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Aktien und Börse – vielen Anlegern ist das zu kompliziert und riskant. Doch wenn sie mit Hilfe von Experten risikobegrenzenden Anlagestrategien folgen, haben sie Chancen auf gute Renditen.

Interview mit Uwe Adamla

„Sicherheit muss neu definiert werden“

Mit vermeintlich sicheren festverzinslichen Wertpapieren drohen Anlegern langfristig Wertverluste, warnt Uwe Adamla, Mitglied des Vorstands der Dr. Ehrhardt Vermögensverwaltung.

Mit einem gut gemanagten Aktien-Portfolio haben sie hingegen Renditechancen, und die Risiken lassen sich eingrenzen, sagt der Experte im Interview.

Anleger beklagen die niedrigen Zinsen. Wie sieht der Markt nach Ihrer Beobachtung aus?

Uwe Adamla, Mitglied des Vorstands der Dr. Ehrhardt Vermögensverwaltung.

Uwe Adamla: „Kapitalmarktzinsen sind heute kaum noch attraktiv. Zumal auch die Einlagen in Form von Tages- und Termingeldern stetig steigen – gar über die hohe Staatsverschuldung Deutschlands hinaus. Festgelder, Bankschuldverschreibungen oder deutsche Staatsanleihen waren in den letzten Jahrzehnten die Lieblingsanlagen der Deutschen. Das ausreichend hohe Renditeniveau sorgte für eine maßvolle Volatilität im Depot. Im Windschatten der fallenden Zinsen war es leicht, eine attraktive Performance zu erzielen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Es stellt sich die Frage nach echten Anlagealternativen.“

Wie sieht es konkret bei festverzinslichen Wertpapieren aus?

Uwe Adamla: „Renten haben ihre Pufferfunktion verloren. Zinsanstiege werden nicht mehr kompensiert. So war im Spätsommer dieses Jahres schnell zu erkennen, dass ein geringfügiger Zinsanstieg unmittelbar zu deutlichen Verlusten führte. In der Rangfolge der Kundenanforderungen steht meistens der Wunsch, kein Geld zu verlieren, an oberster Stelle. Die Angst vor einem Verlust wiegt schwerer als die Aussicht auf eine höhere Rendite in der Zukunft.“

In der Tat fürchten sich viele Anleger vor Aktien – sie suchen Sicherheit.

Uwe Adamla: „Das ist verständlich. Doch der Begriff Sicherheit muss neu definiert werden. Heute geht es darum zu erkennen, dass eine Anlage in Schuldverschreibungen langfristig das Risiko einer realen Vermögensvernichtung trägt. Anleger sind besser beraten, in Aktien zu investieren und sich nicht davon beirren zu lassen, dass die Papiere in Deutschland manchmal als Hochrisikoanlage gebrandmarkt werden. Vielmehr handelt es sich um reale Beteiligungen an Unternehmen.“

Wie wollen Sie Anleger davon überzeugen?

Uwe Adamla: „Zu Beginn einer Beratung muss ein intensiver Austausch zwischen Vermögensverwalter und Kunde zum Thema Risikotragfähigkeit und Risikobereitschaft stehen. Stellt man dann die Anlageklassen Wertpapiere und Renten gegenüber, wird schnell deutlich, dass insbesondere Papiere mit einer stabilen, gar kontinuierlich wachsenden Dividende die Nase vorn haben. Das überzeugt immer mehr Anleger.“

Haben Sie konkrete Beispiele?

Uwe Adamla: „Ein gutes Beispiel ist der Wert Nestlé. Das Unternehmen zahlt seinen Aktionären seit über 20 Jahren eine stetig steigende Dividende. Im direkten Vergleich dazu dürfte so manches Rentenpapier schon eine Minusperformance haben.“

Nur auf Einzelwerte zu setzen, birgt aber schon auch Risiken.

Uwe Adamla: „Das stimmt, daher kommt es auf eine optimale Auswahl-Strategie an. Die Lösung ist eine vorausschauende Aktienselektion in Kombination mit einer risikomindernden Portfoliokonstruktion. Das Thema risikobehaftete Aktien greift allein allerdings zu kurz. Es ist die Aufgabe eines Unabhängigen Vermögensverwalters, die Risiken zu identifizieren und durch modernes Risikomanagement die Chancen der Realbeteiligungen für den Kunden zu nutzen.“

Wie sieht das in der Praxis aus? Wie arbeitet Ihr Haus?

Uwe Adamla: „Zunächst ist bei dieser Strategie die richtige Auswahl der wertvollen Aktien essenziell. Unsere hauseigenen Analysten zeigen, dass eine vorausschauende Anlagestrategie mit geringem Risiko so umgesetzt werden kann. Um die Qualität der jeweiligen Unternehmenswerte auch nachhaltig sicherzustellen, besuchen unsere Analysten rund 700 Firmen pro Jahr und machen sich so ein aussagekräftiges Bild vor Ort. Die Ergebnisse der umfangreichen Analysen spiegeln sich eindrucksvoll in den Investment- oder in den Anlagefonds DJE-Zins & Dividende und FMM-Fonds wider. Die langfristig hervorragende Performance der Fonds spricht für sich. Selbstverständlich ist dieses Konzept auch Bestandteil einer individuellen Beratung im Rahmen unserer Vermögensverwaltung, die wir seit 40 Jahren für kleinere institutionelle und private Anleger anbieten.“

Die Fragen stellte Jürgen Grosche

Digitalisierung als Chance für die Vermögensverwalter

Die Digitalisierung in der Vermögensverwaltung wird immer wichtiger.

Digitale Lösungen in der Vermögensverwaltung gewinnen mehr und mehr Bedeutung im Markt. Sowohl Start-Ups als auch Finanzkonzerne entwickeln hier kräftig drauflos. Auch Unabhängige Vermögensverwalter können sie nutzen, zum Beispiel in der Kommunikation. Davon ist man jedenfalls beim Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV) überzeugt. Der Verband hat die Thematik kürzlich aktiv aufgegriffen und im Rahmen des jährlichen VuV-Marketingseminars die sich ergebenden Chancen und Risiken für die Branche der Vermögensverwalter herausgearbeitet. „Das erhebliche Potenzial von digitaler Finanztechnologie (Fintech) ist offenkundig“, stellt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des VuV, fest. „Eine Gefahr für die Vermögensverwalter kann ich allerdings nicht erkennen.“ In der Unabhängigen Vermögensverwaltung zähle nach wie vor die persönliche Nähe zum Kunden und das Vertrauen. Das sei nun mal nicht digitalisierbar. Dass virtuelle Vermögensverwalter auf Basis von Algorithmen die menschlichen Kollegen bedrohen, erwartet der Verbandspräsident, der mit der FIVV AG in München selbst eine unabhängige Vermögensverwaltung führt, hingegen nicht. Für den Erfolg werde neben der Performance auch die Transparenz entscheidend sein. Abzuwarten bleibe zudem insbesondere, wie gut Algorithmen bei Strukturbrüchen, komplexen Anforderungen und in turbulenten Marktphasen funktionierten. „Im Bereich der Spezialfonds für kleinere und mittelgroße Verbände und Stiftungen ermöglicht die Digitalisierung spezialisierten Vermögensverwaltern heute durch effiziente Nutzung und Analyse der Daten eher Chancen als Risiken“, zeigt sich Jörg Scholl, Geschäftsführer der Münchner Solution Asset Management – einer auf institutionelle Kunden und Family Offices spezialisierten Vermögensverwaltung – überzeugt. Auch er glaubt, dass gerade in diesem Segment die persönliche Beratung nicht wegfallen wird.

Patrick Peters / Jürgen Grosche

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