglicht.

Anlage-Trio für beste Performance

Thomas Seppi von der FPM Frankfurt Performance Management AG lenkt mit seinem Team gleich drei solcher Fonds, die sich alle durch einen klaren und natürlich unabhängigen Ansatz hervorheben. "FPM verfolgt einen reinen Value-Ansatz, also die Suche nach attraktiven, unterbewerteten Unternehmen mit erfolgversprechendem Geschäftsmodell. Wir verlassen uns ausschließlich auf unsere eigenen Analysen." Das macht der Vermögensverwalter seit der Gründung von 17 Jahren äußerst erfolgreich und heimste neunmal die Auszeichnung als "Bestes Fondsmanagement" ein. Der auf deutsche Nebenwerte spezialisierte Aktienfonds FPM Funds Stockpicker Germany Small/Mid Cap (WKN A0DN1Q) etwa brachte seinen Anlegern in den letzten zehn Jahren ein Plus von über 218 Prozent ein – und hängte damit sogar den Leitindex MDax klar ab.

"Value und Stockpicking sind heute noch viel wichtiger als vor einigen Jahren", erklärt der Vorstand. "Denn nach unseren Messungen sind viele deutsche Aktien im Midcap-Bereich inzwischen sehr teuer – und das Risiko steigt mit steigenden Preisen." FPM schaut bei seiner Analyse daher nicht allein auf die Trends, sondern durchleuchtet das Geschäftsmodell der Aktiengesellschaften. "Wir investieren erst dann in Aktien, wenn das Geschäftsmodell nachhaltig ist und mindestens zehn Prozent Renditemöglichkeiten nach oben bietet." Eine Aktie, in die die Frankfurter Vermögensverwaltung derzeit investiert ist, ist der Kochbox-Spezialist Hello Fresh.

Trotz der hohen Preise für viele Aktien ist Thomas Seppi optimistisch: "Unsere Aufgabe als Fondsmanagement ist, Rückschläge für unsere Kunden abzufedern. Im Moment sehe ich allerdings keine Crash-Gefahr, allerdings rechnen wir mit einem Anstieg der Inflation und im nächsten Jahr mit mehr Arbeitskämpfen und steigenden Löhnen."

Fokus Mittelstand

Bei der KFM Deutsche Mittelstand AG verfolgt Vorstand Hans-Jürgen Friedrich eine andere Strategie: "Wir haben uns auf Anleihen von mittelständischen Unternehmen fokussiert – und fühlen uns in diesem Segment sehr wohl!" Das ist kein Lippenbekenntnis des Assetmanagers aus Düsseldorf, denn schließlich hat er vor fünf Jahren mit dem Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds (WKN A1W5T2) einen offenen Investmentfonds auf den Markt gebracht, der Anleihen mittelständischer Unternehmen bündelt. "Wir suchen Bonität und nicht den Zinskupon. Damit ist der Fonds ein gutes Anlageinstrument für private und institutionelle Anleger, die von den attraktiven Zinsen von Mittelstandsanleihen partizipieren wollen – allerdings ohne das Risiko eines Einzelinvestments einzugehen."

Für diese Idee wurden die Düsseldorfer im vergangenen Jahr mit dem "Großen Preis des Mittelstandes" ausgezeichnet. Auch die Ausschüttungsrendite kann sich mit über vier Prozent pro Jahr in den letzten Jahren sehen lassen, was Friedrich unter anderem auf den Selektionsprozess zurückführt: "Wir schauen sehr genau auf Geschäftsmodelle und Cashflow. Und investieren etwa in Unternehmen wie Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig mit über 100 Jahren Erfahrung im Getriebebau."

Der Fonds läuft offenbar so stabil, dass Experten ihn auch für die Anlage von Stiftungsgeldern als geeignet halten. Er wurde kürzlich als einer von acht neuen Vehikeln in die 71 Fonds umfassende Empfehlungsliste von RenditeWerk, dem größten eMagazin für Stiftungen, aufgenommen. "Wir empfehlen den Fonds unseren Lesern als Baustein komplexer Stiftungsanlagen", heißt es in dem Magazin.

Fokus Unternehmen in Sondersituationen

Wie findungsreich Vermögensverwalter auf der Suche nach Rendite sein können, beweist auch die Knoesel & Ronge Vermögensverwaltung aus Würzburg. Portfoliomanager Reiner Pfeifferling erläutert auf dem Finanzforum seinen Ansatz mit dem Fonds KR Fonds Deutsche Aktien Spezial (WKN A0MWK9) und KR Fonds Übernahmeziele Europa (WKN A1402D). "Unsere Aktienfonds investieren in Deutschland und Europa in Unternehmen, die sich in Sondersituationen befinden, etwa durch Firmenübernahmen oder Abfindungsangebote." Das setzt hohes Spezialwissen voraus, das die Würzburger seit nunmehr zwei Jahrzehnten in ihre Vermögensverwaltung und die Fonds einbringen. "Themen wie etwa Urbanisierung oder etwa Ölindustrie greifen wir auf, allerdings kaufen wir nicht blindlings, sondern investieren ausschließlich in Aktien, die potenziell übernommen werden können. So ist der Kurs nach unten quasi mit einem Sicherheitsnetz abgesichert und man bekommt gegebenenfalls eine Übernahmeprämie", so Pfeifferling. Auch setze man keine Derivate ein, "einfach ist besser".

Breite Streuung über verschiedene Anlageklassen mit Value-Ansatz

So lautet die Erfolgsformel bei der FIVV AG von Andreas Grünewald. Der Münchner Vermögensverwalter bietet neben der klassischen Vermögensverwaltung gleich eine ganze Reihe von vermögensverwaltenden Fonds mit unterschiedlichen Schwerpunkten an, wie etwa den FIVV-MIC-Mandat-Wachstum (WKN A0NAAF). Bei allen FIVV-Fonds spielen Aktien seit Jahren eine wichtige Rolle: "Unternehmen finden beste Rahmenbedingungen vor, siehe steigende Kaufkraft, historisch niedrige Refinanzierungskosten, gesunkene Energie- & Rohstoffpreise", hebt er hervor.

"Trotz der optisch hohen Preise ist etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beim Dax immer noch knapp unter dem langjährigen historischen Durchschnitt. Und zahlreiche Aktien weisen eine Dividendenrendite von drei Prozent und mehr auf. Bei Anleihen kommen die schwierigen Jahre dagegen noch, wenn die Zinsen wieder steigen – das wird für viele Stiftungen und Lebensversicherungen dramatisch werden."

Droht 2018 die Finanzkrise 2.0?

Während Andreas Grünewald die Zeichen für Aktien auch weiterhin sehr positiv sieht ("Die Welt ist besser, als wir allgemein glauben"), zeichnet Ralf Borgsmüller von der PSM Vermögensverwaltung ein deutlich vorsichtigeres Bild. Der Partner von Deutschlands ältester privater Vermögensverwaltungsgesellschaft aus Grünwald bei München warnt: "Unsere bewährten Indikatoren zeigen überwiegend rote Ampeln an! Wir erwarten für 2018, spätestens für 2019 die Finanzkrise 2.0." Borgsmüller verweist auf die historisch hohe Weltverschuldung und die hohen Bewertungen von Aktien an den Börsen: „Die Nullzinsen haben in den letzten Jahren alle Vermögensklassen aufgeblasen, von den Aktien über die Anleihen, den Markt für Fußballer, den Kunstmarkt, Oldtimer und Immobilien. Die meisten US-Aktien sind so hoch wie noch nie bewertet, für 600 Milliarden US-Dollar wurden dabei Aktien auf Kredit gekauft.“

Für ihn ist absehbar, dass der Crash aus den USA kommen wird. Seine klare Empfehlung für Anleger lautet: "Anleger sollten nicht mehr in diese sehr fortgeschrittene Euphorie investieren, sondern abwarten, bis die Kurse in 2018 deutlich korrigieren. Wer investiert ist, sollte jetzt Risiken reduzieren und sein Vermögen schützen." Der Vermögensverwalter rechnet außerdem damit, dass diesmal die Krise anders verlaufen wird, da nunmehr auch die Staaten selbst hochverschuldet sind.

Von José Macias

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