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Der Erzieher Dirk Ohst liest Kindern in einem Kindergarten ein Buch vor.

Männliche Bezugspersonen

Wickeln, kuscheln, trösten: Erzieher als Rollenvorbild

Sie füttern, kochen und raufen so gut wie Frauen - dennoch liegt der Anteil der männlichen Erzieher in Bayern nur bei rund drei Prozent. Klischees und geringe Bezahlung gehören weiterhin zum Berufsalltag. Dabei täten mehr männliche Bezugspersonen den Kindern gut.

München - Eifrig trippeln die Kinder durch die Kissenlandschaft. Es ist Dienstagnachmittag, Vorlesezeit in der Kindertagesstätte "Isar Rasselbande" in München. Heute geht es um das Abenteuer eines Bären, der mit seinen tierischen Freunden einen Berg besteigt.

"Und was macht der Bär?", fragt Erzieher Dirk Ohst die gespannt wartenden Kinder. "Stampf, stampf, stampf", antworten sie und ahmen den Gang des Bären nach. Seit 18 Jahren arbeitet Dirk Ohst als Erzieher - und steht mit seiner Berufswahl noch immer ziemlich alleine da. Nach Angaben der Koordinationsstelle "Männer in Kitas" standen im Jahr 2014 bundesweit rund 22 000 männlichen Erziehern mehr als 477 300 Erzieherinnen gegenüber. Überdurchschnittlich viele männliche Pädagogen finden sich meist in Ostdeutschland sowie in Großstädten. Das ländlich geprägte Bayern gehört mit 1800 Erziehern auf rund 71 000 Erzieherinnen zu den Schlusslichtern der Studie.

Ein zentraler Grund hierfür sei die niedrige soziale Anerkennung, die männliche Erzieher erführen, erklärt Anna Buschmeyer vom Deutschen Jugendinstitut (DJI): "Der Beruf passt nicht in die Klischeevorstellung von Männlichkeit." Auch fehle es an Vorbildern, die junge Männer zum Erzieherberuf ermutigten. Ein Teufelskreis, der auch Dirk Ohst frustriert. "Ich glaube, es ist noch nicht klargeworden, dass es ein ernsthafter Beruf ist", sagt er.

Auch der Vorwurf, pädophil zu sein, begegnet vielen Erziehern in ihrer beruflichen Laufbahn. "Es ist natürlich ein Generalverdacht, der auf die allermeisten Männer nicht zutrifft", betont Buschmeyer. Die Debatte beeinträchtige Erzieher oft mehr als der tatsächliche Vorwurf. Die einzigen Gegenmittel seien Offenheit und Transparenz, sagt Dirk Ohst, der das Thema selbst nur aus der Presse kennt. Buschmeyer findet es dennoch "erschreckend", dass das Thema oft erst diskutiert werde, wenn ein männlicher Erzieher in die Kita komme: "Dabei kann man ja über Wickeln und Intimität auch mal reden, wenn das nur Frauen machen."

Die langsame Veränderung in der Zahl der männlichen Erzieher könnte auch an weit verbreiteten Klischees liegen. Die meisten Eltern etwa scheinen sich vor allem über eine männliche Bezugsperson in der Kita zu freuen, weil sie glauben, ihr Sohn habe dann endlich jemanden zum Raufen oder Fußball spielen. Das sei äußerst problematisch, sagt Buschmeyer: "Ich finde es gut, wenn die Kinder sehen: Männer können wickeln, kuscheln, trösten, vorlesen." Wichtig sei eine bunte Mischung von Persönlichkeiten und Lebensstilen, und dazu gehörten unter anderem auch Männer.

Damit diese sich in Zukunft verstärkt für den Erzieherberuf entscheiden, fordern Experten eine bessere Bezahlung. "Auch Frauen verdienen in dem Job viel zu wenig", sagt Buschmeyer. Der Bundesagentur für Arbeit zufolge liegt das Gehalt für ausgebildete Erzieher zwischen 2400 und 3400 Euro brutto, wobei viele von ihnen oft ungewollt in Teilzeit arbeiten. Zudem haben sich Quereinstiegsprogramme bewährt, die berufstätigen Männern die Aus- und Weiterbildung zum Erzieher ermöglichen. Auch Dirk Ohst kam einst als Quereinsteiger zum Erzieherberuf - er hatte Kunstgeschichte studiert.

dpa

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