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Diözesanmusikdirektor Gregor Frede (r) gibt in der Kirche des Juliusspitals in Würzburg dem 17-jährigen Michael Netrval Unterricht an der Orgel. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Von wegen altmodisch

Orgel spielen liegt im Trend

Wer auf der Empore der Kirche einen in die Tasten hauenden Tattergreis erwartet, liegt meist falsch. Denn erstaunlich viele junge Leute lernen Orgel spielen. Trotzdem stehen die Kirchen immer zur gleichen Zeit vor einer ganz bestimmten Herausforderung.

Würzburg (dpa) - Michael Netrval schlägt erst sanft und schließlich kräftig mit Händen und Füßen die Tasten der Orgel an. Durch die Kirche des Würzburger Juliusspitals dröhnt der satte Ton des riesigen Instruments.

Diözesanmusikdirektor Gregor Frede nickt zufrieden. Genau so hat er sich das vorgestellt. Frede gibt dem 17-jährigen seit einigen Monaten Orgelunterricht. Und der junge Mann aus dem unterfränkischen Karlstadt ist keine Ausnahmeerscheinung.

Obwohl die Orgel nicht das klassische Musikinstrument für Kinder zu sein scheint, hat das Bistum Würzburg keinerlei Nachwuchssorgen. "Wir machen immer wieder Werbung. Es ist ein tolles Instrument und wir haben auch viele Anfragen", sagt Frede dazu. Das Bistum bildet derzeit etwa 300 Orgelschüler aus. Ein Mindestalter gibt es dabei nicht. Denn bei der Orgel kommt es nicht aufs Alter, sondern auf die Größe an. "Sie müssen so groß sein, dass sie mit den Füßen an die Pedale kommen. Dann können sie bei uns starten." Interessenten sollten allerdings bereits Klavier oder Keyboard spielen können.

Michael Netrval spielt seit zehn Jahren Klavier. Seine Mutter und sein Onkel sind bereits Organisten. "Die Orgel ist ziemlich faszinierend. Allein die Größe des Instrumentes ist beeindruckend - und dass sie mit ihren Klängen die ganze Kirche ausfüllt", sagt Netrval, der auch noch Gitarre, Bass, Schlagzeug, Glockenspiel und Singen beherrscht. "Die größte Herausforderung bei der Orgel ist die Koordination zwischen Hand und Fuß. Beim Schlagzeug ist das zwar auch so, aber bei der Orgel muss ich ja auch noch die Töne treffen."

Die Orgel-Ausbildung dauert meist drei Jahre. Schon nach zwei Jahren seien die Schüler schließlich in der Lage, selbst verantwortlich in der Liturgie mitzuwirken, sagt Frede. "Es kann durchaus sein, dass ein 15-Jähriger am Sonntag den Gottesdienst an der Orgel allein bestreitet."

Das Bistum fördert den Unterricht der Schüler zu zwei Dritteln. Somit kostet die Ausbildung im Monat noch 44 Euro. Unter den Schülern sind aber nicht nur junge Leute. Auch ältere, die vor vielen Jahren einmal Orgel gespielt haben und ihr Wissen nun wieder auffrischen wollen, nehmen Orgelstunden. "Es kommen auch immer mehr Interessenten allein wegen des Instrumentes und ohne Kirchenhintergrund. Die kommen einfach, weil sie die Töne gehört haben und es mal lernen wollen. Viele kommen über das Instrument wieder zur Kirche", sagt Frede. Er schätzt, dass ein Drittel der Orgel-Anfänger keinen Kirchenbezug haben.

Belastbare bundesweite Zahlen zu Orgelspielern gibt der Gesellschaft der Orgelfreunde (GDO) zufolge es nicht. Eine Tendenz sei dennoch deutlich erkennbar: "Das boomt relativ gut", sagt GDO-Präsident Matthias Schneider. Der Professor für Kirchenmusik ist zudem erstaunt, dass es derzeit "ziemlich viele Initiativen" gebe, um Kinder an die Orgel zu bekommen. Auch allgemein sei das Instrument wieder mehr im Gespräch. "Filmmusik, Orgelmusik gemischt mit Synthesizerklängen, Popularmusik auf der Orgel - es wird das neue Potenzial der Orgel entdeckt." Erst vor wenigen Tagen sind Orgelbau und Orgelmusik von der Unesco zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden.

Diözesanmusikdirektor Frede selbst ist nach wie vor beeindruckt von dem Instrument, das auch gern als die Königin der Instrumente bezeichnet wird. "Es ist ein Instrument, mit dem man viele Stimmungen und tolle Töne machen kann." Zudem schärfe es den Sinn für die Musik. "Die Orgel ist ein Instrument, an dem man ganz viel improvisieren kann. Man komponiert im Augenblick", sagt Frede.

Trotz des großen Interesses am Orgelspielen stehen die Kirchen aber immer wieder vor einer Herausforderung: Ausgerechnet an den Sonntagen und in den Ferienzeiten - also auch an Weihnachten - sind viele Nachwuchsmusiker ausgeflogen und machen Urlaub. Frede: "Wir bilden viele Leute aus, die dann aber durch die anderen Gewohnheiten ganz viel unterwegs sind. Der Mangel entsteht durch die Mobilität der Leute."

Viele ausgebildete Organisten im Bistum Würzburg würden deshalb an Sonntagen oft zu drei bis vier Gottesdiensten fahren "und spielen und spielen und spielen". Soweit ist der 17 Jahre alte Netrval noch nicht. Aber schon an Weihnachten wird er an der Orgel im Landkreis Main-Spessart zumindest einen Teil des Gottesdienstes mitgestalten.

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