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Herbert Lipah ist Sammler originaler Lederhosen. „Ich leg die Hosen stets auf den Boden vor mich und denke mich rein: wer hat sie getragen, wie war der Mensch, was hat er erlebt?“

Die Lederhose - der Charme kommt mit dem Alter

120 Jahre hat sie hinter sich, die schwarze Kutscherhose. Getrocknete Leimstreifen am Knie, im Schritt ein Stück graugestreifter Anzugstoff, der fehlende Lederflicken, der eigentlich darübergehört, findet sich in der Hosentasche.

Das Futter ein Sammelsurium aus Leinen verschiedenster Art. „Da hat jemand alles getan, um nur ja seine Hose einigermaßen zu erhalten. Oder er hatte kein Geld für eine neue.“

Begeistert untersucht Herbert Lipah seine Errungenschaft, denn er ist Sammler originaler Lederhosen. „Ich leg die Hosen stets auf den Boden vor mich und denke mich rein: wer hat sie getragen, wie war der Mensch, was hat er erlebt?“ Die Kutscherhose wird bleiben wie sie ist. Für die meisten nur ein altes Stück, das zum Wegwerfen taugt, für Herbert Lipah ein Schatz. Vor allem, wenn er entdeckt, dass alte Hosen mit Lederteilen anderer, noch viel älterer Hosen repariert wurden.

Lederhosen, das ist Kulturgut, greifbare Geschichte.

Finden tut sich auch oft etwas in den Lederhosen, die meist Jahrzehnte in Kellern oder auf Speichern verbracht haben, bevor er ihrer sichtbar und habhaft wird. „Mal ein alter 20-DM-Schein. Ein Gebiss war auch schon drin. Oder auch vorne im Latz verborgene Taschen, in denen Telefonnummern steckten.“ Von ehemaligen Wiesn-Bekanntschaften? Herbert grinst. „Manche Nummer habe ich angerufen, von der Hose und ihrer Herkunft erzählt und einer Dame auch ein entzücktes wie verlegenes ‚Oje, das ist ja über 40 Jahre her' entlockt.“

Lederhosen, das ist Kulturgut, greifbare Geschichte. „Ich müsste die Lederhosen-Rettungsmedaille bekommen“, meint Herbert. Was er nicht selber behält, verkauft er. „Lederhosenwahnsinn“ heißt sein Geschäft. 2.500 Exemplare hängen in Reih und Glied, vom Boden bis zur Decke. Schön sortiert, nach Art und Größe. Kurze, knielange, lange, schmale und ganz große. Eine schneeweiße Postmeisterhose hat er, Dachauer Hosen. Bestickte Riemen und Ledergeschirr. Die Knöpfe sind aus Horn, Knochen, Steinnuss. Manchmal auch gar keine Knöpfe, sondern rostige Haken und Ösen, verblasste Stickereien, Fettflecken und… „Moment, jetzt nix Falsches sagen. Die Geschichten von den verbieselten Hosen kann ich nicht mehr hören. Wir reinigen alle Lederhosen. Also selbst wenn da vor 100 Jahren mal was gewesen wäre – heut ist nichts mehr davon übrig.“

Altehrwürdig sind sie, trotz oder besser gesagt wegen ihrer unkonventionellen Optik. Und sie wecken in ihrer Einmaligkeit Kauflust bei den Kunden. „Zu mir kommt, wer keine Einheitsware will und wer weiß, dass eine original Lederhose im Grunde unbezahlbar ist.“ Sogar aus Vancouver reisen sie an, jedes Jahr zur Wiesn, weil sie einem Lederhosen-Verein angehören, den dort ein Münchner gegründet hat. Die Promis kaufen ein und die hübschen Mädchen, die sich wieder des Sex-Appeals besinnen, wenn schlanke Beine in kurzen Lederhosen stecken. Leidenschaftliche Lederhosen-Freunde kommen, auch mal ein Schnösel, der bei Herbert schnell den richtigen Benimm bekommt, ja selbst Preußen dürfen rein. „Bei mir ist jeder willkommen, sofern er sich der Tradition dieser Hosen ein wenig bewusst ist.“ Die Filmcrew von „Dahoam is dahoam“ holt regelmäßig die Utensilien für den Dreh, ja und Hollywood, Hollywood war auch schon da.

Wenn Sie dem Lederhosenwahnsinn begegnen möchten – Herbert Lipah finden Sie in der Franz-Marc-Straße 10, Mo-Fr 15-20 Uhr und am Sa 10-18 Uhr.

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