+
Ein Helfer kippt in Triftern einen Eimer mit Schlamm vom Hochwasser vor ein Haus. Foto: Armin Weigel

Pflicht und Recht: Vermieter und Mieter nach der Flut

In der Wohnung steht das Wasser, die Räume sind nicht mehr nutzbar: Was können Mieter von ihrem Vermieter verlangen? In welchen Fällen müssen sie ihre Miete überhaupt noch zahlen, und wann können sie fristlos kündigen?

München (dpa/tmn) - Ist die Wohnung oder das Haus durch Hochwasser vollständig zerstört und nicht mehr unbewohnbar, muss der Mieter keine Miete zahlen. "Er kann die Miete um 100 Prozent mindern", sagt Anja Franz vom Mieterverein München auf Anfrage.

Das gilt auch, wenn der Vermieter nichts für die Überschwemmung kann. Doch können Mieter auch kündigen, und welche Kosten müssen Vermieter tragen - ein Überblick:

Mietminderung: Sind nur einzelne Räume feucht und gar nicht oder kaum mehr bewohnbar, hängt die Höhe der Mietminderung davon ab, welches Ausmaß die Überschwemmung hat. In jedem Fall muss der Mieter seinen Vermieter aber über die Schäden informieren. Er sollte außerdem alles mit Fotos dokumentieren, rät Franz.

Schadenersatz: Wer aufgrund des Hochwassers aus seiner Wohnung ausziehen muss, kann nicht verlangen, dass ihm der Vermieter eine Ersatzwohnung stellt. "Grundsätzlich hat der Mieter bei Flut gegenüber dem Vermieter keinen Anspruch auf Schadenersatz", sagt Franz. Das gilt zumindest wenn höhere Gewalt - wie zum Beispiel bei einem Unwetter - die Ursache dafür ist. Betroffene, die eine Notunterkunft suchen, sollten sich an die zuständige Gemeinde, die Feuerwehr oder an den Katastrophenschutz wenden.

Für die Kosten einer Unterbringung muss der Vermieter nur aufkommen, wenn er grob fahrlässig gehandelt hätte, erklärt Franz - also etwa Abflussrohre nicht gereinigt oder Ventile nicht gewartet hätte.

Wiederherstellung: Der Vermieter muss sich grundsätzlich darum kümmern, die Räume aufzuräumen und wieder bewohnbar zu machen. Ist das Haus beschädigt, muss er es reparieren lassen. "Die nötigen Maßnahmen dafür, darf er nicht schuldhaft verzögern", sagt Franz. Andernfalls kann der Mieter unter Umständen doch Schadenersatzforderungen stellen. Kosten für die Reparatur oder die Schadensbehebung kann der Vermieter in der Regel bei seiner Wohngebäude- und Hausratversicherung geltend machen. Jedoch nur, wenn seine Police eine Klausel gegen Elementarschäden hat.

Kündigen: Ist die Wohnung nicht mehr bewohnbar, kann der Mieter sie unter bestimmten Voraussetzungen fristlos kündigen. Wenn er beispielsweise befürchtet, dass die Folgen der Überschwemmung seine Gesundheit erheblich gefährden, weil fauliges Wasser in den Räumen steht. Doch Vorsicht: "Fristlos Kündigen heißt, dass man sofort ausziehen muss", erklärt Franz. Wer das will, sollte beim Vermieter zusätzlich zur Kündigung eine ärztliche Stellungnahme einreichen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ich bin krank: Was darf mein Chef jetzt wissen?
München - Generell geht es den Arbeitgeber nichts an, woran ein Arbeitnehmer erkrankt ist. Allerdings darf er unter Umständen sogar einen Detektiv beauftragen, um …
Ich bin krank: Was darf mein Chef jetzt wissen?
In diesen Ländern werden Sie schlagartig so zum Millionär
Urlaub in Asien boomt. Wer zudem nach Indonesien fliegt, wird bereits am Flughafen zum Millionär. Wie das geht, erklärt Ihnen die Redaktion.
In diesen Ländern werden Sie schlagartig so zum Millionär
Nach Gewitterregen: Übertöpfe und Untersetzer ausleeren
Eigentlich können die meisten Pflanzen einen Schauer im Sommer gut vertragen. Doch nach Starkregen müssen Übertöpfe und Untersetzer möglichst schnell geleert werden, …
Nach Gewitterregen: Übertöpfe und Untersetzer ausleeren
Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen
Ändert sich bei Pferden die Rangordnung, kann es schnell zur Unruhe in der Herde kommen. Manchmal ist es daher notwenidg, ältere Tiere zu isolieren.
Ältere Pferde muss man manchmal von der Herde trennen

Kommentare