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In Garching werden Sträuße für Muttertag gebunden.

Miflora in Garching

Zu Muttertag: Ein Besuch beim Blumenversand

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München - Am Sonntag ist Muttertag. Auf der Geschenke-Hitliste liegen Blumen unbestritten auf Platz eins. Für ein junges Unternehmen, das im vergangenen Jahr noch in einer Garage in Giesing Blumen für den Muttertag gebunden hat, ist gerade die stressigste Zeit des Jahres. 80 Floristen verarbeiten 350 000 Blumen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Florist hätte man am wenigsten vermutet. Eher Schreiner. Erko Feigl, grün-weiß-schwarz kariertes Hemd, groß gewachsen, kleiner Bart rund um den verschmitzt lächelnden Mund, steht an einem Tisch. Vor ihm liegen bündelweise verschiedene Blumen, unter seinen Füßen pfundweise abgeschnittene grüne Stile. Der 45-Jährige aus Anzing ist einer von rund 80 Mitarbeitern, die in einer Halle in Garching (Landkreis München) im Muttertagsstress stecken. Von Mittwoch bis Samstag müssen 350 000 einzelne Blumen für Deutschlands Mütter zu Sträußen verarbeitet werden.

In sechs Reihen mit jeweils vier Leuten binden ausgebildete und kurzfristig angelernte Mitarbeiter bei kühlen 18 Grad Blumen zu Sträußen. Sie arbeiten für Miflora, ein junges Unternehmen mit Sitz in München, das seit Oktober 2012 im Internet Blumensträuße anbietet. „Letztes Jahr waren wir total überwältigt, wie viel kurz vor Muttertag bestellt worden ist“, erzählt Tobias Mazet, einer der drei Unternehmensgründer und Geschäftsführer bei Miflora. Kurzfristig mussten sie eine Garage in Giesing anmieten, in der schnell ein paar Bierbänke aufgestellt wurden. „Bis 2 Uhr in der Früh haben wir Blumen gebunden, um alle Bestellungen für Muttertag fertig zu bekommen“, erinnert sich Mazet.

Heuer war das Unternehmen besser vorbereitet: Von Giesing ging es nach Garching. Eine riesige Halle wurde 2013 angemietet, in der die immensen Blumenmengen schnell verarbeitet werden können. Während des Jahres ist in der ungefähr 1400 Quadratmeter großen Halle, zu der eine ebenso große Fläche für die Lagerung der Kartons zum Verschicken sowie eine rund 300 Quadratmeter große Kühlung kommen, weit weniger los: Zehn bis zwölf Floristen binden normalerweise Blumen für Miflora. In der Woche vor Muttertag wird das 50-fache vom Rest des Jahres versendet.

Den Erfolg des Unternehmens, das heuer bereits 15 Mal mehr als vergangenes Jahr vor Muttertag produziert, erklärt sich Tobias Mazet so: „Wir wollen hochwertige Blüten verkaufen und kein Beiwerk. Oft bekommen Kunden in Geschäften viel Grünzeug, bei uns nicht.“ Ein weiteres Argument: „Für das Design unserer Sträuße ist Nadine Weckardt verantwortlich. Sie ist die einzige deutsche Europameisterin der Floristen und damit absolute Expertin.“

Dass es gleich so gut läuft, hat allerdings auch die Unternehmensgründer überrascht. Deshalb denken sie bereits darüber nach, ihre Blumen auch in einem schönen Ambiente, beispielsweise in Geschenkeläden in München, und nicht mehr nur im Internet zu verkaufen.

Erko Feigl

Im Moment konzentrieren sich alle bei Miflora allerdings auf den 11. Mai. Muttertag ist deutschlandweit der Höhepunkt im Jahr für das Blumengeschäft. „Es ist kein Wunder, dass Blumen das Muttertagsgeschenk Nummer eins sind“, sagt Barbara Storb, Geschäftsführerin des Fachverbandes Deutscher Floristen in Bayern. „Sie sind positiv belegt und machen nicht dick.“ Zwischen 100 und 120 Millionen Euro geben Verbraucher nach Angaben der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) in der Woche vor Muttertag deutschlandweit für Schnittblumen aus, dazu kommen zwischen 45 und 55 Millionen Euro für Zimmerpflanzen. Im gesamten Jahr kaufen Deutsche Schnittblumen für fast drei Milliarden Euro. Das sind rund 37 Euro pro Person.

Erko Feigl sieht Blumen nicht nur als Geschäft. Seit 27 Jahren hat der 45-Jährige aus Anzing mit bunten Blüten zu tun. Auslöser für seinen Berufswunsch war die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) in München. Für den siebenfachen Vater sind Blumen immer Emotionen. „Egal ob beim ersten Date, bei Hochzeiten, bei Geburten, bei Beerdigungen oder eben am Muttertag – wo Blumen sind, sind Emotionen.“ Aus Liebe zu seinem Beruf hat er sich auf den kompletten Unterarm Efeu tätowieren lassen. Efeu findet er männlich.

Besonders männlich sieht der Strauß, den Erko Feigl gerade zwischen zwei Fingern zu binden beginnt, nicht gerade aus. Rosa dominiert vor ihm auf dem Tisch und in seiner Hand. Neben den Blumen liegt ein Zettel mit einer Anleitung, wie viele Blumen von welcher Sorte in dem Strauß am Ende stecken sollen. 15 verschiedene bietet Miflora zum Muttertag an. „Sophia“ wird Erko Feigls Strauß am Ende heißen. „Sophia“, ein komplexer Strauß, besteht aus vier verzweigten rosa Rosen, drei grellen, grünen Nelken, drei Bouvardien, drei grünen Bartnelken, sechs Kamilleblumen und zwei bis vier Zweigen Schleierkraut. „Wichtig ist, die Blumen wie die Stangen eines Tipis gespreizt zu halten, dann kann man locker von oben immer wieder neue Blumen einstecken“, sagt der 45-Jährige, der als Profi kurz vor Muttertag die zahlreichen Aushilfen bei Miflora angelernt hat. Am Ende versucht der Florist oben eine Kuppel entstehen zu lassen. „Der Strauß muss einfach schön aussehen. Jeder ist ein Unikat.“

Bevor Erko Feigl die fertigen Sträuße in den dafür vorgesehenen Stelleimern in den Regalen neben seinem Tisch platzieren kann, ist viel passiert. Betriebsleiter Oliver Jung ist für die Logistik zuständig, die hinter dem Blumengeschäft steckt. In der Früh um 3 Uhr steht er auf und ersteigert an der Blumenbörse in den Niederlanden die Blumen.

Die Blumen werden dann vor die Lagerhalle in Garching geliefert. Dort werden sie in die ungefähr sechs Grad kalte Kühlkammer gebracht. Um 5 Uhr in der Früh sind in der Woche vor Muttertag die ersten Floristen da, die die frischen Blumen verarbeiten. Bis mindestens 22 Uhr wird in zwei Schichten gebunden. „Solange wie ein Lied im Radio läuft“, braucht Erko Feigl, bis ein Strauß fertig ist. Das sind im Schnitt 3 Minuten 40 Sekunden. Damit schafft er rund zwölf Stück pro Stunde.

Wenn am Samstag alle Sträuße gebunden und auch die letzten per Express-Post auf dem Weg zu den Müttern sind, werden alle Miflora-Mitarbeiter feiern. „Wir haben zwei Spanferkel bestellt“, sagt Tobias Mazet.

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