Mit unterschiedlichen Strategien zum Ziel: Finanzexperten während des Forums.

Unabhängige Vermögensberatung

Geldanlage: Vielfalt statt Nullzins

Anleger können auch in diesen Tagen Erträge erwirtschaften. Unabhängige Vermögensverwalter erklären, wie. Ihre Strategien sind durchaus unterschiedlich.

Holger H. Gachot (StarCapital) bringt es beim 4. Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz auf den Punkt: „Wir befinden uns in einer neuen Welt, die wir bislang nicht kannten.“ Überschuldete Staatshaushalte und „Helikoptergeld“-Pläne, jedem Bürger Geld zu schenken, sprechen für sich. Die niedrigen Zinsen werden bleiben, so Gachot; „wir setzen auf Diversifizierung“; so beziehen die Experten auch Schwellenländer und Asien in ihre Überlegungen ein.

Dabei können sogar festverzinsliche Papiere interessant sein, sagt Thomas Lenerz (I.C.M. Independent Capital Management): „In den Emerging Markets kann man durchaus attraktive Zielrenditen mit Investment-Grade erzielen.“ Andreas Grünewald (FIVV) hat in China Renminbi-Festgeld auf zwölf Monate mit drei Prozent Verzinsung als Chance ausgemacht und in den vergangenen Jahren hiermit bereits deutliche Währungsgewinne erzielt. „Wir sollten die kommende Weltleitwährung ernst nehmen.“

Josef Tafertshofer (Fimax Vermögensberatung) sieht Emerging Markets-Anleihen als Beimischung, wobei man das Währungsrisiko gut erklären müsse. „Auch in Deutschland gibt es attraktive Anleihen“, ergänzt Rainer Fritzsche (OvidPartner), zum Beispiel von Hapag Lloyd oder Unity Media. „Der Kunde versteht zudem, was diese Unternehmen tun“, sagt Fritzsche. Auch Immobilien glauben sie zu verstehen, investieren dort sehr viel. Sogar zu Höchstbewertungen, wie Grünewald anmerkt. Aktien seien dagegen derzeit meist günstig bewertet, „trotzdem nehmen viele Anleger sie nur als Beimischung“. „Eine Reihe von Assetklassen sind derzeit günstig bewertet“, meint Dr. Jens Bies (Skalis Asset Management). Aktien hätten wegen divergierender transatlantischer Geldpolitiken und eines verschlechterten Liquiditätsumfelds derzeit übertrieben hohe Kursschwankungen, ebenso wie Rohstoffe. Mit einem guten Mix aus volatilen und eher konservativen Anlageformen seien aber nachhaltig positive Erträge weiterhin möglich.

Auf eines dürfen Anleger derzeit wohl kaum hoffen: dass die Zinsen anziehen. Die Niedrigzinspolitik sei allerdings ein „gefährliches Experiment“, warnt Dr. Josef Kaesmeier (MFI Asset Management): „Wir werden damit keine Inflation und Wachstum – wie angestrebt – hinbekommen.“ Das Deflationsargument sei nur eine Rechtfertigung für die Zentralbanken, tatsächliche gehe es um die Reduzierung der Staatsschulden. Eine Vermögenspreisinflation sei längst da, sagt Tafertshofer, das zeigen allein schon die Preissteigerungen bei Immobilien. Nicolas Schmidlin (ProfitlichSchmidlin AG) erläutert, wie wichtig im Rentenbereich aktuell ein Höchstmaß an Flexibilität ist. Klassische Rentenpapiere werfen aktuell kaum noch Rendite bei erheblichen Zinsänderungsrisiken ab, weshalb er einen besonderen Fokus auf Sondersituationen und Opportunitäten am Anleihemarkt legt.

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