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Weltkunst in der Hauptstadt der Schönheit: "Großer Ikarus" (1984/85) von Fritz Koenig im Boboli-Garten.

Uffizien

Weltkunst in der Hauptstadt der Schönheit: Die große Fritz-Koenig-Retrospektive in Florenz

Eine Kunst-Ausstellung als Wiedergeburt: Fritz Koenig (1924-2017), einer der bedeutendsten Bildhauer des 20. Jahrhunderts, ist gegenwärtig in Florenz zu bewundern.

Es ist eine Präsentation der Superlative: An zwei Orten zugleich, in den Uffizien und im Boboli-Garten, begegnen Besucher den Skulpturen und Zeichnungen eines Mannes, der zwar weltberühmt ist, sich aber zeitlebens ganz bewusst dem Kunstmarkt entzogen hat.

Seine modernen Meisterwerke im Zentrum der Renaissance - das ist im Sommer 2018 "ein einmaliges und bewegendes Kunst- und Kulturerlebnis", wie es Dr. Eike Schmidt, der Direktor der Uffizien, zusammenfasst: "Wir präsentieren die umfangreichste, bisher gezeigte Retrospektive von Fritz Koenig. Sie ist die größte Skulpturenausstellung für einen einzelnen Künstler, die es in Florenz und ganz Italien je gab!"

"Fritz Koenig, 1924-2017, die Retrospektive" umfasst elf Säle in den Uffizien und 25 großformatige Skulpturen im Boboli-Garten. Die Ausstellung ist unter der Leitung von Dr. Eike Schmidt (Direktor der Uffizien), dem Kunsthistoriker Alexander Rudigier und Stefanje Weinmayr (Leiterin des Landshuter Skulpturenmuseums im Hofberg) entstanden.

Im Boboli-Garten mit seiner immergrünen Vegetation, seinen Terrassen und Brunnenanlagen sind Koenigs Skulpturen teils mit großen Höhenunterschieden aufgestellt - wie bis vor kurzem am Ganslberg. Dort, in Niederbayern, hatte der Künstler sein eigenes Paradies geschaffen: Wohn- und Ateliergebäude, Stallungen und große Hallen für seine berühmte Sammlung afrikanischer Kunst, inmitten einer von ihm modellierten Landschaft.

Vor dem Panorama von Florenz bestechen seine Figuren durch ihre geometrische Klarheit und ihre formale Disziplin. Sie fügen sich so harmonisch ein, als wären sie schon immer da gewesen. Die Werke aus Stein: "Zwei Rinder", geschaffen im Jahr 1955, ruhen sich im Gras aus. Daneben fängt der "Himmelsspiegel", ein Findling, mit seiner glatt polierten Schnittfläche die Sonnenstrahlen ein, reflektiert das Licht und die Wolken. Die Werke aus Stahl und Bronze: Hinter dem "Großen Stufenepitaph" (1985) staffeln sich eine antik römische Granitwanne und die Figur eines Pegasus aus dem 19. Jahrhundert in die Höhe. Die "Große Blattfigur" (2012) entfaltet sich auf einer Wiese, umstanden von hohen Laubbäumen und auf einem Stufensockel, der die benachbarten Säulenmonumente zu zitieren scheint. Und im Amphitheater des Boboli-Gartens, vor dem Obelisken mit seinen Hieroglyphen und Sonnensymbolen, steht der "Große Ikarus" aus dem Jahr 1984/85 mit seiner gewaltigen Sonnenscheibe - altägyptische und moderne Zeichensprache im Dialog.

Am 11. September 2001 wurde die Kunst von Fritz Koenig schlagartig rund um den Erdball bekannt. Im Schutt der Ruinenlandschaft des New Yorker World Trade Center hatte ein Kunstwerk den Terror überstanden: seine "Große Kugelkaryatide", bekannt als "The Sphere", schwer beschädigt, aber nicht zerstört. Die Skulptur war die größte nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa gefertigte Bronzeplastik; Koenig hatte den Auftrag in Konkurrenz mit Henry Moore (1898-1986) zugeteilt bekommen. Heute ist sie das Symbol für den Überlebenswillen von New York, steht für das Erinnern und zugleich für den Neuanfang. "Sie war eine Skulptur, jetzt ist sie ein Monument", wie es Fritz Koenig selbst ausdrückte. Erschütternd ist Koenigs Auseinandersetzung mit der Shoah: Für das Berliner Denkmal der ermordeten Juden in Europa entwarf er einen riesigen Brandofen, umgeben von unüberwindbaren Wällen - in dessen Mitte, wie zusammengekehrt, ein gewaltiger Leichenberg.

Diese und andere Kapitel aus Koenigs Schaffen werden in den Innenräumen der Uffizien vermittelt. Hier taucht der Betrachter in Koenigs glaubens- und ideologiefreie Inhalte ein. Im Zentrum stehen Sexualität und das Verhältnis von Mann und Frau. Vitalität und Eros fließen in eins. Für Koenig, selbst begeisterter Züchter schönster Araberpferde, war das Pferd mehr als bloß ein Motiv - es war die Maske seiner sexuellen Fantasien. Sein zweiter großer Stoff war der Tod, vor dem er in seiner Kunst Zuflucht fand. "Das menschliche Schicksal ist sein übergeordnetes Thema. Seine Figuren haben keine Gesichtszüge. Nicht Individualität, sondern Allgemeingültigkeit verlieh er ihnen. Alle seine Werke tragen ihren Schlüssel in sich selbst. Es ist die eigene Lebenserfahrung, die sie jedermann verständlich macht", so Alexander Rudigier, der mit dem Künstler befreundet war und das Werk Koenigs im Katalog zur Ausstellung inhaltlich einordnet. Sämtliche Autoren dieses Kataloges kannten Fritz Koenig persönlich. In seiner umfangreichen Bebilderung ist er ein einzigartiges Dokument zu Leben und Schaffen des Bildhauers, der die deutsche Skulptur in die Moderne führte.

Florenz-Besucher können "Fritz Koenig, 1924-2017, die Retrospektive" noch bis zum 7. Oktober 2018 erleben.

Pressekontakt

Dr. Sascha Priester
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