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Der Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt rät dazu, in Aktien zu investieren.

Unabhängige Vermögensverwalter

Dr. Jens Ehrhardt: „An Aktien geht kein Weg vorbei“

Wer Erfolg haben will, muss die ausgetretenen Pfade verlassen, gegen den Strom schwimmen. Oder antizyklisch investieren, wenn es um die Geldanlage geht. Der Fondsmanager Dr. Jens Ehrhardt sieht in eben solchen Strategien Chancen.

Aus jeder Analyse, jeder Schlussfolgerung spricht die geballte und über viele Jahre gewachsene Expertise: Wenn Dr. Jens Ehrhardt in einfachen, aber die Zusammenhänge übersichtlich erklärenden Worten Märkte beschreibt, die Wirkmechanismen in Ländern und Branchen offenlegt, dann entsteht ein Bild der Lage vor Augen, das auf viele Anleger sicher einen beruhigenden Einfluss hat, ohne alles in rosarot zu malen. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Vermögensverwaltungsgesellschaft DJE Kapital AG in Pullach hat sich in seinen annähernd 50 Berufsjahren den Ruf erworben, zu den besten Fondsmanagern Deutschlands zu zählen. Derzeit reagieren ja selbst viele Profis nervös, wie die Kursschwankungen an den Börsen zeigen. Ehrhardt bleibt bei vielen Themen, die anderen die Sorgenfalten auf die Stirn treiben, gelassen. Beispiel China: „Ich sehe das Land positiv.“ Der Immobilienmarkt ziehe wieder an, der Staat unterstütze die Entwicklung etwa durch eine Senkung der Grunderwerbssteuer. Die Transformation vom Produktionserzeuger der Welt zum Konsumenten der Welt laufe langsamer als gedacht, „aber der Weg geht dorthin.“

Wachstumsmotoren intakt

Überhaupt seien die Ängste, die derzeit Börsenturbulenzen auslösen, übertrieben: „Ich gehe davon aus, dass sich die Weltkonjunktur erholt.“ Die von vielen kritisierte Zinspolitik könne durchaus positiv wirken. „Sie greift inzwischen ‚piano‘, aber es ist ja auch gut, wenn sie langsam wirkt“, stellt der Anlagespezialist fest. Die Deflationsgefahr schätzt Ehrhardt nicht als hoch ein: „Die großen Volkswirtschaften sind bislang als Wachstumsmotoren der Welt nicht ausgefallen.“ Deutschland zeigt sich derzeit ja sichtbar für alle robust. Unternehmen machen Gewinne, Konsumenten kaufen – animiert auch durch höhere Löhne und Renten. „Die Exporte halten sich trotz derzeit noch schwacher Weltkonjunktur“, beobachtet Ehrhardt. Die USA sieht er positiver als andere. Zwar hinke der Privatkonsum den Erwartungen hinterher, aber wenn das Zinsniveau nicht steigt, werde es ein gutes Jahr für die Amerikaner. Mit seiner unterm Strich positiven Beurteilung der Lage – oftmals entgegen den landläufigen Meinungen – kann Ehrhardt Chancen erkennen, die andere nicht wahrnehmen. Antizyklisch nennt man die entsprechende Anlagestrategie. Wenn etwa manche Bankaktien an der Börse zu weniger als dem halben Buchwert gehandelt werden, dann könnten sie interessant werden. Oder Rohstoffaktien – hier hat Ehrhardt schon früh zugegriffen. Gegenüber US-Konsumwerten ist Ehrhardt hingegen zurückhaltend. Sie seien nun doch schon teuer.

Perlen in Asien

Japan bietet Anlegern derzeit Chancen, ist Dr. Jens Ehrhardt überzeugt.

Der erfahrene Aktienprofi findet natürlich auch Perlen da, wo andere nicht so tief hintauchen können. Etwa in Hongkong, das er in den vergangenen 13 Jahren häufiger besucht hat. Hier sind ihm Immobilienwerte aufgefallen. „Einige der in Hongkong notierten Firmen haben frühzeitig Immobilien in Europa und Amerika gekauft, sie sind aber preiswert wegen des schlechten Images der chinesischen Börsen.“ Während die entsprechenden Titel oft nur mit dem halben Buchwert an der Börse notieren, lägen die Kurse vergleichbarer europäischer Immobilienaktien durchaus beim 1,2-Fachen der Buchwerte.

Japan nimmt der Experte ebenfalls ins Visier. Die Entwicklung des Landes werde mehrheitlich sehr pessimistisch bewertet, Investoren haben viele Aktien verkauft, die Leerverkäufe und damit die Erwartung weiterer Kursrückgänge seien fast auf das höchste Niveau aller Zeiten gestiegen. Ehrhardt sieht hingegen den ganzen Pessimismus in den Kursen bereits berücksichtigt, „ein weiteres überraschendes Absinken ist eher unwahrscheinlich“. Japanische Aktien sind derzeit bezogen auf ihren Buchwert und das Kurs-Gewinn-Verhältnis günstig – und für Profis wie Ehrhardt daher natürlich einen Blick wert.

Unterm Strich bleibt er davon überzeugt, dass an Aktien derzeit kein Weg vorbeiführe. Als Beimischung sei Gold durchaus empfehlenswert. Gründe gibt es viele: Sollte doch einmal eine Inflation losgaloppieren, schützt das Edelmetall. Zweifel an der Stabilität der Banken, Misstrauen über die Politik der Notenbanken, Angst vor dem Ende des Bargeldes und den Negativzinsen treibe derzeit viele Anleger auch ins Gold. „Die Menschen empfinden die Zeit als unsicher, da spielt auch die Psychologie eine Rolle“, sagt Ehrhardt.

Jürgen Grosche

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