+
In Bayern ist der Verzehr von Fisch, in dem es langkettige Omega3-Fettsäuren gibt, eher niedrig.

Experten-Interview

Das sollten Schulkinder essen

München - Professor Berthold Koletzko skizziert im Interview seine Thesen über die Ernährung von Schulkindern:

„Fit durch Bewegung und gesunde Ernährung“. Das sagt sich leicht...

Und ist auch richtig. Kinder, die körperlich aktiv sind und sich ausgewogen ernähren, sind auch im Kopf fitter. Da gibt es viele Studien. Zwei Aspekte gibt es. Der Kurzfristige: Bei Kindern, die morgens nicht frühstücken, lässt die Leistungsfähigkeit im Laufe des Vormittags früher nach, weil weniger Blutzucker für den Hirnstoffwechsel verfügbar ist. Dagegen schnell ein paar Bonbons zu kauen oder eine Cola zu trinken, nützt wenig, weil das gleichsam nur eine Stichflamme erzeugt. Ein Kind braucht eine gleichmäßige Blutzuckerkurve.

Und langfristig?

Langfristig ist besonders die Qualität der Versorgung mit Mikronährstoffen wichtig für den Hirnstoffwechsel. Bedeutsam sind die Versorgung mit Spurenelementen wie Eisen und mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren, welche die Hirnfunktion beeinflussen können.

Eine Dauerfrage in vielen Familien ist, was das Kind trinken soll.

Eine gute Flüssigkeitsversorgung fördert die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Zuckerhaltige Getränke wie Limo, Cola oder Saft sind aber nicht empfehlenswert. Wasser ist das Beste. Je nach Alter sollten Kinder täglich ein bis eineinhalb Liter Wasser trinken.

Schokonusscreme am Morgen: In Ordnung oder nicht?

Das kann man schon mal gelegentlich essen, aber öfter sollte es ein Brot mit Marmelade oder Käse oder ein Müsli mit Obst und Joghurt geben.

Käsebrot zum Frühstück bei Kindern – ist das realistisch?

Alles eine Frage der Gewohnheit. Kinder essen meist gern, was regelmäßig auf dem Tisch steht und was auch die Eltern gern essen.

Und Traubenzucker in der Schule?

Macht keinen Sinn. Erzeugt nur eine Stichflamme. Auch in einer Klausur muss man sich länger als nur zehn Minuten konzentrieren.

Was können Eltern leicht falsch machen?

Bildungsmesse:

Am 1. & 2. Februar kommen die Schultage München ins MTC (Ingolstädter Straße 45).

Die Hoffnung, dass man etwa mit Supplementkapseln die Schulnote verbessern kann, ist trügerisch. Nahrungsergänzungsmittel sind eventuell sinnvoll, wenn Kinder und Jugendliche sich sehr einseitig ernähren. Bei jungen Mädchen, die sich für eine vegetarische Ernährung entscheiden, sehen wir das öfter. Da können Präparate mit Omega3-Fettsäuren, Zink und Eisen sinnvoll sein. Hier sollte der Rat des Kinder- und Jugendarztes eingeholt werden.

Ihre Forschungen konzentrieren sich auf Omega3-Fettsäuren. Warum?

Wir wissen, dass diese Fettsäuren sehr stark im Gehirn eingebaut werden, schon während der Schwangerschaft, aber auch im frühen Kindesalter. Der Omega3-Gehalt im Nervensystem hat eine Auswirkung auf die funktionelle Leistung. Wir möchten jetzt untersuchen, ob es günstige Auswirkungen auch im Kleinkindalter gibt und starten eine Studie unter Münchner Kindergartenkindern.

Wie gehen Sie vor?

In Bayern ist der Verzehr von Fisch, in dem es langkettige Omega3-Fettsäuren gibt, ja eher niedrig. Kinder essen am ehesten noch weißen Fisch – denken Sie an Schlemmerfilets und Fischstäbchen. Aber dieser Fisch hat wenig Omega3-Fettsäure im Vergleich zu fettreichen Fischsorten wie Lachs, Hering oder Makrele. Wir fragen, ob es für Kinder einen Vorteil hat, wenn sie speziell diese Fischarten essen.

Wie bringen Sie Kinder dazu, Fisch zu essen?

Wir haben einige Anstrengungen unternommen, um Hering und Makrele kindgerecht zu machen. Wir haben Fischburger und Fisch-Bolognesesaucen kreiert und in einer Tauglichkeitsstudie ausprobiert. Ein Fischgericht süß-sauer kam gar nicht an – das warfen wir wieder raus. Jetzt wollen wir 200 Kindern im Raum München über drei Monate lang Fisch geben, drei Mal die Woche – die ganze Familie bekommt das kostenlos nach Hause geliefert.

Und dann?

Dann schauen wir, ob sich durch die Fischgabe an der Konzentrationsfähigkeit und dem Verhalten etwas geändert hat. Ich bin gespannt.

Interview: Dirk Walter

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Das sind die drei größten Fehler von Personalern
Personaler beschweren sich oft über ihre Bewerber - dabei sind sie selbst nicht fehlerfrei. Welche Unarten HR-Mitarbeiter ablegen sollten, um besser zu werden.
Das sind die drei größten Fehler von Personalern
Diebstahl im Büro: Das blüht Ihnen, wenn Sie Dinge mitnehmen
Briefumschläge und Kugelschreiber aus dem Büro könnten Sie Zuhause gut gebrauchen? Vorsicht: Auch bei solchen "Kavaliersdelikten" droht Ihnen mächtiger Ärger.
Diebstahl im Büro: Das blüht Ihnen, wenn Sie Dinge mitnehmen
Überraschend: Das dürfen Sie tun trotz Krankschreibung
Spazieren oder lieber daheim Tee trinken? Wenn Arbeitnehmer krank sind, glauben viele, nicht mehr hinausgehen zu dürfen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.
Überraschend: Das dürfen Sie tun trotz Krankschreibung
Urlaub ist auch in der Probezeit erlaubt
In der Probezeit dürfen sich Arbeitnehmer keine Fehler erlauben. Deswegen nehmen sie in dieser Periode meistens keinen Urlaub. Doch verboten ist das nicht. Es gibt …
Urlaub ist auch in der Probezeit erlaubt

Kommentare