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Seinen Partner fürs Leben treffen viele im Büro.

Ist Knutschen im Büro okay?

Verliebt in den Kollegen? Fünf Regeln für Turteltauben

Liebe am Arbeitsplatz - kann das gut gehen? Paare, die zusammen arbeiten, haben es nicht immer leicht. Für sie gelten besondere Regeln.

Sie sehen sich morgens am Küchentisch, vormittags dann im Projekt und nachmittags in der Besprechung. Paare, die im selben Unternehmen arbeiten, verbringen überdurchschnittlich viel Zeit miteinander. Am Anfang kann das prickelnd sein. Gelingt es aber nicht, dauerhaft Job und Privates voneinander zu trennen, kann das die Beziehung belasten.

Liebe am Arbeitsplatz hält einige Stolpersteine bereit. Dabei geht es nicht nur um den Umgang miteinander. Tuschelnde Kollegen oder ein missbilligender Chef können ebenfalls zum Problem werden. Und was ist eigentlich, wenn die Beziehung in die Brüche geht?

Studie: Jeder Siebte war schon einmal mit einem Kollegen liiert

Am Anfang spielt das keine Rolle, es hat gefunkt. Dass das häufig passiert, zeigen Studien: Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Onlineplattform Xing zum Beispiel war jeder siebte Arbeitnehmer (14 Prozent) schon einmal mit einem Kollegen liiert.

Verwundern muss das nicht: Schließlich verbringen Menschen einen Großteil des täglichen Lebens auf der Arbeit. Warum soll dort nicht auch die große Liebe warten?

"Man kann den Herzenspartner für sein Leben in der Firma finden", sagt Karriereberaterin Jutta Boenig aus Überlingen am Bodensee. Ganz grundsätzlich lautet ihr Credo aber: Wer es vermeiden kann, lässt lieber die Finger von einer Liaison mit Kollegen.

1. Getuschel vorbeugen

Ist es aber passiert, stellt sich als Erstes die Frage: Wie gehen Paare damit gegenüber Kollegen um? Der Rat von Boenig: Handelt es sich nicht gerade um einen One-Night-Stand oder eine Affäre zwischen Verheirateten, ist ein offener Umgang mit der Beziehung besser. Sonst drohen Getratsche und Getuschel.

Das heißt nicht, dass sie an jeder Ecke ihre Zuneigung zueinander zeigen müssen: Ständiges Knutschen oder Händchenhalten nervt die restliche Belegschaft eher, sagt Boenig. In persönlichen Gesprächen mit den Kollegen kann man die Beziehung aber thematisieren und damit Flurfunk vorbeugen.

Pflicht ist das aber nicht. Ob Paare im Betrieb offen mit ihrer Beziehung umgehen, ist ihre Entscheidung. "Das kann man für sich behalten, weil es Privatsache ist", sagt die Arbeitsrechtlerin Nathalie Oberthür aus Köln.

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2. Vermeiden Sie Interessenskonflikte

Verbieten kann ein Arbeitgeber eine Beziehung nicht. Er kann aber für eine räumliche Trennung sorgen - etwa, wenn er das Gefühl hat, dass das Turteln der Verliebten deren Arbeitsleistung schmälert. "Das eine ist, die Beziehung zu haben. Das andere, sie im Betrieb auszuleben", sagt Oberthür. Und die Firma kann gewissermaßen verbieten, dass die Liebe am Arbeitsplatz stattfindet.

Schwierig wird es, wenn potenzielle Interessenkonflikte ins Spiel kommen. Auszubildende mit Ausbildern oder strategische Einkäufer mit Lieferanten. Davon müsste der Arbeitgeber eigentlich wissen, sagt Oberthür. Wenngleich es keine rechtliche Grundlage dafür gibt, sieht sie in solchen Fällen eine Offenbarungspflicht gegenüber dem Betrieb. "Das ist aber eine arge Grauzone."

Generell können Probleme lauern, wenn Hierarchien im Spiel seien, sagt Karriereberaterin Boenig. Vorgesetzte und Mitarbeiter, Chef und Sekretärin. Und auch wenn einer oder beide verheiratet sind, bekomme eine Liaison etwas Anrüchiges. Wer eng zusammenarbeitet, etwa in derselben Abteilung, sollte das zu entzerren versuchen. Wenn es die Möglichkeit gibt, sollte sich einer der beiden in einen anderen Bereich versetzen lassen, rät die Expertin.

3. Trennen Sie Arbeit und Privatleben

Jutta Boenig beriet einmal ein Paar aus der IT-Branche. Eigentlich sollte es um die nächsten Karriereschritte gehen. Irgendwann ging es aber auch um den Einfluss der Arbeit auf die Beziehung. Also habe man einen Plan erarbeitet, wie diese beiden Lebenspole besser zu trennen sind, sagt die Karriereberaterin. Der Plan umfasste mehrere Punkte.

Die Punkte lauten: Nach 18.00 Uhr abends bis zum Betreten der Firma am nächsten Morgen darf nicht mehr über die Arbeit gesprochen werden. Pausen mit Kollegen und nicht mit dem Partner verbringen. "Das bringt neue Anregungen und Impulse für den Job", sagt Boenig. 

Einmal pro Tag 30 Minuten im Büro Arbeitsthemen besprechen. "Es geht dabei darum, offene Fragen für alle anderen Kollegen sichtbar in der Büroatmosphäre zu besprechen." Das schafft Transparenz gegenüber den anderen, nach dem Motto: Bei der Arbeit geht es bei den beiden um die Arbeit. Eine weitere Regel: Im gemeinsamen Urlaub hat der Beruf nichts verloren. Gespräche darüber sind dann tabu.

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4. Nicht auf gemeinsamen Urlaub bestehen

Stichwort Urlaub: Eine Beziehung unter Kollegen ist noch keine Garantie für einen gemeinsamen Urlaub. Das Unternehmen entscheidet, ob betriebliche Gründe oder der Vorrang anderer Mitarbeiter gegen den Urlaubwunsch sprechen, wie Arbeitsrechtlerin Oberthür sagt. "Das ist nichts, was man mit Rechtsanspruch durchsetzen kann."

5. Nach der Trennung auf Distanz gehen

Und was ist, wenn die Liebe erlischt? Beziehungen enden selten einvernehmlich - nicht nur unter Kollegen. Wer seinen oder seine Ex dann jeden Tag bei der Arbeit sieht, leidet. "Nach einer Trennung braucht es manchmal Distanz, um wieder zu sich zu kommen", sagt Boenig. 

Nicht selten endet mit der Beziehung auch die Karriere im Unternehmen für einen der Ex-Partner. Meist verlieren dabei die Frauen oder die hierarchisch tieferstehenden Angestellten, hat Boenig beobachtet. "Sie lassen sich versetzen oder gehen ganz."

Ein Kündigungsgrund ist das Ende der Beziehung aber nicht. "Das hat man häufig bei Ehegatten-Verhältnissen", berichtet Oberthür aus der Praxis. Wenn also Ehemann oder Ehefrau in der Firma der Gattin oder des Gatten angestellt sind und nach der Scheidung entlassen werden sollen, sei das arbeitsrechtlich oft nur schwer durchzusetzen.

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dpa/tmn/dpa

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