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Am Feldberg im Schwarzwald sind die Polizisten mit einem Motorschlitten im Einsatz. Foto: Patrick Seeger

Pistenpräsenz

Ungewöhnlicher Polizeialltag am Feldberg

Ohne Mütze und Handschuhe geht hier oben nichts. Auf dem Feldberg im Schwarzwald steht Deutschlands höchst gelegene Polizeistation. Der Skizirkus fordert die Beamten heraus. Im Einsatz bei Eis und Schnee sind sie mit Schlitten und Ski - und nur selten im Streifenwagen.

Feldberg (dpa) - Die Polizeiwache steht mitten im Skigebiet. Im Notfall rücken die Beamten mit dem Motorschlitten aus. Oder sie fahren auf Ski zum Einsatzort. Die Polizisten arbeiten auf bis zu 1493 Meter Höhe.

Ihr Revier ist der Feldberg im Schwarzwald, die höchste Erhebung des deutschen Mittelgebirges. Die Wache auf dem Feldberg ist damit die höchst gelegene Polizeistation in Deutschland. Sie ist nur im Winter besetzt. Der Alltag reicht von Skiklau über Pistenrowdys bis hin zu Lawinen. Pistenpräsenz statt Großstadtrevier.

"Wer den Winter nicht mag, ist hier falsch", sagt Anton Rebholz und startet die 110 PS seines Einsatzfahrzeuges. Das blau-silberne Schneemobil, ausgestattet mit Blaulicht und Martinshorn, bringt den Polizeibeamten über die Skipiste zu einem Unfallort. Die Bergwacht, die am schneereichen Steilhang einen Verunglückten versorgt, benötigt Unterstützung beim Absperren und Sichern der Unfallstelle. Polizeihauptkommissar Rebholz und seine Kollegen übernehmen.

Das Gebiet rund um den 1493 Meter hohen Feldberggipfel ist das größte und bedeutendste Skigebiet in Baden-Württemberg sowie ein überregional bekanntes Touristenziel. An Spitzentagen drängen sich bis zu 10.000 Wintersportler auf dem Berg, Skifahrer aus dem In- und Ausland kommen. Der Skizirkus läuft, auch wenn unten im Tal bereits frühlingshaftes Wetter Einzug hält. Zum Skifahren liegt am Feldberg genügend Schnee - auch in diesem Winter.

Die Polizei hat sich daher entschieden, mit einer eigenen Wache hier Präsenz zu zeigen. "Wo viele Menschen an einem Ort sind, passiert auch viel", sagt Rebholz: "Und da ist es besser, wenn Polizei direkt vor Ort ist." Die Polizeistation ist jeden Winter geöffnet, in der Regel von Anfang Dezember bis kurz vor Ostern. Solange die Skisaison dauert, sind auch die Polizisten da. Denn der Weg vom nächsten regulären Polizeirevier aus wäre zu weit. Das unterscheidet den Feldberg von anderen großen Skigebieten. Im Sommer herrscht zwar auch viel Betrieb am Feldberg, polizeilich zu tun gibt es aber vergleichsweise wenig, sagt Rebholz, der Leiter des Postens.

"Ein kriminelles Milieu, wie etwa in einer Großstadt, haben wir hier oben nicht", sagt Polizeioberkommissarin Bianca Feldheim (46), die gemeinsam mit Rebholz (58) auf winterlicher Streife ist. Doch zu tun haben die Polizisten in der bergigen Wintersport- und Urlaubsregion genug. So werden Ski und Skizubehör gestohlen, es kommt auf Piste und Straße zu Kollisionen oder anderen Unglücken sowie beim alkoholisierten Après-Ski zu Auseinandersetzungen. Die Polizeipräsenz zeigt Wirkung, zeigt die Statistik: Gab es früher laut Polizei 80 bis 90 Skidiebstähle pro Saison, sind es mittlerweile rund 35.

Zudem sorgen Unfälle und Falschparker regelmäßig für Verkehrschaos auf der Bundesstraße 317, die über den Berg führt und Deutschlands höchst gelegene Bundesstraße ist. Mit dem Auto direkt an die Piste ist keine gute Idee - auch wenn Parkplätze am Feldberg rar sind: 3500 Strafzettel hat die Polizei im vergangenen Winter verteilt, weil Autos im Parkverbot standen oder Rettungswege blockierten. Mehr als 100 Fahrzeuge mussten die Polizisten deshalb abschleppen lassen.

In Eis und Schnee, abseits der Straße, geht es für die Polizei immer mal wieder auch um Leben und Tod. "Die Gefahren werden häufig unterschätzt", sagt Feldheim: "Am Feldberg gibt es jeden Winter 20 bis 30 Lawinenabgänge." In den meisten Fällen wird niemand verschüttet, doch es gab auch schon hier Verletzte und Tote. Und weil das Gebiet groß und unübersichtlich ist, die Hänge steil und die Schluchten tief sind, verunglücken immer wieder Wintersportler oder verirren sich. Suchaktionen müssen regelmäßig organisiert werden.

"Wir haben häufig auch Snowboarder und Skifahrer, oft mit Helmkameras, die abseits der Pisten in abgesperrte Bereiche fahren", sagt Feldheim. Die Wintersportler kollidieren so mit dem Natur- und Tierschutz - und bringen sich und andere in Gefahr. Zumal mancher Wintersportler risikofreudiger geworden ist, wie die Polizisten beobachten. Die Polizei will Gesetzesverstöße verhindern und wirbt um Verständnis. "Generell haben wir es mit einer Klientel zu tun, die zum Freizeitvergnügen hier ist und nicht auf Konflikt aus ist", sagt der Polizeibeamte Winfried Knöpfle. Dies erleichtere die Arbeit.

Neben den zwei bis vier Beamten, die im Winter jeden Tag am Feldberg arbeiten, ist auch Hund Monti im Einsatz. Der zweieinhalb Jahre alte Vierbeiner wird für die Bergwacht im Schwarzwald zum Lawinenhund ausgebildet und darf mit Frauchen Feldheim deshalb mit zum Dienst und auf die Piste. "Die Polizei unterstützt uns", sagt Feldheim, die sich ehrenamtlich in der Bergwacht und der DRK-Rettungshundestaffel engagiert. Von Lawinen Verschüttete könnten sich so jederzeit auch auf die Hilfe der Polizei und auf die Spürnase von Monti verlassen.

Skigebiet Feldberg

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