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War lange Zeit out - doch jetzt erlebt der Filterkaffee ein Revival. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Omas Filterkaffee liegt wieder im Trend

Filterkaffee ist in Deutschlands Szene-Gastronomie wieder salonfähig geworden: Baristas stehen bereits im Wettstreit um die beste Zubereitung. Umweltschützer hoffen auch bei den Verbrauchern auf ein Umdenken: Geht der Kapsel-Kult zu Ende?

München (dpa) - Filterkaffee wie zu Omas Zeiten erlebt in Deutschlands Küchen ein Comeback. Als Gegenbewegung zu Kaffeekapseln und Vollautomaten hat es der Handaufguss ("Pour Over") in angesagten Cafés zwischen Hamburg und München längst wieder auf die Speisekarten geschafft.

Mit der braunen Brühe von der Wärmeplatte aus den "Draußen nur Kännchen"-Zeiten haben diese Kreationen nichts zu tun: Bei einer Barista-Meisterschaft an diesem Wochenende auf der Messe "Food & Life" in München wetteifern Kaffeeprofis um den besten Mix aus Mahlgrad, Röstung und Aufgusstemperatur für den perfekten Filterkaffee.

Aber auch viele Verbraucher geben dem Brühkaffee nach dem massenhaften Einzug der Vollautomaten und Kapselmaschinen eine zweite Chance: "Der Filterkaffee erlebt eine neue Wertschätzung", sagt Miriam Emmermann vom Deutschen Kaffeeverband. Nach einem leichten Rückgang in den vergangenen Jahren sei der Umsatz mit Filterkaffee inzwischen stabil. "Wir gehen davon aus, dass er auch im Jahr 2015 Filterkaffee die beliebteste Zubereitungsart sein wird." Der Handaufguss gewinne dabei auch in den Haushalten an Bedeutung. Der Kaffeeröster Tchibo verzeichnet eine steigende Nachfrage nach seinem Porzellanfilter. "Es gibt da eine Renaissance", sagt ein Sprecher.

Vor einigen Jahren war dem Filterkaffee noch ein schleichendes Ende vorausgesagt worden, weil viele Verbraucher ihre alte Maschine gegen eine Pad- oder Kapselmaschine austauschten. Der Rückgang sei aber nicht so stark gewesen wie gedacht, heißt es beim Kaffeeröster Dallmayr in München. Mit einem Anteil von 70 Prozent war der Filterkaffee 2014 laut Kaffeeverband immer noch mit Abstand die populärste Zubereitungsart in Deutschland. Pads und Kapseln machten zuletzt rund 13 Prozent aus. Der Kaffeeverband geht davon aus, dass beide Strömungen nebeneinander bestehen bleiben: Nicht jeder wolle aus dem Kaffeekochen schließlich eine Wissenschaft machen, sagt Emmermann. "Diese Verbraucher greifen zu Vollautomaten oder Einzelportionsmaschinen."

Umweltschützer hoffen aber darauf, dass vor allem der Kapsel-Kult bald zu Ende geht. "Wenig Kaffee, ganz viel Müll", kritisiert die Deutsche Umwelthilfe und warnt vor tonnenschweren Folgen für die Umwelt durch die Kapseln. "Sie bestehen zu zwei Dritteln aus Kaffee und zu einem Drittel aus Verpackungsmaterial." Im vergangenen Jahr produzierten drei Milliarden verkaufte Kaffeekapseln nach Berechnungen der Stiftung Warentest rund 5000 Tonnen Verpackungsmaterial. "Etwa 500 Müllwagen wären notwendig, sie abzutransportieren. Umweltschutz sieht anders aus."

Daneben sind aus Sicht von Verbraucherschützern aber auch die Kosten für die Tasse Kaffee ein Thema: Immerhin trinken die Deutschen im Schnitt 162 Liter von ihrem Lieblingsgetränk pro Jahr - das sind rund 650 Tassen. Bei einem Kapselpreis von 35 Cent wie beispielsweise bei Nespresso geht das ins Geld. "Viele beschweren sich bei uns über die hohen Preise für Einzelportionen", sagt Silke Schwartau, die die Ernährungsabteilung der Verbraucherzentrale Hamburg leitet. Selbst Single-Haushalte, so ihre Empfehlung, können sich auch Filterkaffee portionsweise zubereiten: Mit einem Handfilter und kochendem Wasser - so wie früher. "Das spart Geld und Müll."

Kaffeekonsum in Deutschland

Stiftung Warentest zu Kaffeekapseln

Tipp 1: Besonders, wer mit der Hand aufgießt, kann bei der Zubereitung mehrere Dinge beachten. Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg, empfiehlt, den Filter zuerst mit heißem Wasser anzufeuchten. So öffnen sich die Poren schon mal. "Das ist wichtig für das Aroma des Kaffees. Auch einen "Papiergeschmack" durch den Filter selbst kann man dadurch verringern." Erst dann kommt das Pulver in den Filter. Dann das Wasser eingießen, bis das Kaffeepulver bedeckt ist - und schließlich kreisend aufgießen, damit das komplette Pulver mit dem Wasser in Kontakt kommt.

Tipp 2: Das Wasser sollte nicht kochen, sondern etwas mehr als 90 Grad haben. Am besten also aufkochen und dann etwas abkühlen lassen. Ist das Wasser zu heiß, leide das Aroma und der Kaffee könne bitter schmecken, sagt Valet. Ist das Wasser zu kalt, werden allerdings nicht alle wichtigen Stoffe gelöst. Ebenfalls wichtig: Das Wasser darf nicht zu hart sein, sonst schmeckt der Kaffee nicht so gut.

Tipp 3: Dass Kaffee trocken und fest verschlossen gelagert werden sollte, wissen die meisten - ansonsten verliert er schnell an Aromen. Valet empfiehlt außerdem: Nicht in der Nähe von Gewürzen oder anderen geschmacksintensiven Lebensmitteln aufbewahren." Ansonsten könne er den Geruch annehmen. Wichtig ist auch, dass das Kaffeepulver nicht zu warm lagert.

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