Breite Runde: Finanzexperten diskutieren beim 4. Finanzforum der Mediengruppe Münchner Merkur tz.

Vermögensberatung

Unabhängige Beratung: Werben um Vertrauen

Unabhängige Vermögensverwalter müssen die Vorzüge ihrer Arbeit noch deutlicher herausstellen, um bei Anlegern Vertrauen zu finden, sagen die Anlagespezialisten beim 4. Finanzforum „Unabhängige Vermögensverwalter der Mediengruppe Münchner Merkur tz.

In Zeiten, in denen die Kapitalmärkte mit Geld überschwemmt werden und es keine Zinsen gibt, müssen Anleger ihre Investments streuen und durchaus zu gewissen Risiken bereit sein, wenn sie überhaupt noch eine Rendite erzielen wollen. Daher wird eine professionelle Begleitung, wie sie Unabhängige Vermögensverwalter bieten, immer wichtiger. „Wir wollen unsere Kunden bei ihren Sorgen abholen und ihnen die Angst vor kurzfristigen Vermögenschwankungen nehmen“, sagt zum Beispiel Michael Friebe (Value Asset Management) und meint weiter, „Kursrückgänge sollten als Chance begriffen und genutzt werden, nicht umgekehrt“. Die Anlageexperten dürfen dabei nur solche Investments tätigen, die der Kunde verträgt, betont Christian Fischl (Huber, Reuss & Kollegen). Er setzt auf Qualitätsaktien: „Nur damit können wir das riesige Kapitalmarktexperiment überstehen.“ Auf die dabei unweigerlich auftretenden Kursschwankungen müsse man den Kunden hinweisen und ihm diese erklären, fügt Holger H. Gachot (StarCapital) hinzu. „Viele Kunden könnten eigentlich mehr Risiken vertragen, sie wollen dies aber nicht“, räumt Stefan Mayerhofer (Bayerische Vermögen) ein.

Die Anleger suchen vielmehr die Sicherheit bei Banken, auch wenn sie dort nicht optimal und individuell beraten werden, führt Thomas Lenerz (I.C.M. Independent Capital Management) den Gedanken weiter, „sie haben die Schmerzgrenze dort noch nicht erreicht. Das reicht von standardisierten Depots bis hin zu versteckten Gebühren.“ Das könnte allerdings passieren, wenn die Banken ihre Gebühren erhöhen, was ja bereits diskutiert werde, sagt Andreas Hausladen (Universal Investment). „Dann wird eine Lawine ins Rutschen kommen.“

Die Banken müssen sich zudem öffnen und unterschiedliche Anlageklassen anbieten, ist Manfred Köberlein (Ampega Investment) überzeugt. Damit treten sie verschärft in den Wettbewerb mit den Unabhängigen Vermögensverwaltern. „Auf diese Chance haben wir gewartet.“ Die Spezialisten müssen aber diesen Wettbewerb aufnehmen, gibt Michael Stegmüller (Performance IMC) zu bedenken: „Wie schaffen wir es, als übergeordnete Experten und als eigenständige Marke wahrgenommen zu werden und Vertrauen aufzubauen?“ „Wir müssen die Werte eines Vermögensverwalters verstärkt in den Fokus rücken“, antwortet Melanie Fulczyk (Berenberg) und verweist dabei auf Unabhängigkeit und Kontinuität bei der Beratung. „Und wir müssen Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Ralf Borgsmüller (PSM Vermögensverwaltung). Die Tätigkeit eines Unabhängigen Vermögensverwalters sei vielen noch zu wenig bekannt. „Wir müssen Vermögensverwaltung anfassbar machen“, meint Tobias M. Karow (Rödl & Partner). Unabhängige Vermögensverwalter seien den Kunden näher als Bankberater und an langfristigen Beziehungen interessiert. Das gelte es zu zeigen. Die Schwellenangst nehme aber ab, beobachtet Fischl, „zudem leben wir von Empfehlungen“. Die Branche müsse aber mehr gemeinsam auftreten, „damit die Kunden einen stimmigeren Gesamthorizont erkennen“. Zudem müssten die Experten die Anleger richtig ansprechen, betont Rainer Fritzsche (OvidPartner): „Privatkunden verstehen Fachbegriffe wie Volatilität häufig nicht. Wir finden kein Vertrauen, wenn wir sie gebrauchen.“

Jürgen Grosche

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