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Stress pur: Immer mehr Arbeit muss immer schneller erledigt werden.

Umfrage des Gewerkschaftsbundes belegt

Digitale Stress-Fabrik: So geraten wir bei Arbeit unter Druck

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München - Der Druck auf die Arbeitnehmer steigt stetig. Das belegt nun auch eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Wir präsentieren die wichtigsten Ergebnisse.

Computer, vernetzte Arbeitsplätze, Arbeit von zu Hause aus. Man könnte meinen, die Digitalisierung der Arbeitswelt macht den Beschäftigten das Leben leichter. Doch das Gegenteil ist der Fall. 60 Prozent der Beschäftigten, die mit digitalen Medien arbeiten, berichten, dass sie sich sehr häufig oder oft gehetzt fühlen oder unter Zeitdruck stehen. Die Dichte der Arbeit nimmt stetig zu, von Arbeitnehmern wird erwartet, dass sie auch zu Hause stets erreichbar sind. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes unter 9601 Arbeitnehmern. Hier die Ergebnisse:

Arbeitsbelastung: Insgesamt 60 Prozent aller Befragten arbeiten im hohen oder sehr hohen Maße (jeweils 30 Prozent) mit digitalen Medien. 46 Prozent von ihnen erklären, dass die Arbeitsbelastung zugenommen hat, nur neun Prozent berichten das Gegenteil. 54 Prozent berichten von einer gewachsenen Arbeitsmenge. 60 Prozent der von Digitalisierung betroffenen Arbeitnehmer klagen über Zeitdruck. Bei denen, die nicht digital arbeiten, sind es nur 51 Prozent.

Arbeitsfluss: 65 Prozent der digital arbeitenden Menschen müssen verstärkt gleichzeitig mehrere Arbeitsschritte durchführen. 61 Prozent haben ein erhöhtes Arbeitspensum zu bewältigen. 49 Prozent fühlen sich sehr häufig oder oft der digitalen Technik ausgeliefert. Von ständigen Unterbrechungen und Störungen berichten 69 Prozent der digital Arbeitenden. Bei den anderen sind es nur 36 Prozent.

Arbeitsintensivierung: 81 Prozent der digital Arbeitenden müssen sehr häufig oder oft gehetzt arbeiten, 73 Prozent von ihnen ein höheres Arbeitspensum bewältigen. 57 Prozent von ihnen werden bei der Arbeit vermehrt überwacht.

Arbeitszeiten: Paradoxerweise steigt die Arbeitsbelastung mit der Arbeitszeit. 53 Prozent derer, die 35 bis 40 Stunden digital arbeiten, klagen über häufige oder sehr häufige Hetze in der Arbeit. Bei denen, die 40 bis 45 Stunden arbeiten, sind es 64 Prozent. Wer noch mehr arbeitet, bei dem liegt das Hetze-Risiko bei 76 Prozent! Die Überstundenquote liegt bei in sehr hohem Maße digital Arbeitenden bei 69 Prozent, bei gar nicht digital Arbeitenden nur bei 47 Prozent!

Ständige Erreichbarkeit: 75 Prozent derjenigen, von denen sehr häufig oder oft erwartet wird, dass sie auch von zu Hause arbeiten, fühlen sich bei der Arbeit gehetzt - gegenüber 54 Prozent derjenigen, von denen eine ständige Erreichbarkeit gar nicht oder nur selten verlangt wird. 38 Prozent derer, die auch von zu Hause arbeiten, berichten davon, sehr häufig oder oft unbezahlt zu arbeiten. Bei allen Arbeitnehmern beträgt dieser Anteil nur 16 Prozent.

Mitsprache: Nur 26 Prozent der hochgradig digital Arbeitenden können Einfluss auf die Art und Weise des Einsatzes der digitalen Technik an ihrem Arbeitsplatz nehmen, davon nur sieben Prozent in sehr hohem Maße, 19 in hohem Maße.

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach warnt vor den negativen Folgen neuer Technologien in der Arbeit für die psychische Gesundheit: „Es läuft etwas schief mit der Digitalisierung, wenn Beschäftigte sie nicht als Entlastung, sondern als Intensivierung ihrer Arbeit erleben.“ Schlecht organisierte Arbeit sei ein „entscheidender Stressfaktor“. IG Metall-Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban kritisiert: „Die Digitalisierung kann einen Beitrag leisten zur Humanisierung der Arbeit, tatsächlich hält sie aber vielfach nur als Rationalisierung von oben Einzug in die Betriebe.“ Buntenbach hat als Lösung aus dem Dilemma folgenden Ratschlag: „Wenn die Beschäftigten Einfluss auf die von ihnen bewältigte Arbeitsmenge nehmen können, treten Arbeitshetze & Co. seltener auf.“

Drei Tipps gegen Bürohetze

Pausen gestalten: Man sollte sich vom Arbeitsplatz wegbewegen - einmal um den Block gehen oder sich in einen Park setzen und sich nicht mit dem Smartphone beschäftigen. Die Pause soll ein gesunder Ausgleich zur Arbeit sein.

Feierabend machen: Wer das Diensthandy mit ins Bett nimmt und vor dem Schlafengehen seine Mails checkt, tut sich keinen Gefallen. Funktionen wie Arbeitsmails sollten ausgeschaltet sein. Das Blaulicht bei Smartphone oder Tablet lässt sich oft reduzieren, das hilft beim Einschlafen.

Der Mensch im Mittelpunkt: Nicht die Maschine darf die Taktung vorgeben, sie muss den Menschen unterstützen. Der Arbeitgeber muss den Beschäftigten einbeziehen. Schichtsysteme müssen kritisch hinterfragt und angepasst werden. Arbeitnehmer sollten Bedenken rechtzeitig ansprechen.

J. Welte

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