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Johanna Schaufler unterrichtet seit Anfang des Jahres minderjährige Flüchtlinge in Landsberg.

Flüchtlinge in Bayern

Ziel: "So viel Bildung wie möglich vermitteln"

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in Bayern steigt. Das SOS-Kinderdorf hat in Landsberg eine neue Jugendwohngruppe eröffnet, zwei Lehrerinnen unterrichten seit Anfang des Jahres 20 Jugendliche, eine davon ist Johanna Schaufler. Im Interview berichtet die 26-Jährige über ihre Arbeit.

Warum haben Sie sich dazu entschieden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu unterrichten?

Ich habe Gymnasiallehramt mit den Fächern Englisch und Theologie studiert, aber schon während des Studiums festgestellt, dass mir die Arbeit am Gymnasium zu festgefahren ist. Ich habe bei einem anderen Träger Erfahrungen mit der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gemacht, bevor sich diese Stelle ergeben hat.

Wie sieht Ihre Arbeit aus?

Eine Kollegin und ich unterrichten die Jugendlichen in zwei Gruppen, sie sind zwischen 16 und 18 Jahre alt und kommen aus den unterschiedlichsten Ländern, Syrien, Afghanistan, Mali. Die meisten leben seit sieben, acht Monaten in Deutschland. Im Unterricht ist auch ein Betreuer dabei. Meine Gruppe mit zwölf Schülern, denen ich Mathe und Deutsch beibringe, ist relativ gemischt. Manche sprechen fünf Sprachen fließend. Andere haben noch Probleme mit der Alphabetisierung, mit denen übe ich zusätzlich am Nachmittag. Für den Unterricht hat uns die Schlossbergschule in Landsberg zwei Zimmer zur Verfügung gestellt. Die Schule unterstützt unsere Arbeit sehr, etwa, wenn wir einen unserer Schüler in eine Regelklasse schicken möchten.

Wie läuft der Unterricht ab?

Das Tempo ist deutlich langsamer, für eine Lektion brauche ich zwei bis drei Wochen. Zwischendurch lasse ich kleine Tests schreiben, um zu sehen, ob meine Schüler den Stoff verstanden haben. Das primäre Ziel ist es, die Sprache und so viel Bildung wie möglich zu vermitteln.

Welche Unterschiede gibt es noch zur Arbeit an Regelschulen?

Ich bin kein Lehrer im herkömmlichen Sinne. Ich gehe nicht um 13 Uhr nach Hause, sondern meistens erst abends. Der Kontakt zu den Jugendlichen ist enger, was sehr schön ist. Ich weiß über einzelne Schicksale Bescheid, tausche mich mit den Betreuern aus und bin bei Treffen dabei. #

Wie motiviert sind Ihre Schüler? 

Sie sind alle motiviert. Wie überall gibt es gute und schlechte Tage, aber generell ist die Stimmung im Unterricht gut. Die Jugendlichen sind vor allem sehr höflich und respektvoll, sie geben mir die Hand und fragen mich, wie es mir geht - das habe ich bei deutschen Schülern noch nie erlebt.

Welche Schwierigkeiten gibt es? 

Als Frau und mit dem geringen Altersunterschied zu den Schülern musste ich mich durchsetzen und ihnen begreiflich machen, dass ich kein Kumpel bin. Grundsätzlich ist es oft schwierig, den Jugendlichen verständlich zu machen, dass in Deutschland jeder Beruf ein gewisses Bildungsniveau verlangt. Viele wollen schnell arbeiten und Geld verdienen, aber auch wer eine Friseurlehre anstrebt, muss gut in Mathe sein und erst einmal seinen Schulabschluss machen.

Was ist der Reiz an dieser Arbeit – außer dem, anderen Menschen zu helfen?

Die Arbeit ist spannend und herausfordernd. Man lernt unglaublich viele Menschen aus den unterschiedlichsten Nationen kennen und erfährt deren Geschichten, das ist bereichernd. Vom Thema Gymnasiallehramt habe ich mich verabschiedet, ich möchte weiter Flüchtlinge unterrichten.

Interview: Teresa Pancritius

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