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Zeit ist Geld, sagt man. Das gilt derzeit für Anleger in besonderem Sinne: Je länger sie ihr Vermögen quasi unverzinst liegenlassen, desto mehr verliert es an Wert. Wer hingegen jetzt auf eine gute Anlagestrategie setzt, kann mit der Zeit sein Vermögen immer noch wachsen sehen.

Vermögensverwalter

Unabhängigkeit ist die Basis für erfolgreiche Anlagen

Anleger brauchen in unsicheren Zeiten eine gute Unterstützung. Sie finden diese bei Unabhängigen Vermögensverwaltern. Doch wie sieht es mit dem Nutzwert aus? 

Vertrauensverlust in herkömmliche Produktlösungen, unruhige Kapitalmärkte, Niedrigzinsumfeld bei steigender Inflation, geopolitische Risiken und, und, und: Es gibt viele gute Gründe für Geldanleger, sich einen Profi zu suchen, der frei und ohne Vertriebsinteressen das Vermögen betreut. Eine stetig wachsende Gruppe dieser Profis sind die Unabhängigen Vermögensverwalter. Die Spezialisten arbeiten mit hauseigenen Strategien und bieten sowohl eine individuelle Finanzportfolioverwaltung als auch Vermögensverwalter-Fonds für ihre Kunden – gegen ein festes Honorar und ohne Verkaufsdruck oder sonstige Interessenskonflikte.

Nun könnte man meinen, dass unabhängige Experten genau die Gruppe ist, die der Gesetzgeber zielgerichtet fördert, um so vielen Menschen wie möglich eine Geldanlage frei von Provisionen, Kickback-Zahlungen und Ähnliches möglich zu machen. Es ist auch tatsächlich ein Ziel der Politik, die Anleger zu schützen, wenn im Sommer die Finanzmarktregulierung MiFiD II in nationales Recht umgesetzt wird.

Schaut man aber auf das Gesetzeswerk MiFiD II, sieht man einige Verschärfungen auf die Branche zukommen. Verschärfungen, deren Vorteile gerade für Anleger nach den Worten des Münchner Vermögensverwalters und Vorstandsvorsitzenden des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland (VuV), Andreas Grünewald, leider auch nicht hinreichend klar erkennbar sind.

Die Umsetzung dieser "Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente" durch das sogenannte Zweite Finanzmarktnovellierungsgesetz ist zwar noch nicht final verabschiedet. Aber Stand jetzt sieht sie in der zweiten Auflage beispielsweise vor, ein vollständiges Zuwendungsverbot in der Finanzportfolioverwaltung durchsetzen, erläutert Andreas Grünewald. Will heißen: Unabhängige Vermögensverwalter dürfen nun keine Vergütungen von Produktanbietern mehr entgegennehmen oder sich von Banken etc. auf luxuriöse Events einladen lassen (was beides für den VuV absolut in Ordnung ist).

Aber: Auch die Entgegennahme von Informationsmaterial wie Analysen von Märkten oder Einzelwerten soll künftig nicht mehr kostenfrei möglich sein. Nach dem Willen des Gesetzgebers müssen auch Unabhängige Vermögensverwalter diese entweder selbst bezahlen oder sich vom Kunden bezahlen lassen, wollen sie nicht gegen die Regulierung verstoßen. Das ist natürlich auch ein Dämpfer für die Anleger, denn je umfassender sich Vermögensverwalter informieren können, desto besser können sie mit dem anvertrauten Vermögen umgehen. Sollte dies so eintreten, könnten Analysen kostenpflichtig bezogen werden – was Andreas Grünewald zufolge je nach Preis dazu führen könnte, dass Unabhängige Vermögensverwalter dieses Material womöglich gar nicht mehr nutzen werden. Dies ist umso bedauerlicher, weil sich kein seriöser Unabhängiger Vermögensverwalter durch kostenfreies Informationsmaterial in seinen Anlageentscheidungen beeinflussen lässt.

Telefongespräche dokumentieren

Auch in den geplanten Telefon-Aufzeichnungspflichten nach MiFiD II sieht der Branchenverband nicht nur Vorteile für Anleger. Sollten diese wie geplant umgesetzt werden, müssten Vermögensverwalter praktisch sämtliche Telefonate mit ihrem Mandanten auf allen denkbaren Medien aufzeichnen und mehrere Jahre speichern. Damit soll gewährleistet werden, dass die Inhalte der Gespräche im Nachhinein aufklärbar sind und der Kunde ein Beweismittel für etwaige Beratungsfehler in die Hand bekommt. Der VuV unterstützt die Aufzeichnung grundsätzlich, weil dies für beide Seiten Klarheit schafft. "Wir entwickeln als Verband gerade eine technische Lösung, die die Aufzeichnung und Speicherung so gut es geht vereinfachen soll."

Sorge bereitet dem Verband hingegen der Umstand, dass immer noch nicht klar ist, wo die Aufzeichnungspflichten enden. „Nach jetziger Einschätzung müssen wir das gesamte Telefonat von Anfang bis Ende dokumentieren, also auch höchst private Inhalte.“ Ob dies immer im Interesse des Anlegers liege, sei aber höchst zweifelhaft; dem mündigen Anleger solle das Recht eingeräumt werden, auf die Aufzeichnung ganz oder teilweise zu verzichten. Positiv könne man dies nur dann sehen, wenn im Gegenzug auf die Gesprächsprotokollierung verzichtet werden könnte. Dies ist aber bis dato von der Regulierung nicht vorgesehen, sodass es zu einem unerwünschten doppelten Aufwand für Anleger und Vermögensverwalter kommt.

Hoffen auf Lösung

Ein weiterer Punkt, durch den der Anlegerschutz nach Ansicht des VuV verfehlt wird, ist die neue Form der Zielmarktbestimmung. Der Gesetzgeber will, dass für jedes Wertpapier die jeweilige Risikogruppe markiert und dieses dann auch nur in dieser Risikogruppe eingesetzt wird. Dieses Vorhaben zeigt, dass der Gesetzgeber die Besonderheit der Finanzportfolioverwaltung völlig missverstanden hat. "Wir sind als Unabhängige Vermögensverwalter bestrebt und sogar zivilrechtlich verpflichtet, defensive und offensive Titel so zu mischen, damit für das Gesamtportfolio ein angemessenes Rendite-Risikoverhältnis entsteht."

Die sachgerechte Streuung und Absicherung auch unter Verwendung von Anlagen aus gegensätzlichen Risikoklassen ist nach Auffassung von Andreas Grünewald gerade die Königsdisziplin, die ein guter Vermögensverwalter beherrschen muss, um seinen Kunden wie ein Lotse durch die Untiefen der Kapitalmärkte navigieren zu können. „Der Gesetzgeber geht irrig davon aus, das Steuerrad auf einfachste Manöver wie schnell, langsam, links, rechts, vorwärts und rückwärts beschränken zu können, um Havarien zu vermeiden.“ Nach Einschätzung des Verbandes besteht aber noch gute Hoffnung, dass sich die Dinge im Interesse der Anleger klären werden.

Patrick Peters

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

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