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Hochqualifizierte Frauen werden von der Digitalisierung der Arbeitswelt besonders profitieren, vermuten einige Experten. Foto: Monique Wüstenhagen

Weibliches Know-how zählt mehr

Nützt die Digitalisierung Frauen?

Die Arbeitswelt befindet sich im Umbruch. Davon werden vor allem Frauen profitieren, sagen einige Experten: Weibliche Kompetenzen seien in der Arbeitswelt der Zukunft besonders gefragt. Doch viele Fachleute zweifeln auch daran. Also: Haben Frauen künftig das Sagen?

München (dpa/tmn) - In der Arbeitswelt der Zukunft gibt es keine Ungerechtigkeit mehr. Männer und Frauen werden gleichberechtigt sein. Der Gender Pay Gap, also die geringere Entlohnung von Frauen im Vergleich zu Männern, ist dann kein Thema mehr.

Dass es so kommen könnte, klingt für viele Menschen weiterhin utopisch. Doch einige Experten halten es für möglich, dass sich die berufliche Lage der Frauen durch die Digitalisierung deutlich verbessern könnte. Entspannt auf die Zukunft vertrauen sollten Frauen aber lieber nicht.

"Ich weiß, dass ich eine steile These vertrete", sagt Prof. Christiane Funken. Die Soziologin beschäftigt sich an der Technischen Universität Berlin unter anderem mit Geschlechterforschung. Sie argumentiert: Künftig werden in der Arbeitswelt Stärken und Talente gefragt sein, die vor allem Frauen mitbringen.

Funken betont zugleich, dass sich diese Entwicklung nur auf Wissensarbeiterinnen beziehe. Sie geht unter anderem davon aus, dass Firmen künftig noch stärker im globalen Wettbewerb miteinander stehen. Um erfolgreich zu sein, müssten sie noch kundenorientierter arbeiten. Um das zu erreichen, gebe es weniger starre Abteilungsgrenzen, sondern es werde häufiger in sich immer neu bildenden Teams zusammengearbeitet. Empathie, Flexibilität und Kreativität seien die entscheidenden Kompetenzen der Zukunft, und die brächten vor allem Frauen mit.

In die gleiche Richtung denkt Kira Marrs. Sie forscht am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München unter anderem zum Thema weibliche Karrieren - und geht davon aus, dass sich derzeit im Zuge der Digitalisierung viele Firmen neu aufstellen und etwa nach neuen Geschäftsmodellen suchen. Dadurch verändere sich die Art und Weise, wie Unternehmen funktionieren. Starre Abteilungsgrenzen lösten sich zunehmend auf.

Viele Unternehmen fangen zum Beispiel an, in den Communities im Intranet darüber zu diskutieren, wie sie sich künftig aufstellen und ihr Unternehmen neu denken wollen. "Auf diesem Weg erhalten Mitarbeiter neue Chancen, sich einzubringen, denn alle bis hin zum Vorstand nutzen die gleiche Plattform", erklärt Marrs. Das berge für Frauen ganz neue Möglichkeiten, sichtbar zu werden.

Die Gegner dieser These stellen zunächst einmal infrage, dass es überhaupt Eigenschaften gibt, die typisch weiblich sind. Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin gibt noch einen anderen Punkt zu bedenken: Laut einer Studie der Universität Oxford aus dem Jahr 2013 werden durch die sogenannte vierte industrielle Revolution aufgrund des Einsatzes von Robotern viele Arbeitsplätze verloren gehen. Die Autoren geben dabei auch Berufsprofile vor, die voraussichtlich verschwinden werden. Grabka hat sich angeschaut, wer vor allem in den Top 10 der bedrohten Berufe und wer in den am wenigsten gefährdeten Berufen arbeitet. Dabei zeige sich, dass Frauen überdurchschnittlich stark vom potenziellen Beschäftigungsabbau betroffen sein könnten.

Wer jetzt gerade seine Berufsausbildung macht, kann kaum wissen, wie sich die Arbeitswelt der Zukunft entwickelt. Welchen Schluss sollten junge Frauen also daraus ziehen? Marrs rät jedem dazu, sich im eigenen Berufsfeld anzuschauen, wie die Digitalisierung seine Branche verändert. Es sei außerdem wichtig, interdisziplinäre Kompetenzen zu erwerben und über den Tellerrand zu schauen. Dafür müsse nicht jeder an der Hochschule lernen, wie man programmiert. Aber es sei wichtig, mit digitalen Werkzeugen umgehen zu können. Dann kann die Digitalisierung der Arbeitswelt durchaus eine Erfolgsgeschichte für Frauen werden.

Studie von Carl B. Frey und Michael A. Osborne, Universität Oxford

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