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Auf steigende Zinsen können Investoren auf absehbare Zeit nicht hoffen. Darüber waren sich die Anlagespezialisten einig.

ETFs

„Vermögensverwaltende Fonds stehen für Glaubwürdigkeit“

Passive ETFs sind ein Trend am Investmentmarkt – aber wie stehen Unabhängige Vermögensverwalter dazu? Und was ist mit Vermögensverwaltenden Fonds, die von ihnen selbst beraten werden?

Darüber diskutierten die Anlagespezialisten beim Round Table „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz.

Vertrauen, Kommunikation, Stabilität, Kontinuität: Das sind wichtige Merkmale, mit denen Unabhängige Vermögensverwalter ihre Kunden überzeugen und binden. Aber natürlich ist die Anlagestrategie mindestens genauso wichtig. Denn diese entscheidet, ob das Vermögen gesichert und entwickelt wird – und das über die Jahre hinweg. Über das richtige Vorgehen diskutierten die Teilnehmer des sechsten Round Table „Unabhängige Vermögensverwalter“ von Münchner Merkur tz.

Ein großes Thema ist aktuell der Einsatz von passiven Indexfonds, sogenannten ETFs (Exchange Traded Funds). Diese bilden, kurz gesagt, einen Index wie den Dax in seiner Zusammensetzung und Wertentwicklung ab und liegen voll im Trend. Die ETF-Branche verzeichnet enorme Zuflüsse, nicht zuletzt, weil die Instrumente nicht viel kosten. Die Vermögensmanager betrachten die ETFs aber durchaus differenziert, und längst nicht alle nutzen sie in ihrer Vermögensverwaltung.

Thomas F. Seppi (FPM Frankfurt Performance Management AG) beispielsweise ist der Auffassung, dass diese Instrumente in liquiden Märkten durchaus Sinn ergeben könnten. Der Ansatz seines Hauses sei aber ein anderer: „Wir konzentrieren uns auf Nischen, die man nicht einfach passiv abbilden kann.“ Auch Matthias Bohn (P&S Vermögensberatung) ist grundsätzlich kritisch und verweist darauf, dass die Zusammensetzung von ETFs aufgrund der Nachbildung eines Indexes oft undifferenziert sei und Kunden auch Werte kaufen würden, die sie vielleicht gar nicht wollten. Er macht dies am Beispiel von Bankaktien fest. Gleichzeitig sieht er aber einen Vorteil bei ETFs, um schnell in einen kompletten Markt einsteigen zu können, für den Verwalter noch keine ausreichenden Analysen auf Einzeltitelebene besitzen.

Ralf Borgsmüller von der PSM Vermögensverwaltung kritisiert, dass Anleger bei sogenannten Swap-basierten ETFs, die mit Hilfe von Derivaten gestaltet werden, gar nicht wüssten, welche Werte tatsächlich in ihrem ETF vorhanden seien. Er warnt auch vor dem Risiko, dass in einer Krise ETFs hohe Abflüsse erfahren könnten, wie es dies 2008 bereits gegeben habe. „Das wird dann große Auswirkungen auf die Märkte haben.“ Zugleich ist aber Christian Fischl (Huber, Reuss & Kollegen) davon überzeugt, dass eine „moderne Vermögensverwaltung“ neben fundamental analysierten Einzelaktien und Renten auch andere Instrumente einsetzen müsse und gerade in der taktischen Allokation und bei gewissen Marktphasen nicht ohne ETFs auskommen könne.

Auch das pauschale Argument, dass passive Fonds besser sind als aktive Manager, lassen die Vermögensverwalter nicht gelten. „ETFs sind kein Allheilmittel“, sagt Michael Friebe von Value Asset Management. „Diese dienen als Tradinginstrumente und erfordern ein aktives Portfoliomanagement. Zudem hat der starke Mittelzufluss in ETFs zu Klumpenrisiken geführt. Die Anleger sind sich oft nicht bewusst, in welche Titel sie damit eigentlich investieren.“ Erik Podzuweit vom digitalen Vermögensverwalter Scalable Capital, der ausschließlich ETFs einsetzt, betont ebenfalls, dass es auf ein aktives Risikomanagement ankomme. Er weiß aber auch: „ETFs sind ein günstiges Markteinstiegsinstrument, das vielen Menschen bekannt ist. Unsere Kunden kommen oft über das Interesse für ETFs zu uns.“

Bei Vermögensverwalter-Fonds – also Fonds, die von einem Unabhängigen Vermögensverwalter beraten werden – hingegen sind sich die Experten einig. Sie halten diese für ein gutes Instrument, um Anleger zu gewinnen und sich selbst bekannter zu machen. Andreas Grünewald (FIVV), Vorstandsvorsitzender des Branchenverbandes VuV, meint, dass die Vermögensmanager durch eigene Fonds Mehrwerte für die Kunden schaffen könnten. „Ein Vermögensverwaltender Fonds investiert über viele Anlageklassen hinweg und zeigt die Strategie eines Hauses. Gleichzeitig steht er auch für Vermögen offen, die sich noch nicht für die individuelle Finanzportfolioverwaltung eignen.“

Darauf setzt Matthias Bohn auf: „Vermögensverwaltende Fonds dürfen nicht die individuelle Verwaltung ersetzen, sondern transportieren in der Form eines Fonds die Strategie des Hauses.“ In dem Kontext warnt Christian Fischl Kunden davor, dass es immer noch Verwalter gebe, die in der Finanzportfolioverwaltung eigene Fonds einsetzten und diese dann zusätzlich abrechneten, quasi doppelt abkassieren. Kathrin Eichler (Eichler & Mehlert) betont, dass die Fonds durch die Verwalter ihr eigenes Gesicht hätten – im Gegensatz zu ETFs. „Der Fondsmanager ist persönlich bekannt, der Kunde kauft keine Black Box.“ Auch sie ist überzeugt, dass Vermögensverwalter durch Fonds neue Kunden gewinnen könnten, beispielsweise in Form eines Sparplans für Kinder oder Enkelkinder.

Markus Riedmaier (QuattroFolio) nutzt ganz bewusst keinen eigenen Fonds – dafür selektiv die anderer Unabhängiger Vermögensverwalter. Seiner Ansicht nach ist die Vielfalt der individuellen Managementstile ideal zur Portfoliostreuung geeignet – ohne Interessenskonflikte. Auf die hohe Transparenz weist Christian Mallek von der Sigavest Vermögensverwaltung hin: „Wenn wir dem Anteilseigner unseres Vermögensverwaltenden Fonds unser Tun erklären und zugleich den erwarteten Wertzuwachs liefern, ist dies eine entscheidende vertrauensbildende Maßnahme, die uns auch hilft, neue Kunden zu gewinnen.“

Von Patrick Peters

Deutsche scheuen Aktien und legen ihr Geld am liebsten liquide an

Es ist schon erstaunlich: Einige Privatanleger haben durch Aktien- und Fondsinvestments ihr Vermögen deutlich mehren können, dennoch scheuen andere solche Investments und halten immer mehr Geld bar oder auf niedrig verzinsten Tages-, Festgeld- oder Sparkonten. Laut einer aktuellen Statistik der Deutschen Bundesbank stieg im ersten Quartal dieses Jahres das Geldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem dritten Quartal 2016 spürbar um 98 Milliarden Euro oder 1,8 Prozent. Ende 2016 verfügten die Anleger über mehr als fünf Billionen (genau 5586 Milliarden) Euro. Zum Anstieg trugen – so die Bundesbank – kräftige Bewertungsgewinne in Höhe von gut 53 Milliarden Euro beim gehaltenen Geldvermögen bei, darunter insbesondere bei Aktien und Anteilen an Investmentfonds.

„Die bereits seit einiger Zeit vorherrschende Präferenz für liquide und risikoarme Anlagen hielt insgesamt an“, beobachten die Experten auf der anderen Seite. Der weitaus größte Teil der Mittel sei abermals in Bargeld und Einlagen geflossen, wo die Zuflüsse den zweithöchsten Wert seit 1999 erreichten. Im vierten Quartal 2016 haben die privaten Haushalte in Deutschland 45 Milliarden Euro angelegt, den Großteil davon eben in Bargeld und Sichteinlagen. Termin- und Spareinlagen sowie Sparbriefe blieben weitgehend unverändert. Auch Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionseinrichtungen wurden mit knapp 20 Milliarden Euro deutlich aufgebaut.

Das Engagement der privaten Haushalte an den Kapitalmärkten hingegen war verglichen mit den Vorquartalen eher verhalten: Aktien und sonstige Anteilsrechte wurden per saldo im Umfang von fast einer Milliarde Euro verkauft. Schuldverschreibungen verzeichneten auch im vierten Quartal 2016 Abflüsse, die mit drei Milliarden Euro ähnlich ausfielen wie zuvor. „Diese Mittelabflüsse dürften vor dem Hintergrund des schwachen Renditeumfelds zu sehen sein“, so die Experten.

Alle Infos zum Finanzforum "Unabhängige Vermögensverwalter" finden Sie hier.

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