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Geldanlage – ein Drahtseilakt: Je höher der Renditewunsch, desto mehr Risiken muss der Investor eingehen.

Unabhängige Vermögensverwaltung

Wunsch und Wirklichkeit

Hohe Renditen bei gleichzeitig null Risiko: Das ist der realitätsferne Wunsch vieler Anleger. Dabei vergessen viele, um was es eigentlich geht, nämlich die eigenen finanziellen Ziele zu erreichen. Dafür braucht es gar nicht immer hohe Renditen.

Es sind schwierige Zeiten für Anleger. Die Aktienmärkte sind volatil. Auch Festverzinsliches lockt kaum zur Anlage. Denn die Anleiherenditen sind weltweit im Keller. Selbst zyprische und bulgarische Staatsanleihen mit mittlerer Restlaufzeit bringen kaum mehr als zwei bis drei Prozent Rendite pro Jahr. Auch europäische Unternehmens-Anleihen sind auf breiter Basis so stark im Wert gestiegen, dass selbst Anleihen von Unternehmen mit mäßiger Bonität bald nur noch niedrige einstellige Renditen abwerfen. Denn die Europäische Zentralbank will demnächst auch Unternehmens-Anleihen kaufen, um die Wirtschaft zu stimulieren. Durch solche Eingriffe in das Marktgeschehen sind klassische Anlagekonzepte und Gewissheiten teilweise nur noch Makulatur.

Zwar galt schon immer: Eine höhere Rendite bedeutet auch ein höheres Risiko. Doch eine nahezu risikolose Anlage wie einst Bundesanleihen, die eine wahrnehmbare positive Rendite brachten, gibt es mittlerweile nicht mehr. Wer heute mehr als drei Prozent per annum erzielen will, kommt an Aktien nicht mehr vorbei – und muss dabei langfristig denken. „Nicht allen Anlegern, die ihr Vermögen professionell managen lassen wollen, ist diese eklatante Verschiebung der Risiko-Rendite-Verhältnisse an den Finanzmärkten bewusst“, sagt Hannes Peterreins von Dr. Peterreins Portfolio Consulting. Aus der Fehleinschätzung ergeben sich dann oft Erwartungen an die Geldanlage, die selbst die professionellste Vermögensverwaltung kaum erfüllen könne. „Der Wunsch nach null Risiko ist mit einer hohen Rendite eben nicht vereinbar“, so Peterreins.

Reine Mathematik

In den gesetzlich vorgeschriebenen Beratungsgesprächen, in denen Vermögensverwalter die Anlageziele der Kunden erfragen, können solche Widersprüche allerdings oft schnell aufgedeckt werden. „Wenn Kunden angeben, dass sie vor allem Sicherheit und/oder eine hohe Rendite wünschen, kläre ich gerne darüber auf, dass dies keine Anlageziele im eigentlichen Sinne sind. Sondern nur Parameter, um bestimmte Ziele zu erreichen“, erklärt Peterreins. Ein tatsächliches Anlageziel dagegen sei beispielsweise der Wunsch, in 20 oder 30 Jahren ein Vermögen aufzubauen, um sich dann im Alter daraus zwei- oder dreitausend Euro monatlich auszuzahlen. „Das ist reine Mathematik. Da wird schnell deutlich, welche Rendite man über welchen Zeitraum erzielen muss. Und dann ist auch schnell klar, in welchem Rahmen man mit welchen Wertpapieren welche Risiken eingehen kann oder muss“, so Peterreins. Einer Kundin, die dem Anlageprofi kürzlich den Wunsch darlegte, mit einem monatlichen Sparbeitrag von 1500 Euro innerhalb von 30 Jahren eine Million Euro anzusparen, konnte Peterreins zwar erklären, dass das prinzipiell möglich sei – aber nicht ohne den Einsatz von Aktien. Das war der Frau, die nur „sichere Anlagen“ wollte, nicht klar gewesen. Auch das Missverständnis, dass Anleihen nicht zweifelsfrei sichere Anlagen sind, konnte Peterreins aufklären.

In einem anderen Fall wünschte eine vermögende, 75-jährige Witwe die hochrentable Verwaltung ihrer rund acht Millionen Euro. Drei bis fünf Prozent Rendite per annum waren die Wunschvorstellung. Gleichzeitig wollte sich die Millionärin selbst monatlich aus ihrem Vermögen 3000 Euro auszahlen lassen. „Um dieses Ziel der monatlichen Auszahlung von 3000 Euro bis zum Lebensende zu garantieren, war es völlig unnötig, überhaupt positive Renditen erzielen zu wollen und die dafür nötigen Risiken einzugehen. Hier ging es stattdessen eigentlich nur um Risikovermeidung“, erklärt Hannes Peterreins. Wenn es ums Geld gehe, verwechselten die Menschen nicht selten Zweck und Mittel. „Geld zu erwirtschaften, um noch mehr Geld zu haben, ist kein sinnvolles Lebensziel“, sinniert Peterreins. Das werde manchmal leider vergessen. Doch der erfahrene Vermögensverwalter kann auch akzeptieren, wenn Kunden zu ihm kommen und frei heraus erklären, dass sie mit einem Teil ihres Vermögens bewusst zocken wollen. „Der Spaß am Spekulieren kann ein legitimes Anlageziel sein. Aber es sollte nicht das einzige sein. Und man sollte es nicht übertreiben“, so Peterreins. Die Börse sei schließlich kein Spielkasino, auch wenn manche Entwicklungen in den vergangenen Jahren diesen Eindruck entstehen lassen konnten.

Wer seine finanziellen Ziele erreichen will, sollte realistische Ziele formulieren und einen langfristigen Plan verfolgen“, rät der Experte aus München. Dass die Aktienmärkte mal mehr und mal weniger volatil sind, gehöre dabei in die Kalkulation. Und auch, dass die Risikobereitschaft der Kundschaft sehr von der aktuellen Börsenlage abhängt. „Unser Job ist es aber auch, dafür zu sorgen, dass der Plan eingehalten wird, ganz gleich, ob die Kurse gerade steigen oder fallen“, so Peterreins. Denn sein Ziel könne man nur erreichen, wenn man tatsächlich auch eines hat.

Matthias von Arnim

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