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Mehr Wohngeld: Vielen Mietern und Eigentümern winkt durch die Wohngeldreform eine höhere Unterstützung oder sogar zum ersten Mal ein Leistungsanspruch.

Mehr Wohngeld

Weniger Miete für Hunderttausende

Vielen Rentnern und Arbeitnehmern winkt im kommenden Jahr mehr Wohngeld. Hunderttausende werden diese Leistung zum ersten Mal erhalten. Dafür sorgt die jüngste Wohngeldreform, die Anfang 2016 in Kraft tritt. Insgesamt sollen rund 870 000 Haushalte in Deutschland von den erhöhten Zuwendungen profitieren.

Erstmals nach 2009 wird zum Jahreswechsel 2015/2016 das Wohngeld angepasst. Rund 870 000 Haushalte werden nach den Prognosen der Bundesregierung künftig den staatlichen Zuschuss zu den Mietkosten oder zu Belastungen für ein Eigenheim erhalten. Zudem sollen die Zahlungen der fürs Wohngeld zuständigen kommunalen Wohngeldstellen im Schnitt deutlich steigen. So wird ein Zwei-Personen-Wohngeldhaushalt, der 2013 durchschnittlich 115 Euro monatlich Wohngeld erhielt, nach der Reform 186 Euro monatlich erhalten. Wer davon im Detail profitiert, klärt das folgende Dossier.

Wer Rechtsanspruch auf Wohngeld hat

Das Wohngeld ist ein staatlicher Zuschuss zur monatlichen Miete oder der Belastung für ein selbst bewohntes Eigenheim. Es wird zumeist für ein Jahr bewilligt und kann dann immer wieder erneut beantragt und somit zeitlich unbegrenzt gezahlt werden. Ob und wie viel Wohngeld bezogen werden kann, hängt von drei Faktoren ab: Der Höhe der Miete, der Höhe des Einkommens abzüglich „absetzbarer“ Werbungskosten und der Zahl der Haushaltsmitglieder. Grundlage für die Berechnung des Wohngelds sind die reine Kaltmiete und die „kalten Nebenkosten“. Bei den Nebenkosten werden u.a. Schornsteinfegergebühren, anteilige Grundsteuer, Abwasser- und Müllbeseitigung, Treppenhausbeleuchtung, Wasser usw. berücksichtigt.

Nicht zuschussfähig sind dagegen unter anderem Möblierungs- und Untermietzuschläge. Um Wohngeld zu erhalten, darf das monatliche Gesamteinkommen bestimmte Beträge nicht überschreiten. Zudem fällt der Betrag umso höher aus, je niedriger das anrechenbare Einkommen ist. Die Ämter interessiert, wie hoch das durchschnittliche Monatseinkommen ist (bei Erwerbstätigen: einschließlich des anteiligen 13. Monatsgehalts und des Urlaubsgelds).

Beispielrechnungen zur Wohngeldreform

Rentner: Hans S. aus Köln lebt allein in einer Zweizimmerwohnung, für die er 500 Euro Kaltmiete im Monat zahlt. Als Rente erhält er 1030 Euro brutto. Ab Januar 2016 stehen ihm monatlich 66 Euro Wohngeld zu. Bislang ging er leer aus.

Arbeitnehmer: Ernst M. verdient als Einzelhandelskaufmann in Berlin monatlich 2700 Euro brutto. Dazu bekommt er für seine drei Töchter Kindergeld. Dieses wird jedoch beim Wohngeld-Antrag nicht berücksichtigt. Seine Ehefrau ist nicht erwerbstätig. Bei einer Kaltmiete von 750 Euro steht der fünfköpfigen Berliner Familie bis jetzt 106 Euro Wohngeld pro Monat zu. Ab 2016 sind es 270 Euro – ein Plus von 164 Euro.

Ein Antrag auf Wohngeld kann sich für Familien mit drei Kindern bis zu einem Einkommen von 3590 Euro brutto lohnen. Bei zwei Kindern lohnt es sich unter Umständen bis zu einem Bruttoeinkommen von 3170 Euro. Diese Werte gelten für Regionen mit sehr hohen Mieten – etwa für München oder Stuttgart. In ländlichen Regionen sind die Grenzen niedriger.

Werbungskosten spielen eine Rolle

Wer (etwa wegen eines weiten Wegs zur Arbeit) hohe Werbungskosten hat, für den kann sich der Wohngeldantrag auch noch bei höheren Einkommen auszahlen. Wichtig: Auch steuerlich anerkannte Kinderbetreuungskosten (etwa Kindergartengebühren) mindern das beim Wohngeld anrechenbare Einkommen.

Niedrige Hürden für die Beantragung

Die Ämter prüfen nicht, ob etwa ein Auto oder die Größe und Ausstattung der Wohnung eines Antragstellers angemessen sind. Auch nach Ersparnissen und Vermögen wird in den – regional unterschiedlichen – Wohngeldanträgen in der Regel nicht gefragt. Ebenso muss niemand seine Ersparnisse oder Rücklagen fürs Alter offenlegen. Ein Anspruch auf Wohngeld besteht jedoch nicht, „soweit die Inanspruchnahme missbräuchlich wäre, insbesondere wegen erheblichen Vermögens“. Erhebliches Vermögen ist nach den Verwaltungsrichtlinien vorhanden, wenn die Summe des verwertbaren Vermögens 60 000 Euro für das erste zu berücksichtigende Haushaltsmitglied und 30 000 für jedes weitere Mitglied übersteigt.

Fristen für die Antragstellung

Wer im Januar erstmals Wohngeld erhalten will, muss die Leistung bis Ende Januar 2016 beantragen. Wer die Leistung bisher schon bekommt, kann im Januar automatisch mit einer Erhöhung rechnen. Einen neuen Antrag muss er nicht stellen, solange der bisherige Bewilligungszeitraum noch nicht abgelaufen ist.

Hier können Sie sich Ihren Wohngeldanspruch ausrechnen.

von Rolf Winkel

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