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Die Pflegeberufe könnten interessanter werden, wenn die Pflegekräfte in Zukunft mehr Kompetenzen erhalten.

Entspannung für schwierige Situation

Wie kann Pflege attraktiver sein?

München - Die Situation ist mehr als angespannt: Derzeit fehlen deutschlandweit rund 30.000 Fachkräfte in der Pflege.

Der demografische Wandel könnte dazu führen, dass das Land 2030 mit 200.000 fehlenden Kräften zu kämpfen hat. Nach einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags haben in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Pflegediensten schon jetzt 55 Prozent der Unternehmen über Monate Probleme, Stellen zu besetzen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat deshalb eine deutliche Lockerung der Zuwanderungsregeln für ausländische Pflegekräfte gefordert. Die Bundesagentur für Arbeit ist dabei, Pflegefachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Dazu gibt es Vermittlungsabsprachen mit den Herkunftsländern, darunter mit Bosnien- Herzegowina, Kroatien, Serbien und den Philippinen. In Vietnam läuft ein Pilotprojekt des Bundeswirtschaftsministeriums. Rund 100 junge Vietnamesen erhalten darüber eine Altenpflegeausbildung in Deutschland. Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, dass Pflegekräfte aus Osteuropa den Bedarf decken könnten. Trotz EU-Freizügigkeit sind nur wenige aus Polen, Tschechien, der Slowakei oder Ungarn gekommen.

Eine Reform der Pflegeausbildung ist auch bereits im Koalitionsvertrag verankert. Ziel ist es, die Pflegeberufe attraktiver zu machen. Eine Bund-Länder- Arbeitsgemeinschaft hat 2012 „Eckpunkte“ dazu vorgelegt: Ziel ist die Zusammenführung der Ausbildungen in der Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege sowie Gesundheitsund Kinderkrankenpflege. So sollen Pflegeschüler künftig eine gemeinsame generalistisch ausgerichtete Ausbildung durchlaufen.

Attraktiver könnte ein Pflegeberuf auch dadurch werden, dass Pflegekräfte mehr Kompetenzen erhalten. Diskutiert werden mehr Aufgaben bei der Erfassung der Krankengeschichte, bei Ultraschalluntersuchungen von Organen, Wund- und Schmerzbehandlung oder der Beratung von chronisch Kranken. Das könnte die Ärzte entlasten.

Angepeilt wird zudem eine Aufwertung von Pflegeassistenzkräften, die hauptsächlich grundpflegerische Leistungen durchführen und bislang von examinierten Pflegekräften begleitet werden müssen. Nach einer Initiative des Landes Niedersachsen sollen sie besser ausgebildet werden und selbstständiger arbeiten dürfen, etwa bei der Medikamentengabe, Blutzuckerkontrollen, Verbandswechsel und Einreibungen.

Kontrovers diskutiert werden Pläne der EU-Kommission, die Zugangsvoraussetzungen für die Pflegeausbildung von zehn auf zwölf Schuljahre anzuheben, ohne den Schulabschluss verbindlich festzuschreiben. Eine Akademisierung der Pflege soll auf gestiegene Anforderungen in der alternden Gesellschaft antworten und zugleich neue Aufstiegschancen für Pflegekräfte schaffen. Die Bundesregierung will dagegen weiterhin Bewerber mit einer zehnjährigen Schulbildung für die Pflegeausbildung zulassen und sich dafür einsetzen, dass das auch in Europa anerkannt bleibt. Erst 2009 hatte die Regierung die Kranken- und Altenpflegeausbildung auch für Hauptschüler geöffnet.

„Altenpfleger haben einen härteren Job als ich“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kürzlich in einem Interview. SPD und Deutscher Gewerkschaftsbund sprachen sich für erhebliche Lohnsteigerungen in sozialen Berufen aus. In mehreren Bundesländern gibt es Initiativen, zur Selbstverwaltung der Pflegeberufe Pflegekammern zu gründen. Sie sollen die Belange der Berufsgruppe regeln, die Qualität der Arbeit sichern, für Weiterbildung sowie die Einhaltung ethischmoralischer Grundsätze sorgen und die politische Vertretung übernehmen.

Christoph Arens

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