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Die Angst vor einer wieder steigenden Inflation nimmt zu. Mit Inflationsanleihen lassen sich langfristig die Folgen mindern – wenn man einige Regeln beachtet.

Inflationsanleihen

Schutz bei steigenden Zinsen

Die Angst vor einer wieder steigenden Inflation nimmt zu. Mit Inflationsanleihen lassen sich langfristig die Folgen mindern – wenn man einige Regeln beachtet.

Noch ist Inflation kein Thema. Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) stieg laut Bureau of Labor Statistics im April 2017 gegenüber dem Vormonat um 0,2 Prozent, im Jahresvergleich sind es moderate 2,2 Prozent. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland stieg im April im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. Das ist absolut im Rahmen dessen, was sich die Europäische Zentralbank im Euroraum wünscht.

In anderen Euroländern sieht es ähnlich aus. Es gibt nur zwei kleine Schönheitsfehler an dieser Zahl. Erstens der sprunghafte Anstieg von minus eins auf aktuell plus zwei Prozent innerhalb nur eines Jahres. Zweitens die Tatsache, dass Anleger immer noch kaum Zinsen auf ihre Barguthaben bei Banken bekommen. In der Summe bedeuten der Anstieg der Inflation und die fortgesetzte Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank für Sparer einen deutlich spürbaren, stetigen realen Wertverlust ihrer Sparguthaben.

Früher oder später wird diese Entwicklung wohl einen Zinsanstieg auslösen, spätestens dann, wenn die Währungshüter in Frankfurt ihre beispiellosen Anreiz-Maßnahmen zurücknehmen, die sie in den vergangenen Jahren eingeführt haben. Steigende Zinsen könnten dann besonders zinssensible Anleihe-Investments vor Probleme stellen – etwa länger laufende Staatsanleihen. Denn deren Kurse würden sinken, wenn die EZB die Zinsschraube wieder anzieht.

Für Anleger, die in festverzinsliche Papiere investiert haben, könnten deshalb auch Papiere interessant werden, deren Verzinsung mit steigender Inflation zunimmt. Da lohnt sich beispielsweise ein Blick auf Inflationsanleihen. Gemeinsam ist den meisten Papieren, dass sie für die erste Zinsausschüttung einen Fixkupon garantieren. Ab dem zweiten Laufzeitjahr wird ein Inflationsindex herangezogen, dessen Entwicklung den Ausschlag dafür gibt, ob der Kupon erhöht wird. So können Anleger das Risiko einer steigenden Inflation abfangen.

Renditeerwartung im Fokus

Als ausschlaggebender Index dient bei einigen Inflations-Anleihen der Verbraucherpreisindex für Deutschland, bei anderen der HICP ex Tobacco. Es gibt allerdings auch Anleihen mit dem Euribor als Basiswert. Diese Unterscheidung ist wichtig. Denn entscheidend für den Zinskupon ist bei Inflationsanleihen nicht die gefühlte Inflation, sondern die Entwicklung des jeweiligen Index. Und da gibt es in der Berechnung einige Unterschiede.

So misst der vom europäischen Statistikamt Eurostat berechnete HICP ex Tobacco den Preisanstieg für einen definierten Waren- und Dienstleistungskorb in der EuroZone. Tabakprodukte sind dabei ausgenommen, da ihr Preis in den verschiedenen Ländern zu stark von Steuern beeinflusst wird. Vorteil von Anleihen mit diesem Index gegenüber Anleihen mit dem Verbraucherpreisindex für Deutschland als Basiswert: Der deutsche Index lag in der Vergangenheit stets unterhalb der durchschnittlichen europäischen Preissteigerungsrate. Entsprechend höher ist die Ausschüttungserwartung für Papiere auf den europäischen HICP ex Tobacco im Vergleich zu Anleihen, die sich auf den deutschen Inflations-Index beziehen.

Anleger, die sich eine höhere Verzinsung erhoffen, fahren mit Euribor-Anleihen in der Regel besser. Als Basiswert dient hier in der Regel der 6-Monats-Euribor, der den durchschnittlichen Zinssatz angibt, mit dem sich Banken in Europa gegenseitig Geld leihen. Zwar ist der Euribor kein klassischer InflationsIndex. Doch die Renditeentwicklung für Anleihen ist trotzdem ein hervorragender Gradmesser für Inflation.

Inflationszertifikate aus erster Hand

Auffallend bei Inflationsanleihen ist, dass nur wenige der emittierten Produkte viel im Sekundärmarkt gehandelt werden. Denn bei diesem Anleihetyp handelt es sich um ein klassisches Zeichnungsprodukt. Für Anleger, die in Inflationsanleihen investieren wollen, lohnt sich deshalb der Blick in die Emissionskalender der Banken

Fazit: Entscheidend beim Kauf sind vor allem der Index, die Bonität des Emittenten und der Wert, mit dem der jeweilige Inflations-Index bei der Zinsausschüttung multipliziert wird. Je nach Anleihe und Inflationsentwicklung lassen sich mit den Papieren Jahresrenditen erzielen, die nicht nur die Inflation ausgleichen, sondern die Chance auf nennenswerte Überrenditen bieten.

Das Risiko: Bleibt der Preisanstieg in der Eurozone in den kommenden fünf Jahren im Rahmen der EZBVorgaben von zwei Prozent oder darunter, bieten die Papiere gegenüber klassischen Anleihen keine Vorteile. Es ist eine Wette auf einen langfristigen Anstieg der Inflationsraten. Für kurz- bis mittelfristig orientierte Investoren sind Inflations-Anleihen deshalb nicht geeignet.

Matthias von Arnim

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