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Risiken begrenzen und Chancen mitnehmen – Discountzertifikate können sich für eine solche Strategie als hilfreich erweisen.

Unabhängige Vermögensverwaltung

Portfolio: Wunschrendite ermitteln, Risiko begrenzen

Auch mit hohen Aktienquoten, die Rendite generieren sollen, lässt sich ein Portfolio sinnvoll gegen starke Verluste absichern. Ein Instrument dazu sind beispielsweise Discount-Zertifikate. Sie können Anlegern helfen, schlaflose Nächte zu vermeiden.

Für Thomas Lenerz, Direktor der deutschlandweit tätigen Unabhängigen Vermögensverwaltung I.C.M. (Independent Capital Management), existieren zwei Arten der Bildung eines Finanzportfolios. „Asset Manager können sich an im Anlagegespräch formulierten Quoten orientieren, also beispielsweise 40 Prozent Aktien, 50 Prozent Renten und zehn Prozent Cash, und dieses Konzept dann durchsetzen, ganz gleich wie die Märkte aussehen mögen. Das hat aber nicht unbedingt etwas mit einem stimmigen Rendite-Risiko-Profil zu tun. Wir halten es für wesentlich zielführender, den Mandanten in einem ersten Schritt nach seinen Renditewünschen zu befragen.“ Was erst einmal etwas seltsam klingen mag, hat folgenden Hintergrund. Ein Anleger möchte beispielsweise nach Steuern, Gebühren und Inflation einen Ertrag von drei Prozent haben, also braucht er aktuell rund das Doppelte an jährlicher Gesamt-rendite. Die I.C.M.-Vermögensverwalter stellen daraufhin mit Hilfe einer Software ein Portfolio zusammen, das – ausgehend von den historischen Daten – diese Zielrendite erreichen kann. „Dieses beinhaltet dann zum Beispiel 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Unternehmensanleihen – so kommt die Asset-Allokation in diesem Modell zustande“, beschreibt Thomas Lenerz.

Portfolio absichern

Das ist aber nur der erste Schritt der Portfolio-Bildung. Der zweite und für den Unabhängigen Vermögensverwalter der wesentlich wichtigere ist das spätere Risiko-Management. „Mit einer Aktienquote von 70 Prozent, um die angestrebte Gesamtrendite zu erreichen, tun sich viele Anleger eher schwer. Sie haben Schwierigkeiten, sich mit den Volatilitäts- und Verlustrisiken zu arrangieren. Deshalb sind wir gefordert, durch individuelles Risiko-Management die Risiken zu begrenzen und das Portfolio damit abzusichern.“ Dabei komme es darauf an, dem Mandanten zu verdeutlichen, dass eine Risikoreduzierung oftmals mit einer etwas niedrigeren Rendite einhergehe, sodass aus den drei Prozent jährlich vielleicht zwei bis 2,5 Prozent werden können – aber das eben ohne schlaflose Nächte.

Das Prinzip funktioniert folgendermaßen. Thomas Lenerz und seine Kollegen behalten die Quote von 70 Prozent Aktien und 30 Prozent Unternehmensanleihen grundsätzlich bei. Aber sie ersetzen die Investments im Aktienbereich durch strukturierte Produkte wie Discount-Zertifikate, um damit Renditechancen zu wahren, aber einem möglichen Preisverfall einer Aktie vorzubeugen. Der I.C.M.-Direktor gibt ein Beispiel: „Wir haben ein Discount-Zertifikat auf die Aktie von ThyssenKrupp mit Laufzeit bis Mitte März 2017 für etwa 14,30 Euro gekauft, dessen maximaler Rückzahlungspreis sich auf 15,40 Euro beläuft. Der derzeitige Börsenkurs von ThyssenKrupp liegt bei rund 18,90 Euro. Damit darf die Aktie bis März kommenden Jahres zum Erreichen des Basiswerts des Zertifikats bis zu circa 18,5 Prozent verlieren, und wir werden dennoch 7,7 Prozent Gewinn machen. Und selbst wenn die Aktie beispielsweise zehn Prozent unter unserem Kaufpreis von 14,30 Euro liegt, haben wir erstens nur zehn Prozent verloren anstatt rund 30 Prozent wie die Aktie und zweitens erhalten wir die Aktie und können dann wieder von der Erholung des Titels profitieren.“ Hohe Aktienquoten mit Risikoreduzierung, nennt Lenerz das Prinzip.

Gleichzeitig nimmt der Vermögensverwalter das Emittentenrisiko sehr ernst. „Wir schauen uns vor allem die Ratings der begebenden Banken an. Weiterhin aber haben wir verstärkt unser Augenmerk auf die Credit-Default-Swaps gerichtet, die uns die vom Markt gepreiste Kreditwürdigkeit einer Bank signalisieren.“ Aber natürlich weiß er auch: „Mit einem solchen Modell wird ein Portfolio nach unten und nach oben begrenzt. Denn freilich nimmt ein stark Risiko-adjustiertes Portfolio die Kurssteigerungen nicht unendlich mit. Aber wenn die anderen in schnell und stark fallenden Märkten verlieren, beschränkt der abgesicherte Mandant seine Verluste. Die Kunden sehen diesen Managementansatz als Risikominimierung und nicht als Gewinnmaximierung, und darauf kommt es den allermeisten an.“

Patrick Peters

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